Multi-Asset-Fonds
Multi-Asset-Fonds verfolgen die Strategie, möglichst breit in die verschiedensten Anlageformen zu investieren, um Risiken zu streuen und sich bietende Renditechancen wahrzunehmen. Auf der Einkaufsliste der Fondsmanager stehen daher neben den Dividenden- und Zinspapieren oft auch alternative Anlagen wie Immobilien, Rohstoffe, Hedge-Fonds, Lebensversicherungen oder Containerschiffe.
Für ihre besonders breit ausgerichtete Anlagestrategie berufen sich die Verwalter dieser Fonds auf die Erfolge amerikanischer Universitätsfonds und auf die Depots sehr vermögender Anleger. So machen Aktien, Anleihen und Liquidität bei den wohlhabenden Investoren oft nur rund drei Viertel der Anlagen aus, wie ein aktueller Report von Cap Gemini und Merrill Lynch zeigt. Dagegen steckt knapp ein Viertel der Mittel in alternativen Anlagen (inklusive Anlageimmobilien), berichtet der „World Wealth Report 2008". Noch größer ist dieser Anteil in den Depots der langfristig besonders erfolgreichen US-Stiftungsfonds. Die Universität Yale etwa investiert mehr als die Hälfte ihres Stiftungsvermögens in Immobilien, Rohstoffe, Hedge-Fonds und außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen (Private Equity). Selbst Wälder und Farmbetriebe haben den Weg in das Portfolio gefunden.
Die Umsetzung einer solchen Anlagestrategie in Fonds mit täglicher Verfügbarkeit ist jedoch keine einfache Angelegenheit. Viele alternative Anlagen sehen ein langfristiges Investment vor. Ein kurzfristiger Ausstieg ist oft nur schwer umzusetzen. Zudem ist den Investmentfonds der direkte Kauf von physischem Gold oder von Rohstoffkontrakten an den Terminbörsen normalerweise nicht erlaubt. Die Multi-Asset-Fonds weichen daher in der Regel auf indirekte Investments aus. Sie kaufen zum Beispiel Aktien von Rohstoffunternehmen und Private-Equity-Firmen oder investieren über offene Immobilienfonds in Bürohäuser und Ladenflächen. Auch Zertifikate, die die Wertentwicklung alternativer Anlagen verbriefen, befinden sich häufig in den Portfolios. Außerdem stecken bis zu 10 % des Fondsvermögens in Hedge-Fonds.
Das indirekte Investieren hat meistens spürbare Auswirkungen. So folgen Rohstoffaktien zwar auf mittlere Sicht häufig der Entwicklung der Rohstoffpreise. Allerdings wirken noch zahlreiche weitere Einflussfaktoren auf ihre Kursentwicklung ein, so dass sich zumindest zeitweise erhebliche Abweichungen zur Preisentwicklung der Rohstoffe ergeben können. Für Zertifikate fallen in der Regel zusätzliche Gebühren an. Außerdem benötigen die Emittenten der Zertifikate einen einigermaßen liquiden Markt, um ein solches Wertpapier überhaupt anbieten zu können. Täglich veräußerbare Zertifikate auf die Preisentwicklung von Waldbesitz oder Farmland sind daher auch in Zukunft kaum darstellbar. Eine 1:1-Kopie der US-Universitätsfonds ist somit nicht möglich. Multi-Asset-Fonds sind gleichwohl eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Mischfonds, der nur auf Aktien, Anleihen und Liquidität setzt.
Bei den Multi-Asset-Fonds gibt es unterschiedliche Risikoniveaus. Beispielsweise steht der Zusatz „Opportunities" für die offensivste Variante, während „Invest" am defensivsten ausgerichtet ist. Die dritte Variante „Dynamik" geht den Mittelweg.

