Insolvenzen in Europa

Im Spiegel der Krise
Die prekäre Lage der Volkswirtschaften Südeuropas spiegelt sich im Insolvenzgeschehen wider: So finden sich  Griechenland (plus 27,3 % auf 452 Fälle), Spanien (plus 18,7 % auf 5.752 Fälle), Italien (plus 16,9 % auf 11.792 Fälle) und Portugal (plus 17,1 % auf 6.025 Fälle) den Ländern mit deutlichen Zuwächsen bei den Unternehmensinsolvenzen. Der vergleichsweise guten Entwicklung in den zentraleuropäischen Ländern Deutschland (minus 5,8 % auf 30.200 Fälle), Frankreich (minus 3,0 % auf 49.506 Fälle), Österreich (minus 7,0 % auf 6.194 Fälle) und den Niederlanden (minus 2,9 % auf 7.000 Fälle) ist es zu verdanken, dass die Insolvenzsituation in diesem Jahr kein dramatischeres Ausmaß angenommen hat. Das geht aus der jüngsten Insolvenz-Statistik der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor.

Peripherieländer im Schatten der Schuldenkrise
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den EU-15-Ländern plus Norwegen und der Schweiz ist im vergangenen Jahr auf 174.917 gestiegen. Damit konnte ein leichter Zuwachs von 0,3 % gegenüber 2010 registriert werden, als noch 174.463 Unternehmen von einer Insolvenz betroffen waren. Im historischen Vergleich befindet sich die Zahl der Insolvenzfälle seit dem Beginn der Finanzkrise 2008/09 auf einem hohen Niveau.

Die Verschärfung der Lage im europäischen Insolvenzgeschehen hat sich auf die insolvenzbedingte Arbeitslosigkeit ausgewirkt. So ist die Zahl der drohenden Arbeitsplatzverluste im Jahr 2011 um 7,1 % auf 1,5 Mio gestiegen (2010: 1,4 Mio).

Rückgang bei den Privatinsolvenzen

Die Situation bei den Privatinsolvenzen hat sich entspannt. 2011 wurden in Westeuropa insgesamt 373.284 zahlungsunfähige natürliche Personen erfasst. Damit wurden rund 5.800 Personen weniger gezählt als im Vorjahr (379.091 Fälle). Dies entspricht einem Rückgang um 1,5 %. Der Rückgang lässt sich hauptsächlich auf die positive Entwicklung in Deutschland (minus 5,8 %; 129.800 Fälle) und Großbritannien (minus 8,8 %; 143.871 Fälle) zurückführen. Ein deutlicher Zuwachs an Privatinsolvenzen musste in (plus 26,4 %; 56.079 Fälle), gefolgt von den Niederlanden (plus 26,0 %; 14.344 Fälle) und Finnland (plus 19,7 %; 3.531 Fälle) gemeldet werden.

Angespannte Insolvenzsituation in Osteuropa
Das wirtschaftliche Umfeld in den osteuropäischen Staaten wurde zu einem großen Teil durch die Schuldenkrise und den daraus entstehenden Konsequenzen in den Ländern Westeuropas bestimmt. Insgesamt ist die Situation im Angesicht der sich abzeichnenden schwierigen Kreditsituation für Unternehmen angespannt. So hat die die Zahl der Firmenzusammenbrüche in Osteuropa um 6,1 % auf 39.423 Insolvenzfälle zugenommen (2010: 37.139 Fälle). größten Zuwächse sind in Bulgarien (plus 114,3 %; 1.500 Fälle), Slowenien (plus 32,4 %; 675 Fälle) und Tschechien (plus 21,5 %; 6.753 Fälle) zu verzeichnen. Ein deutlicher Rückgang zeigt sich in Lettland (minus 66,8 %; 800 Fälle) und Estland (minus 49,2 %; 256 Fälle).

Unternehmen aus der Mittelmeerregion überziehen am längsten
Wie schwierig es um die Liquidität der südeuropäischen Unternehmen bestellt ist, zeigen die schlechten Zahlungserfahrungen exportorientierter deutscher Unternehmen. So musste jedes vierte deutsche Unternehmen (25,2 %) einen Zahlungsverzug von über einen Monat hinnehmen, wenn es Waren nach Italien ausführte. Ebenso schlechte Schuldner waren spanische und portugiesische Unternehmen. 23,4 % der deutschen, im Export tätigen Unternehmen klagten über Kunden aus Spanien und Portugal, die das vereinbarte Zahlungsziel über 30 Tage verstreichen ließen. Geschäftliche Beziehungen nach Osteuropa waren mit ähnlichen Problemen behaftet. Nur jeder zehnte deutsche Exporteur hatte keinen Zahlungsverzug zu beanstanden, wenn er Waren in Länder wie Rumänien und Kroatien (10,6 %) oder Tschechien und Ungarn (10,7 %) ausführte.

In den zentraleuropäischen Volkswirtschaften stellte sich die Lage positiver dar. So blieben deutsche Unternehmen bei einem Export nach Österreich und in die Schweiz in mehr als drei von zehn Fällen (35,3 %) von einem Zahlungsverzug gänzlich verschont. Als relativ gute Schuldner zeigten sich ebenso die Benelux-Länder. Fast jedes vierte deutsche Unternehmen (23,3 %), das Waren in diese Volkswirtschaften lieferte, musste keinen Zahlungsverzug hinnehmen.

Rückläufige US-amerikanische Insolvenzzahlen
In den USA war das Jahr 2011 vom Schuldenabbau geprägt. So konnten 8,2 % weniger Privatinsolvenzen registriert werden (2011: 1.411.000 Fälle; 2010: 1.536.799 Fälle). Ebenso positiv entwickelte sich die Insolvenzlage im Unternehmenssektor. Im Jahr 2011 mussten nur noch 48.500 Unternehmen Insolvenz anmelden (Vorjahr: 56.282 Fälle; minus 13,8 %).
 

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