Insolvenzen
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist zum ersten Mal seit 2003 wieder angestiegen. Insgesamt beliefen sich die Unternehmensinsolvenzen für das Jahr 2008 auf 29.800 Fälle, was einem Plus von 2,2 % (2007: 29.150 Fälle) im Jahresverlauf entspricht. Dagegen gingen zum ersten Mal seit Einführung der Insolvenzordnung die Verbraucherinsolvenzen zurück: Insgesamt 98.500 Personen beantragten bei Gericht die Restschuldbefreiung (Vorjahr: 105.300). Das geht aus einer aktuellen Creditreform-Untersuchung hervor. Die „Sonstigen Insolvenzen“ – Nachlasskonkurse, ehemals selbstständig Tätige und persönlich haftende Gesellschafter – beliefen sich im Jahr 2008 auf 28.400 Fälle und verzeichneten damit einen leichten Rückgang von minus 6,3 %.
Dienstleister überdurchschnittlich, Verarbeitendes Gewerbe nur unterdurchschnittlich betroffen
Um deutliche 16,3 % auf 2.520 betroffene Unternehmen ging die Zahl der Insolvenzen im Verarbeitenden Gewerbe zurück. Die Dienstleistungsbranche hingegen hat einen Anstieg um 5,3 % zu verkraften. Auch die Handelsunternehmen weisen einen größeren Anstieg (um 4,1 %) auf als der Durchschnitt aller Branchen (2,2 %). Im Baugewerbe stieg die Zahl der Insolvenzen um 2,1 % auf 5.440 Unternehmen an.
Im Durchschnitt aller Branchen gingen im Jahr 2008 96 von 10.000 Unternehmen in die Insolvenz. Im Bau waren es mit 163 deutlich mehr und im Verarbeitenden Gewerbe waren es deutlich weniger – nämlich 66. Den stärksten Anstieg verzeichnete die Branche „sonstiger Fahrzeugbau“, hier gingen die Insolvenzen um 75,3 % nach oben. Dagegen verzeichnet die Branche „Herstellung von Möbeln“ den stärksten Rückgang: Um 40,5 % nahmen hier die Insolvenzen ab.
Insolvenzgefährdet: Kleine, junge Unternehmen
Der Anteil an Mikrobetrieben am Insolvenzgeschehen steigt seit Jahren an. Mehr als jeder vierte Antrag (25,8 %; Vorjahr: 25,5 %) betrifft mittlerweile einen Betrieb, der weniger als 100.000 € im Jahr umgesetzt hat. Betriebe, die 5 Mio € und mehr Umsatz pro Jahr erwirtschaften, machen demgegenüber nur einen sehr geringen Teil vom Insolvenzgeschehen aus. In diesem Jahr sind es 4,1 % Anteil; im Jahr 2007 waren es 4,2 %. Insolvenzgefährdet sind Betriebe insbesondere in den ersten vier Jahren ihres Bestehens. Dieser Anteil erhöhte sich im Jahresverlauf noch einmal leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 33,1 %. Leicht zugenommen hat aber auch der Anteil der insolventen „Traditionsunternehmen“, die bereits seit mehr als zehn Jahren am Markt sind, und zwar von 35,4 (2007) auf aktuell 35,5 %.
Wer wurde insolvent?
Die größte Insolvenz des Jahres 2008 ist die der PIN Group. Ebenfalls Konkurs anmelden mussten die drei Arcandor-Töchter Wehmeyer, Sinn Leffers und Hertie, außerdem der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert, die Spedition Friedrich Schulze, das IT-Unternehmen Maxdata, der Automobilzulieferer Geiger Technologies, die Spedition Ricö und Astroh Küchen.

