Geschlossene Fonds

Nach den beachtlichen Absatzerfolgen der vergangenen Jahre gerieten geschlossene Fonds verschiedener Anlageklassen 2008 in einen markanten Abwärtstrend. Wegen pessimistischer Performanceerwartungen halten sich die Anleger seit dem Herbst merklich zurück.

Der VGF Verband Geschlossene Fonds hat erstmals die offiziellen Marktzahlen für geschlossene Fonds vorgestellt. Danach hat die Branche 2008 rund 8,3 Mrd € Eigenkapital bei privaten Anlegern eingeworben. Davon entfielen 5,9 Mrd € auf VGF-Verbandsmitglieder. Das Gesamtinvestitionsvolumen – also einschließlich Fremdfinanzierung - für die in 2008 platzierten Anteile der Unternehmen lag bei 15,4 Mrd €. Davon haben VGF-Fonds 11,2 Mrd € investiert.

Um die aktuelle Fondsstatistik zu erstellen, wurden die 44 VGF-Mitglieder sowie Fondsanbieter befragt, die in den vergangenen drei Jahren kumuliert mindestens 5 Mio € Eigenkapital und mindestens einen Fonds in 2008 platziert haben. Diese Häuser sind dauerhaft präsent und bilden den relevanten Markt. Von diesen 143 Unternehmen haben 93 Zahlen gemeldet. Dies ist die Basis für die vorliegenden Marktzahlen. Schätzungen und Hochrechnungen wurden nicht vorgenommen.


Insgesamt hat sich das Platzierungsvolumen 2008 im Vergleich zu 2007 (11,1 Mrd €) um 2,8 Mrd € verringert; das entspricht einem Rückgang um ein Viertel. Nach Angaben des Analyseunternehmens Scope war 2008 damit das schlechteste Fondsjahr seit 2002.
Die Stimmung bei Initiatoren und Vermittlern ist denn auch so schlecht wie nie seit Berechnung des Scope-Geschäftsklima-Index (ab 2003). Vermittler und Initiatoren vermelden in ihrer Einschätzung der eigenen Geschäftsentwicklung für 2009 kaum Abweichungen. Jeweils über 50 % der Befragten gehen von einem unbefriedigenden bis maximal befriedigenden Geschäftsverlauf für 2009 aus.

Einbruch im Herbst
Die Platzierungsergebnisse auf Monatsbasis zeigen die Wirkung der Finanzkrise auf den Markt: Im September 2008 platzierten Anbieter geschlossener Fonds 728 Mio € Eigenkapital. Nach der Insolvenz von Lehman Brothers kam der Absatz im Oktober mit 422 Mio € zunächst ins Stocken. Bis zum Jahresende stiegen die Platzierungszahlen wieder auf 475 Mio € im November und 516 Mio € im Dezember. Damit hat sich der Vertrieb geschlossener Fonds zum Ende des Jahres 2008 auf verringertem Niveau immerhin stabilisiert.
Unter den einzelnen Anlageklassen blieben geschlossene Immobilienfonds (Platzierungsvolumen: 3,1 Mrd € Eigenkapital, davon 2,2 Mrd € Auslandsimmobilien) und Schiffsbeteiligungen (2,5 Mrd €) weiterhin Spitzenreiter. Mit 26 bzw. 22 % kann es jedoch zu markanten Absatzeinbußen ► 1. Private-Equity-Fonds verzeichneten bei einem platzierten Eigenkapital von 742 Mio € einen Rückgang um 60 % gegenüber dem Vorjahr. Ebenfalls signifikant zurückgegangen sind die Investitionen in Lebensversicherungszweitmarktfonds.
Für Flugzeugfonds war 2008 ein erfolgreiches Jahr. Sie erreichten mit 703 Mio € platziertem Eigenkapital einen Zuwachs von 165 %. Im Aufwind befanden sich auch Energiefonds und Leasingfonds. Ein leichtes Plus erzielten Spezialitätenfonds, zu denen unter anderem Waldfonds gerechnet werden ► 1.
Das dominierende Thema bei den Anlegern ist einer aktuellen Scope-Analyse zufolge die Sicherheit des Investments. Renditeüberlegungen geraten zunehmend in den Hintergrund. Den Sicherheitsaspekt machen Privatinvestoren an einer Kombination bestimmter Fondscharakteristika fest: Wichtige Punkte sind Substanzwertorientierung, belegbare Nachhaltigkeit und Stetigkeit der Einnahmen, zügige Rückführung der Fremdfinanzierung, langfristige Verträge sowie gute Bonität der Geschäftspartner.

Fremdkapitalquoten deutlich rückläufig

Die schwierige Finanzierungssituation auf den Märkten hat bereits im Jahr 2008 zu deutlich geringeren Fremdkapitalquoten der geschlossenen Fonds geführt. Beispielsweise reduzierte sich die Kreditfinanzierung bei den Immobilienfonds Inland seit 2007 um knapp 4 Prozentpunkte auf 22,5 %. Noch ausgeprägter war der Rückgang bei Immobilienfonds Ausland - von 27,25 auf 20,78 %. Insgesamt verändert sich die Finanzierungsstruktur der geschlossenen Immobilienfonds bereits seit Jahren zugunsten einer steigenden Eigenkapitalquote. Der Fremdkapitalanteil bei Immobilien Ausland hat sich seit 2003 mehr als halbiert. Neben ihrer Substanzwertorientierung dürfte auch die zunehmend solide Finanzierungsstruktur von Immobilienfonds wesentliche Argumente zu ihren Gunsten liefern. Nach Einschätzung von Scope Analysis befinden sich die Initiatoren aber nicht auf dem Weg zu reinen Eigenkapitalmodellen.

Vertrieb und Zeichnerstruktur
Freie Vertriebe und Banken hatten 2008 zusammen einen Anteil von 81 % am Vertrieb geschlossener Fonds. Hinzu kommen der Direktvertrieb der Fondsanbieter und sonstige Absatzwege. Nach wie vor werden die Fonds überwiegend von älteren Anlegern gezeichnet. Die Alterstruktur dürfte im Einklang mit der Einkommens- und Vermögensstruktur stehen:

•    51 bis 60 Jahre: 25 %,

•    61 bis 70 Jahre: 27 %,

•    älter als 70 Jahre: 13 %.

Die rund 1 Mio Anleger der VGF-Mitgliedsunternehmen haben 2008 knapp 4 Mrd € Erträge aus der laufenden Fondsbewirtschaftung und Verkäufen (Exits) erhalten. Das Verhältnis des Eigenkapital-Bestandsvolumens zu den geleisteten Auszahlungen liegt damit bei 7,6 %.

Bedeutende Assetmanager
Der VGF-Erhebung zufolge verfügten die erfassten Fonds 2008 über ein Bestandsvolumen (Assets under Management) von 142 Mrd €. Das ist mehr als das BIP von Tschechien (2007: 134 Mrd €) und knapp doppelt so viel wie die Goldreserven der Deutschen Bundesbank (Anfang 2009: 68 Mrd €). Damit gehören die Anbieter geschlossener Fonds zu den größten Vermögensverwaltern in Deutschland.
 

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