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Brainstorming: Der Sturm im Gehirn

Mit Brainstorming, dem Klassiker der Kreativitätstechniken, lösen Teams Probleme und sorgen für frische Ideen - auch wenn nicht alle Einfälle brauchbar sind. Tüftelrunde, Grübelplausch, Denkgewitter, Gedankenquirl - das sind nur einige der mehr als 10.000 Vorschläge, das englische Wort Brainstorming durch einen passenderen deutschen Begriff zu ersetzen. Auch Hirnhatz und Synapsentango kamen bei dem Aufruf der Aktion „Lebendiges Deutsch“ des Publizisten Wolf Schneider in die engere Wahl.

Wahrscheinlich sind diese originellen und witzigen Vorschläge auch in einer gemeinsamen, meistens lustigen Runde entstanden. Denn im Grunde genommen passiert bei der Technik des Brainstorming nichts anderes. Man regt sich in der Gruppe gegenseitig zum assoziativen oder verknüpfenden Denken an. Dabei sieht das ursprüngliche Verfahren zwei Schritte vor. Im ersten Schritt nennen die Teilnehmer einer Gruppe Ideen, im zweiten Schritt werden die im Teilnehmerkreis gefundenen Gedankenblitze sortiert und bewertet.

Die seit Jahrzehnten bewährte und beliebte Methode, Lösungen für Probleme zu finden, entwickelte der amerikanische Werbemanager Alex Osborn in den 1950er Jahren. Bereits kurz nach dem ersten Weltkrieg in der amerikanischen Werbebranche tätig, stellte Osborn, Gründer der Werbeagentur BBDO, im Lauf der Jahre fest, dass Arbeitstreffen die Kreativität der Mitarbeiter eher bremsten als förderten. Um den Mitarbeitern mehr Freiheit für neue Ideen zu schaffen, entwickelte er deshalb vier Regeln für die geschäftlichen Zusammenkünfte:

  • Übe keine Kritik!
  • Je mehr Ideen, desto besser!
  • Ergänze und verbessere bereits vorhandene Ideen!
  • Je ungewöhnlicher die Idee, desto besser!


Damit auch wirklich gute Lösungen gefunden werden, sollte die Brainstorming-Gruppe aus nicht mehr als 15 Personen bestehen. Diese können – je nach Problemstellung – Mitarbeiter, Experten, Laien oder Experten anderer Fachgebiete sein. Vor dem Beginn der Brainstormingsitzung wird den Gruppenmitgliedern das Problem und der erwartete Verlauf des Brainstormings mitgeteilt. Damit keine guten Ideen verloren gehen, gibt es einen Protokollanten. Dieser nimmt nicht am kreativen Prozess teil. Stattdessen muss er gut zuhören und schnell und deutlich schreiben können. Auch darf er keine Rückfragen stellen, um den Gedankenfluss der anderen nicht zu stören.

Phase eins: Ideen finden
In der ersten Phase sucht das Team in einer moderierten Gruppensitzung nach neuen Ideen zu einem bestimmten Thema. Am Anfang wird das Problem dargestellt, analysiert und präzisiert. Dann nennen die Gruppenteilnehmer spontane Ideen, wie das beschriebene Problem gelöst werden könnte.
Die wichtigste Regel dabei: Während dieser Phase ist jegliche Kritik und Bewertung verboten. Jede geäußerte Idee, egal ob sinnvoll, praktikabel oder nicht, notiert der Protokollant – am besten sogar auf einem Flipchart, damit sie alle sehen können. Damit sorgt er für ein kontinuierliches optisches Feedback, das die Brainstorming-Teilnehmer beim Finden neuer Ideen unterstützt.

Phase zwei: Ergebnisse sortieren und bewerten
Nach einer Pause werden nun sämtliche gesammelten Ideen von der Gruppenleitung vorgelesen und von den Teilnehmern bewertet und sortiert. Dabei werden zunächst Ideen aussortiert, die im Vorfeld festgelegte Knock-out-Kriterien nicht erfüllen. Darf beispielsweise ein Budget nicht überschritten werden, stehen als erstes alle Ideen auf dem Prüfstand, die den finanziellen Rahmen sprengen würden. Ohne weitere Diskussion aussortiert werden auch Ideen, die gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen. So werden nach und nach bis zu 80 % der noch kurz vorher eifrig gesammelten Vorschläge wieder verworfen.

Ob diese Ideensuche in der Gruppe immer zu der besten Idee führt, ist umstritten. Wissenschaftler der amerikanischen Stanford-Universität ließen Vierergruppen auf der einen Seite und vier Einzelkämpfer auf der anderen Seite gegeneinander antreten und untersuchten, wer die meisten und besten Ideen produziert. Das verblüffende Ergebnis: Die Einzelkämpfer, die keinen Kontakt untereinander hatten, waren deutlich kreativer als die Brainstorming-Gruppen.

Anscheinend wirken die Regeln der Gruppenarbeit hemmend, so die Erklärung der Wissenschaftler. Beispielsweise hemmt das Warten, bis der Nachbar seine Idee formuliert hat, den Ideenfluss. Allerdings tun diese negativen Befunde der Beliebtheit des Gruppen-Brainstorming keinen Abbruch. Denn die seit Jahrzehnten andauernde Popularität des kollektiven Nachdenkens beruht darauf, dass es offensichtlich mehr Spaß macht als einsames Nachdenken und Grübeln. Hinzu kommt: Teilnehmer haben den subjektiven Eindruck, in der Gruppe produktiver zu sein als alleine.

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