Zuversicht trotz Krise
Es ist erfreulich wie bemerkenswert: Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich in der persönlichen Lebenssituation und im allgemeinen Befinden der Deutschen noch nicht im größeren Ausmaß niedergeschlagen. | Inge Niebergall
Einer repräsentativen Umfrage des Bankenverbandes zufolge sind im September 85 Prozent der Deutschen mit ihrem Leben alles in allem zufrieden und zumindest sieben von zehn der Befragten sind mit Blick auf ihre persönliche Zukunft optimistisch. Wenn auch im Vergleich zum Frühjahr dieses Jahres Lebenszufriedenheit und Zukunftsoptimismus leicht gesunken sind, so bleiben sie insgesamt - auch im längerfristigen Vergleich - auf hohem Niveau.
Diese positive Einstellung bedeutet aber keineswegs, dass die Deutschen von den Auswirkungen der Krise nicht betroffen seien. Immerhin ein Drittel der Befragten spürt die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise. 13 Prozent verweisen auf Verluste bei Geldanlagen, sieben Prozent berichten von Lohneinbußen, fünf Prozent von Kurzarbeit und vier Prozent vom Verlust ihres Arbeitsplatzes. Über eine strengere Kreditvergabe durch Banken infolge der Krise klagen zwei Prozent und über eine schlechtere Auftragslage ein Prozent der Befragten.
Wenngleich viele Bürger trotz Krise persönlich durchaus zuversichtlich sind, begegnen sie offenkundig mit zunehmend ambivalenten Gefühlen grundlegenden Elementen unserer Volkswirtschaft. Wenn der Nutzen von hohen Unternehmensgewinnen für die Gesellschaft von vier Fünftel der Deutschen rundweg bestritten bzw. nicht anerkannt wird, wenn fast vier von zehn der Befragten hohe Gewinne gar als „moralisch bedenklich“ kritisieren, dann haben nicht nur die Unternehmen hierzulande ein Problem, sondern die Gesellschaft insgesamt. Doch diese Stimmungslage allein der Wirtschafts- und Finanzkrise zuzurechnen, träfe nicht den Kern. Denn bereits vor der Krise wurde der Ruf nach dem Staat lauter. Und die Sorge, unser Wirtschaftssystem könne künftig den gesellschaftlichen Wohlstand nicht mehr in ausreichendem Maße gewährleisten, spiegelt sich auch im Vertrauensschwund in die Soziale Marktwirtschaft wider. Deshalb bleibt auch 2010 das Werben für unsere Wirtschaftsordnung eine gesellschaftliche Daueraufgabe.

