Von unliebsamen Überraschungen
Der Jahreswechsel 2010 brachte für viele deutsche Debit- und Kreditkarteninhaber eine unangenehme Überraschung. Etwa ein Viertel der 120 Millionen Karten funktionierte im In- und Ausland nicht mehr wie gewohnt. Kein schönes Gefühl, wenn man an der Kasse im Supermarkt steht, am Lift die Skikarte begleichen oder seine Rechnung im Restaurant mit Karte zahlen möchte. Diesen Moment der Peinlichkeit kennt ein jeder, dessen Karte schon einmal gestreikt hat. | Inge Niebergall
Die Ursache der Fehlfunktion war schnell gefunden: ein Programmierfehler in bestimmten Chips eines Kartenherstellers führte zur Ablehnung von Transaktionen mit der Jahreszahl „2010“. Während bei den privaten Banken „nur“ drei Institute und etwa jede zehnte Karte - rund 2,5 Millionen - betroffen waren, funktionierten 23,5 Millionen Karten bei den Sparkassen und weitere vier Millionen bei den Genossenschaftsbanken zum Jahresbeginn 2010 nicht mehr.
Die schnelle Reaktion der Kreditwirtschaft auf die Akzeptanzprobleme war wichtig, um das allgemeine Vertrauen der Kunden in die Funktionsfähigkeit von Bezahlkarten zu erhalten. Umgehend wurden für die Betroffenen institutsindividuelle Lösungen für eine ausreichende Versorgung mit Bargeld im In- und Ausland erarbeitet. Kosten, die Kunden durch den Ausfall ihrer Karte entstanden sind, werden von den Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken kulant übernommen. Nach wenigen Tagen konnten hierzulande alle 54.000 Geldautomaten und die über 600.000 Bezahlterminals wieder Debitkarten akzeptieren. So blieben erfreulicherweise auf breiter Front Beschwerden im deutschen Handel über Akzeptanzprobleme aus.
Seit Anfang Februar stellen die Banken und Sparkassen den Kunden umfangreiche Update-Lösungen zur Verfügung, um somit die vollständige Funktionsfähigkeit der betroffenen Zahlungskarten im In- und Ausland wieder zu erreichen. Ausdrücklich betont der ZKA, dass die Sicherheit der Karten durch das Update nicht berührt ist. Und manche Institute haben sich auch für einen Kartenaustausch entschieden.
Unbestritten gehört dem Plastikgeld die Zukunft, denn die Bankkarte hat gegenüber dem Bargeld eindeutige Vorteile. Deshalb wird - trotz des bedauerlichen Chipkartenfehlers zum Jahresanfang - die bargeldlose Zahlung das Bargeld in Deutschland weiter ersetzen.

