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Kein Rückfall in alte Zeiten

Für das erste Quartal 2009 konnten einige Banken in Deutschland wie andernorts erfreulich gute Ergebnisse ausweisen. In Teilen der Öffentlichkeit, vor allem aber bei dem einen oder anderen Politiker, hat dies in durchaus populistischer Weise Kritik ausgelöst: Die Banken hätten aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt und verdienten, indirekt, nun an der staatlichen Unterstützung des Bankensystems. In Deutschland zielten diese Einwände im Besonderen auf das Ergebnis der Deutschen Bank. Seriös ist eine solche Kritik freilich mitnichten. | Inge Niebergall

Nicht nur werden hier Eigenkapitalrenditen mit Umsatzrenditen anderer Unternehmen verglichen. Auch gerät aus dem Blick, dass 22,6 Prozent vor Steuern letztlich nur 14,7 Prozent nach Steuern ausmachen und deutsche Industrieunternehmen in vielen Fällen regelmäßig eine Eigenkapitalrendite von 30 Prozent und mehr erwirtschaften. Offensichtlich lässt der Wahlkampf bereits grüßen.

Wie aber sieht das in wirtschaftlicher Analyse aus? Bekanntlich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer. Man sollte, mit anderen Worten, nicht den Fehler machen, Ergebnisse des ersten Quartals auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Angesichts des scharfen Wirtschaftseinbruchs von vielleicht minus 6 Prozent wird sich namentlich die Bonität der Kreditnehmer im weiteren Verlauf des Jahres erheblich verschlechtern. Zunehmenden Kreditrisiken, und zwar in allen Bankengruppen, stehen dann steigende Eigenkapitalanforderungen entgegen. Denn das Problem der Prozyklität von Basel II harrt noch immer einer Lösung. Gleiches gilt für die IFRS-Vorschriften insbesondere mit Blick auf strukturierte Produkte in funktionsgestörten Märkten. Deshalb war es wichtig, dass die Bundesregierung sich dieser Frage angenommen und ein Konzept hierfür entwickelt hat („Bad Bank“). Eine einfache Lösung gibt es hier nicht, denn einerseits dürfen die Lasten nicht einfach beim Steuerzahler abgeladen werden. Andererseits aber muss das Bad-Bank-Modell so ausgestaltet sein, dass das Ziel, nämlich die Vermeidung einer Kreditklemme, erreicht wird. Überhaupt ist gegenwärtig noch vieles im Fluss. Dies gilt auch für den Regulierungsrahmen, dem künftig alle Finanzmärkte, alle Produkte und alle Akteure unterworfen werden sollen. Für die Wirtschaft generell wie für die Banken steht fest: Ein Zurück zum Status quo ante wird es nicht geben. Auch wenn jede einzelne Bank sich entscheiden muss, wie sie ihr neues Geschäftsmodell gestaltet - mehr Transparenz, weniger Komplexität und eine noch stärkere Kundenorientierung werden konstituierende Merkmale sein.

Inge Niebergall ist Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbandes deutscher Banken
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 05/2009