2010: von der Stabilisierung zur Krisenbewältigung?
Ende vergangenen Jahres warnte der Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn, dass es noch zu früh sei, das Löschwasser aufzuwischen, bzw. dass die Zeit noch nicht gekommen sei, sich um die Schäden zu kümmern, die das Wasser beim Löschen des globalen Flächenbrandes an den Finanzmärkten angerichtet habe. Denn nach wie vor ist die Finanzmarktkrise noch nicht überwunden. | Inge Niebergall
Gleichwohl: Das wichtigste Ziel, das mit den weltweiten Löschaktionen verbunden war, konnte im Verlauf der letzten zwölf Monate erreicht werden: eine spürbare Stabilisierung der Finanzmärkte.
Doch noch liegt ein weiter Weg vor uns. Denn das staatliche Engagement zur Stabilisierung der Kreditwirtschaft kann keine Dauerlösung sein. Auch wenn es zum gegenwärtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg des Staates noch zu früh ist, rückt mehr und mehr die Frage in den Vordergrund, wie und wann die Stabilisierungsmaßnahmen Schritt für Schritt zurückgeführt werden können.
Ein geordnetes Zurücknehmen des staatlichen Einflusses setzt jedoch zweierlei voraus: Zum einen müssen die Exit-Strategien international koordiniert werden, sonst drohen möglicherweise Marktverwerfungen und damit verbunden eine Gefährdung der Stabilität. Und zum anderen sind mit Blick auf die Banken nachhaltig erfolgreiche Geschäftsmodelle unabdingbar. Darauf hat auch Bundesbankpräsident Axel Weber immer wieder verwiesen: Was der Stabilisierung folgen müsse, sei eine meist wesentlich schmerzhaftere Restrukturierung und Konsolidierung vieler Institute. Vor allem habe sich bei den Landesbanken im Verlauf der Krise ein erheblicher Reformbedarf offenbart. Banken wie ihre Eigentümer müssten erkennen, „dass bestehende Geschäftsmodelle und Steuerungsinstrumente ihren Teil zur Übertragung der Finanzkrise auf das deutsche Finanzsystem beigetragen haben und daher einer gründlichen Überprüfung bedürfen“.
Den Status quo der Landesbanken zu verantworten haben die Eigentümer, nicht zuletzt die Sparkassen. Hier ist nun einiges, und vor allem durch Vorgaben der Europäischen Kommission, in Bewegung geraten. Doch nur wenn am Ende dieses Prozesses Banken mit überzeugenden Geschäftsmodellen entstehen, sind wir auf dem Weg hin zu einer leistungs- und wettbewerbsfähigen deutschen Kreditwirtschaft vorangekommen.

