Gefühlter Zustand
In diesen Wochen war immer wieder von einer Kreditklemme in Deutschland zu hören oder zu lesen. Die Kreditwirtschaft - so der Vorwurf - verhalte sich allzu zögerlich bei der Kreditvergabe. | Inge Niebergall
Angesichts der konjunkturellen Lage ist die Sorge um die Finanzierung der deutschen Wirtschaft verständlich. Doch treffen diese Befürchtungen zu? Gibt es Anzeichen für eine Kreditklemme? Solchen Einschätzungen hat die Deutsche Bundesbank wiederholt widersprochen. So sind auch im letzten Quartal 2008 deutlich mehr Kredite an Unternehmen und Selbstständige vergeben worden als ein Jahr zuvor. Was nicht heißen soll, dass es gleichwohl im Einzelnen - zum Beispiel bei langfristigen Krediten - gewisse Probleme gibt. Dennoch kann auch nach jüngeren Umfragen von Wirtschaftsverbänden oder der Kreditwirtschaft für Wiederaufbau (KfW) von einer allgemeinen Kreditverknappung keine Rede sein. DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben unterstrich bei der Vorstellung der Frühjahrs-Konjunkturumfrage seines Verbandes, dass die Befürchtung einer flächendeckenden Kreditklemme sich nach wie vor nicht bestätige. Die Ablehnungsquote bei Krediten liege bei nur zwei Prozent. Anfang 2008 waren noch vier Prozent der Kreditwünsche abgelehnt worden.
In eine ähnliche Richtung weisen die Ergebnisse einer „Blitzumfrage“ der KfW unter führenden Wirtschaftsverbänden. Demnach bestätigten Anfang Februar 2009 zwei Drittel der befragten Verbände, dass sich in den letzten drei Monaten der Zugang zu langfristigen Investitionskrediten für die meisten der Mitgliedsunternehmen nicht verändert habe. Etwa ein Drittel verwies zwar auf strengere Bedingungen, was sich in höheren Zinsen oder durch gestiegene Anforderungen an die Offenlegung von Informationen zeige. Doch fast alle Befragten waren der Meinung, dass auch weiterhin nicht von einer allgemeinen Kreditklemme gesprochen werden könne. Bleibt abzuwarten, ob dies so bleibt. Nach Angaben des ifo-Instituts „kneife die Kreditklemme“ nunmehr zumindest bei Großunternehmen, kleinere Firmen kämen verhältnismäßig leichter an Geld.
Bundesbank-Vizepräsident Zeitler kommentierte unlängst die Diskussion mit den Worten: „Beim Thema „Kreditversorgung“ gibt es einen gewissen Widerspruch zwischen dem „gefühlten Zustand“, den zahlreichen Klagen über Kreditzurückhaltung der Institute, die man in persönlichen Gesprächen erfährt, und den objektiv messbaren Daten.“ Dem kann man nur zustimmen.

