Wahre Werte: Über Moral, Geld und die Zukunft
Er ist Banker, er ist ordinierter Priester der anglikanischen Kirche, er ist Wirtschaftsberater des britischen Premierministers. Und er sagt: „Es besteht die Gefahr, dass wir soziale Verantwortung nur in abgegrenztem Raum, in der Schublade ‚Abteilung für Sozialverantwortung und Umweltprogramme’, abhaken und mit dem Ausstellen von Schecks erledigen. Das reicht nicht.
Jeder Einzelne muss in den Spiegel sehen und sich sagen können, dass er zum Wohl der Menschheit etwas beiträgt - und dies mit all den Mängeln, die wir mit uns tragen. Je besser wir unsere eigenen Unzulänglichkeiten kennen, desto besser können wir geben und den Weg der Erfüllung gehen. Aber wir müssen uns persönlich involvieren. Regierungen allein können die Welt nicht retten.“
Stephen Green - Group Chairman der HSBC, einer der führenden Banken der Welt, zugleich Präsident der British Bankers’ Association - ist ein Mann der klaren Worte, aber kein Freud des schnellen, hingeworfenen Statements. Sondern er hat sich vor dem Hintergrund der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise mit sehr tief greifenden Fragen auseinandergesetzt: Wie haben Wissensdrang und Fortschrittswille uns in eine globalisierte und urbane Welt geführt? Warum ist der Kapitalismus - trotz seiner unübersehbaren Fehler - noch immer das beste System, um Wohlstand zu mehren? Aber wie gelingt es, Wohlstand auf moralisch einwandfreie Weise zu erzeugen? Was muss und was kann der Einzelne tun, um dieses Ziel zu erreichen? Green plädiert für einen „ethischen Kapitalismus“, der staatliche Regulierung und Aufsicht sowie internationale Kooperation mit einer fundamental erneuerten Moral verbindet: einer Moral, die Marktpreise und gesellschaftliche Werte auseinanderhält, die nicht zwischen Ethik im Beruf und im Privatleben trennt und die alle - Aufsichtsräte und Manager, Aktionäre und Verbraucher - zu einer Verantwortung für das gesellschaftliche Miteinander verpflichtet.
Gewiss: Nicht alle Gedanken sind neu, nicht alle Lösungsansätze eins zu eins und konfliktfrei in die Praxis umsetzbar. Aber allein die gedankliche Tiefe der Analyse ist beeindruckend: Green spannt den Bogen von der Tulpen- zur Subprime-Krise, vom globalen Basar zu Goethes Faust, von der Geopolitik zur Philosophie. Ein anspruchsvolles, ein lesenswertes Buch.
Dr. Dirk Franke
Green, Stephen: Wahre Werte: Über Moral, Geld und die Zukunft, Finanzbuch Verlag, München 2009, 240 S., 24,90 €, ISBN 978-3-89879-561-6

