Standards für nachhaltige Finanzmärkte
Finanzkrisen - so auch die aktuelle - folgen einem immer gleichen Muster: Kein Crash ohne Blase, keine Blase ohne billiges Geld. Einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, wies bereits darauf hin, dass die Krise zum Kapitalismus dazugehört. Im Zusammenhang mit den jüngsten Finanzmarktturbulenzen haben vor allem Endzeitpropheten Hochkonjunktur.
Über Ursachen und Schuldige wurde viel diskutiert. Viele Beteiligte sind sich aber vor allem darin einig, dass die Finanzarchitektur neu gestaltet werden muss. Der jüngst erschienene Sammelband „Standards für nachhaltige Finanzmärkte“ liefert Antworten auf Fragen rund um das Redesign des internationalen Finanzsystems.
Die Neuerscheinung bietet ein breites Spektrum an Diskussionsbeiträgen von der Rolle der Finanzmarktpolitik als Transformator und Standardsetter über die Rolle der Rechnungslegung und der Hedge-Fonds bis hin zum Risikomanagement. So ist beispielsweise für Axel Lehmann, Chief Risk Officer Zurich Financial Services, klar, dass das Risikomanagement vieler Finanzdienstleister offensichtlich unsachgemäß angelegt war. Eine weitere Expertenmeinung geht dahin, dass das Rechnungswesen zwar ein wichtiges Führungsinstrument sei, dieses aber zunehmend überfordert war.
Insgesamt liefert der Sammelband, geschrieben von Wissenschaftlern und Praktikern, vor allem Denkanstöße jenseits der ausgetretenen Pfade und sticht aus der wild sprießenden Krisenliteratur als positives Beispiel hervor. Fazit: Trotz spürbarer Unterschiede im Hinblick auf fachliches Niveau und Lesbarkeit – wie bei derartigen Sammelwerken unvermeidbar – kann die Lektüre empfohlen werden.
Frank Romeike
Strebel-Aerni, Brigitte (Hrsg.): Standards für nachhaltige Finanzmärkte, Bank-Verlag Medien, Köln 2009, 252 S., 69,00 €, ISBN 978-3-86556-223-4

