Interdependency: Systeme verstehen - Dominoeffekte vermeiden
Christoph Phillip Schließmann ist eine jener vielseitigen Persönlichkeiten, von denen Deutschland so wenige hat: Wirtschaftsanwalt und -wissenschaftler, Dozent und Honorarprofessor, Autor und Consultant. Bekannt wurde er mit seinem Buch „Das NO-GO-Phänomen“, in dem er beschreibt, wie Führungspersonen in ausweglose Situationen geraten, sie vermeiden und überwinden können.
Sein neues Buch befasst sich mit dem Komplexitätsmanagement in Unternehmen. Es kann seine Orientierung an der systemorientierten und evolutionären St. Galler Managementschule Ulrichs und Maliks nicht verleugnen.
Das Werk behandelt zunächst grundlegende Problembereiche im Umgang mit Komplexität in Unternehmen - dessen Wesen, Risiken, Steuerbarkeit und Analyse. Am Ende dieses ersten Teils stehen sechs Schritte eines Komplexitätsmanagement-Modells von der Auswahl relevanter Varianten bis zur Steuerung von Systemen. Der zweite Teil des Buches widmet sich einigen wichtigen Einzelproblemen wie Strategie, Innovation, Leadership und Nachfolge in komplexen Unternehmen.
Das Buch pflegt eine gelungene Mischung aus formaler und praktischer Herangehensweise, wie sie typisch ist für Consultants außerhalb der großen amerikanischen Gesellschaften. Dabei fällt es allerdings teilweise sprachlich etwas auseinander, wenn heterogene Sujets auf einanderstoßen. So stört eine lange, fast 40-seitige unübersetzte Passage über die quantitative Bestimmung von Komplexität. Auch wenn wir alle Englisch können, wäre die Vermittlung der Fachausdrücke in unserer eigenen Sprache doch hilfreich gewesen.
Das Fazit muss dennoch lauten: sehr lesenswert - wenn auch nicht unbedingt after dinner -, voller Anregungen und Details, geeignet, Ordnung zu schaffen in der Komplexität der Realität, ohne kreatives Potenzial zu beschneiden.
Dr. Hartmut Kiehling
Schließmann, Christoph Ph.: Interdependency: Systeme verstehen - Dominoeffekte vermeiden, Bank-Verlag Medien, Köln 2010, 309 S., 69 €, ISBN 978-3-86556-236-4

