Compliance-Methode auf Interview-Basis
Wenn Soft-Faktoren Risiken bergen
 

Compliance bedeutet nicht nur, in einem Unternehmen auf die Einhaltung von Gesetzen und Regeln zu achten. Nicht selten ist es vielmehr die Nichtbeachtung sogenannter Soft-Faktoren, die zu unethischem Verhalten führen kann. Die ING-DiBa setzt aktuell eine neue Compliance-Methode um, in deren Mittelpunkt Interviews stehen. Dadurch sollen Compliance-Risiken aufgrund von Soft-Faktoren identifiziert und bei den Führungskräften ein entsprechendes Bewusstsein für diese Thematik geschaffen werden.

Wenn Vertrauen die Rendite ist, dann ist ethisches Verhalten in all seinen Facetten das Investment. Nur: Was motiviert einen Menschen zu ethischem Verhalten? Oder die vielleicht noch spannendere Frage: Was verführt ihn dazu, unethisch zu handeln? Nach Ansicht von Psychologen ist die Gier eine starke Triebfeder. Doch nicht jeder Mensch, dem die Gier innewohnt, handelt zwangsläufig unethisch. In der Regel kommen andere, die Ausführung unethischen Handelns begünstigende Begleitumstände hinzu. Die wichtigsten sind:

  1. die Gelegenheit („Das merkt doch keiner“)
  2. der innere Druck („Es läuft gut für mich; das habe ich mir verdient“)
  3. die innere Rechtfertigung („Jeder tut es; wenn ich es nicht tue, bin ich vielleicht ethisch, aber letztlich der Dumme“).

Lediglich der erste Faktor lässt sich mithilfe von Hard Controls weitgehend ausschalten. Denn durch genauere Kontrollen wächst das Risiko, dass unethisches Verhalten auffällt. Die meisten Menschen schätzen sehr genau ab, welche Wagnisse sie eingehen und welchen potenziellen Nutzen sie aus ihrem unethischen Handeln ziehen könnten. Überwiegt das Risiko, sinkt die Bereitschaft zu unethischem oder verbotenem Handeln drastisch. Die Faktoren zwei und drei lassen sich hingegen kaum mit Hard Controls beeinflussen. Das heißt konkret: Eine effektive Compliance-Risikokultur muss um Soft Controls ergänzt werden. Aber wie?

Von Hard und Soft Controls
Im Jahr 2015 machte die ING, der Mutterkonzern der ING-DiBa, im Rahmen des sogenannten „Orange Code“ die Integrität zur zentralen Grundlage ihrer Geschäftsprinzipien. Dieser Code stellt die Integrität über alles. Heißt konkret: Jeder kann erwarten, dass die Bank integer handelt – die Kunden, die Mitarbeiter, die Lieferanten und nicht zuletzt die gesamte Gesellschaft. Integrität interpretiert die Bank in diesem Zusammenhang als eine Balance zwischen den Rechten und Interessen aller Beteiligten. Die als Konsequenz aus der Finanzkrise verschärfte und professionalisierte Compliance-Kultur legt den Schwerpunkt üblicherweise auf die Beachtung von Gesetzen und Regeln. Dabei erfordert Compliance nach ganzheitlichem Ansatz viel mehr, nämlich die Beachtung der Geschäftsprinzipien des Unternehmens und des ethischen Verhaltens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Es gilt also, die bisherigen Compliance-Methoden zu prüfen und um neue Monitoring-Methoden zu ergänzen. Die ING erkannte, dass die erwähnten Hard Controls nicht ausreichen, um die Compliance-Risiken im gewünschten Umfang zu identifizieren und zu minimieren. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde das Compliance Risk Culture Monitoring (CRCM) ins Leben gerufen, in dessen Mittelpunkt vor allem die Soft Controls stehen. Die entscheidenden Soft-Faktoren, die Risikopotenzial bergen können, sind:

  1. Leadership
  2. Communication
  3. Decision Making
  4. Enforcement.

Die neue Compliance-Kultur wurde – in Teilbereichen modifiziert und den deutschen Gegebenheiten angepasst – auch von der deutschen Tochter ING-DiBa übernommen. Im Mittelpunkt des CRCM stehen dabei Interviews, die zwei Compliance Officer jeweils einzeln mit den Mitgliedern des Vorstands und des Direct-Report-Levels führen. Ziel dieser Interviews ist es, die erwähnten Soft-Faktoren anzusprechen und mögliche Risiken zu identifizieren.

Neuland für Compliance Officer
Auf diese Interviews werden die Compliance Officer systematisch vorbereitet. Denn in der Tat geht es nicht etwa darum, einfach nur bestimmte Dinge abzufragen, sondern in einem Dialog mit den Interviewpartnern deren Einschätzungen und Einordnungen der erwähnten Soft-Faktoren zu erfahren.

 

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09/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
11.10.2017
Erschienen in Ausgabe:

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Quelle(n):
Bildquelle: © _Vilor / iStockphoto.com
Autor/in 
Jan-Erik Künstler
Jan-Erik Künstler, Leiter Compliance der ING-DiBa AG, Frankfurt am Main.
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