BaFin meldet sich zur Kontenschnittstelle
Weitere Abstimmungen erforderlich

Die Anzeichen dafür hatten sich zuletzt verdichtet, nun ist es offiziell: Die Drittdienstleister im Kampf um den Kontozugang (Third Party Provider, TPP) erhalten mehr Zeit, und die Banken müssen nachbessern und die bislang existierenden Schnittstellen auch über den 14. September hinaus offenhalten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände (DK) mit einem Schreiben darüber informiert, dass viele der nun neuen Schnittstellen bislang noch nicht genehmigungsfähig seien und ihr zahlreiche Hinweise vorlägen, dass es Schwierigkeiten bei der erfolgreichen Migration auf die neuen Zugangsschnittstellen gebe. Die Gründe dafür seien aber vielfältig und letztlich weder den kontoführenden Instituten noch den Drittdienstleistern alleine anzulasten. 

Die DK drückte ihre Verwunderung über den Brief der BaFin aus. Die Banken und Sparkassen hätten ihre Vorbereitungen für die Bereitstellung PSD2-konformer Schnittstellen „nahezu erfolgreich abgeschlossen“, teilte die DK mit – trotz des engen Zeitrahmens, den die Aufsicht vorgegeben hatte. Dass nun, vier Wochen vor dem Stichtag, von der Aufsicht neue Anforderungen an die Schnittstellen gestellt werden, „erstaunt“ die Vertreter der Deutschen Kreditwirtschaft. 

Kern des Problems ist die Ausgestaltung der Schnittstelle. Mehrere Banken haben Anträge gestellt, um von der Bereitstellung eines Notfallmechanismus (Fallback) befreit zu werden. Schnittstellen jedoch, die zur Authentifizierung nur den Weg des Redirectings anbieten, könnten nur dann eine Befreiung erhalten, wenn die Ausgestaltung kein Hindernis für die TPP darstelle, das betonte BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler ausdrücklich. Für ihn stellt aber bereits die manuelle Eingabe der IBAN durch den Zahlungsdienstenutzer ein solches Hindernis dar. Als Verstoß gegen die PSD2 wertet er auch, dass den Kontoinformationsdienstleistern bei manchen Schnittstellen keine Daueraufträge angezeigt werden. Schon auf dieser Basis habe er aufsichtsrechtliche Bedenken wegen der vielen Ausnahmeanträge. 

Zeitlich und inhaltlich sei es voraussichtlich nicht möglich, über alle Anträge bis zum 14. September zu entscheiden, deshalb weist Röseler darauf hin, dass Banken, denen keine Befreiung erteilt wurde, den Fallback weiterhin bereitstellen müssen. Wer den Notfallmechanismus nicht anbiete, dürfe TPP weder behindern noch blockieren. „Für diesen Fall erwarte ich, dass die in Deutschland von den Drittdienstleistern derzeit genutzten Zugangsschnittstellen (…) weiter genutzt werden können“, heißt es in dem Schreiben. Das könne sowohl die direkte Kundenschnittstelle (Web) als auch eine dedizierte Schnittstelle wie FinTS sein. 

Hintergrund
Aufgrund der Umsetzung der neuen europäischen Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) sind die Kreditinstitute europaweit gesetzlich dazu verpflichtet, Drittdienstleistern ab dem 14. September über Schnittstellen (APIs) einen kontrollierten Zugang zu Zahlungsverkehrskonten zu ermöglichen, vorausgesetzt, die jeweiligen Kunden sind damit einverstanden und der Drittdienstleister wird vom Regulator beaufsichtigt. Die TPP können dann auf die Zahlungsverkehrskonten der Kunden zugreifen und beispielsweise Kontoinformationen abrufen oder Zahlungen auslösen. 

Seit Juni werden die neuen Regeln in einem vorgezogenen Produktionsbetrieb getestet. Kurz danach hatten Vertreter maßgeblicher FinTechs schon öffentlich davor gewarnt, dass die PSD2 möglicherweise vor dem Scheitern stünde. Die Schnittstellen der Banken seien teilweise „nicht marktreif“, Use-Cases würden „zertrümmert“ und es drohe ein „Marktstandard der Abschottung“, der zahlreiche Anbieter in den Ruin treiben könne, zitierte der Newsletter „Finanz-Szene.de“ aus einem Podcast von „Paymentandbanking“ mit FintecSystems-Gründer Stefan Krautkrämer und den Figo-Managern André Bajorat und Cornelia Schwertner. 

Neue Workshops 
Die Vertreter der DK teilten nun mit, dass sie sich an den neuen Workshops – ein erster soll gleich Anfang September starten – konstruktiv beteiligen wollen, um einen möglichst reibungslosen Übergang auf die neuen Schnittstellen zu ermöglichen. Sie hoffen, dass alle Markteilnehmer „sich in diesem Geiste schnell zusammenzufinden“.  (kra) 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
16.08.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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