Banken kämpfen weiter gegen sinkende Renditen
Vom Finanzdienstleister zum Technologieanbieter

Der Strukturwandel im Bankensektor wartet immer noch mit erschreckenden Zahlen auf: In jeder Woche schließen in Deutschland im Durchschnitt 36 Bankfilialen und 400 Mitarbeiter in der Bankenbranche verlieren ihren Job, heißt es in der aktuellen Bain-Bankenstudie. Und trotzdem steigen die Renditen nicht an. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite sank 2016 noch einmal um 0,5 Prozentpunkte auf nun 1,8 Prozent. Nur noch jedes zehnte Kreditinstitut verdient seine Eigenkapitalkosten. Immerhin konnten viele Institute ihre Rendite – wenn auch auf niedrigem Niveau – stabilisieren. Trotzdem konstatiert Bain-Chef Walter Sinn, dass sich die deutschen Banken immer noch in schwierigem Fahrwasser befänden.
Wie bei den Erträgen, so sei auch bei den Kosten eine Seitwärtsbewegung feststellbar. Den meisten Häusern gelinge es nicht, ihren Verwaltungsaufwand zu senken. Die Eigenkapitalquote stieg im vergangenen Jahr auf 6,3 Prozent, hingegen blieb die durchschnittliche Eigenkapitalrendite weit unter den Eigenkapitalkosten. Für die Banken gebe es deshalb keine Alternative zu weiteren Kostensenkungen und Konsolidierungen, so der Studien-Mitautor Wilhelm Schmundt. Der Marktanteil der fünf größten deutschen Banken liege unter dem Niveau anderer Industrieländer, und das bei einer höheren Cost-Income-Ratio (durchschnittlich 69 Prozent).
Bain erkennt dabei klare Unterschiede zwischen den einzelnen Institusgruppen. Dank ihrer fokussierten Geschäftsmodelle hätten sich die Direkt- und die Autobanken ertragsstark gezeigt. Alle anderen Institutsgruppen wurden von den Beratern hingegen schwächer bewertet. Dieser Punkt der Studie rief Kritik des Genossenschaftsverbands (Verband der Regionen) hervor. Der stellvertretende Verbandsvorsitzende Ralf W. Barkey sieht die Volks- und Raiffeisenbanken hier benachteiligt. Diese hätten zuletzt eine Nachsteuer-Eigenkapitalrendite von 8,4 Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 66,6 Prozent erzielt, ausgehend von der Statistik der Bundesbank zur Ertragslage der deutschen Kreditinstitute. Mit 3,6 Mrd. € dieser Gewinne hätten die Genossen ihre offenen Rücklagen gestärkt – dafür dürften sie nun nicht in der öffentlichen Darstellung benachteiligt werden. Barkey kritisiert, Bain habe die Stärkung der offenen Rücklagen als Aufwand gewertet, der die Rendite schmälere. "Die Bundesbank-Statistik dagegen stellt klar, was selbstverständlich sein sollte: Auch die Beträge, die eine verantwortungsvolle Bank für Rücklagen nutzt, sind Teil ihres Gewinns und schmälern nicht ihren Erfolg."

Metamorphose im laufenden Betrieb
Bankenexperte Sinn sieht weiterhin das Vordringen der Digitalisierung als große Herausforderung für die Kreditinstitute:."Die Banken müssen ihr bestehendes Geschäftsmodell weiterentwickeln und gleichzeitig in neue Angebote investieren. Das erfordert eine Metamorphose im laufenden Betrieb." Wenn der Wandel gelinge, könnten sich Banken jedoch als Schaltstelle für die digitale Wirtschaft etablieren und vom Finanzdienstleister zum Technologieanbieter werden. Der Weg dahin besteht für Sinn aus der Etablierung einer ganzheitlicher Strategie und der Konzentration auf die „Erfolgsfaktoren“, wozu für Bain u. a. eine verbesserte Nutzung der Daten, eine End-to-End-Automatisierung der meisten Prozesse und ein verändertes Selbstverständnis der Banken zähle.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
21.12.2017
Quelle(n):
Bildquelle: iStockphoto
Autor/in 
Anja U. Kraus
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