Kreditkarten
Verluste durch Deckelung der Interbankenentgelte

Mit der neuen EU-Interbankenentgeltverordnung (MIF-VO) ist am 9. Dezember die Deckelung der Interbankenentgelte für in- und ausländische Kartenzahlungen in Kraft getreten. Damit greift nunmehr eine gesetzliche Begrenzung der in den von Händlern und Hoteliers zu leistenden Kommissionenzahlungen enthaltenen Interbankenentgelte für Debitkarten auf 0,2 Prozent des Transaktionswertes und für Kreditkarten auf 0,3 Prozent des Transaktionswertes. Diese Obergrenzen gelten für die Mehrzahl der in- und ausländischen Transaktionen von MasterCard und VISA, allerdings nicht für so genannte Drei-Parteien-Systeme wie das von American Express oder Diners sowie Firmenkreditkarten, die unmittelbar das Arbeitgeberkonto belasten. Mit der Verordnung 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge vom April 2015 hat die Europäische Union nach zahlreichen Rechtsstreitigkeiten bis hin zum EuGH den bargeldlosen Kartenzahlungsmarkt in Europa grundlegend neu geordnet.

Nach Berechnungen der auf Zahlungsverkehr spezialisierten Unternehmensberatung PaySys führt die MIF-VO für die deutschen Banken zu jährlichen Verlusten in Höhe von mehr als 460 Mio. €. Allein 415 Mio. € entfallen dabei auf fehlende Kreditkartengebühren. Andere Schätzungen gehen von deutlich geringeren Umsatzverlusten für die Kartenherausgeber aus. Wie auch immer, die Kreditwirtschaft kommt die EU-Regularie teuer zu stehen, denn Kreditkarten sind in etlichen Segmenten wie etwa bei Reisebuchungen im Internet nach wie vor die bevorzugten Zahlmethoden. Gemäß einer aktuellen Studie des Verbands Internet Reisevertrieb e.V. (VIR) und Creditreform Boniversum GmbH rangiert die Kreditkarte als beliebtestes Zahlungsmittel auf Platz eins, auch wenn ihre Beliebtheit im Vergleich zu einer Untersuchung von 2011 leicht von 31 auf 28 Prozent zurückging. Auf Platz zwei folgte der Rechnungskauf, der ebenfalls einige wenige Prozentpunkte nachgab. Zu den weiteren Optionen der klassischen Zahlmethoden gehören das Lastschriftverfahren, Vorauskasse, Ratenzahlung oder Zahlung per Nachnahme. Die neuen Bezahlmethoden konnten gegenüber den klassischen leicht in der Gunst der Befragten aufholen. Ihr Anteil stieg von 28 auf 29 Prozent. Sie umfassen beispielsweise PayPal, Sofortüberweisung.de und Giropay. PayPal ist unter den modernen Zahlmethoden die beliebteste. Rund 80 Prozent bevorzugen diese Variante. Im Gesamtranking belegt sie Platz drei mit 24 Prozent.

Neben den beliebtesten Zahlmethoden untersuchten die beiden Organisationen auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So bevorzugen Männer gemäß der Studie die Kreditkarte sowie moderne Bezahlmethoden. Frauen wünschen sich dagegen eher Kauf auf Rechnung. Erwartungsgemäß offen für die neuen Zahlmethoden sind jüngere Internet-Kunden. Die Befragten zwischen 18 und 39 Jahren präferieren demnach im Vergleich zu 2011 deutlich stärker PayPal und Co. Dies gilt auch für Konsumenten mit mittlerem oder niedrigem Haushaltseinkommen. Auch diese tendieren eher zu modernen Zahloptionen – gleichzeitig jedoch auch zum Kauf auf Rechnung.

 

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Artikel veröffentlicht am:
10.12.2015
Autor/in 
Redaktion die bank
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