Experten-Konferenz in Bonn
Strategien für den Zahlungsverkehr der Zukunft
 

Hoch entwickelte Märkte wie Nordamerika und Europa wuchsen zuletzt zwar deutlich langsamer, bleiben aber die größten bargeldlosen Zahlungsverkehrsmärkte mit Zweidrittel der globalen Zahlungsvolumina. Allein in der Eurozone haben sich die unbaren Transaktionen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. "Cross-boarder-Transaktionen zeigen hier allerdings ein anderes Erscheinungsbild", weiß Zahlungsverkehrsexperte Marcus Härtel (Foto) von der Deutschen Bundesbank.

Der mobile Einkauf und Zahlungsverkehr verzeichnet im Jahr 2014 bislang deutliche Zuwächse und erkennbare Steigerungen gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Mobile-Nutzer kauft schon über seine Geräte ein. Nutzten im Frühjahr 2013 noch 40 Prozent der Smartphone-Besitzer in Deutschland ihr Gerät zum mobilen Einkauf, gaben im Frühjahr 2014 schon sechs von zehn befragten Personen an, ihre Mobile Devices für den Einkauf zu nutzen. Das entspricht einer deutlichen Steigerung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese Zahlen präsentierten jetzt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. und die Creditreform Boniversum GmbH. Besonders jüngere Personen verwenden ihr Smartphone oder Tablet verstärkt zum Einkaufen. Bei der Betrachtung nach Geschlecht zeigt sich, dass Männer mit 58,6 Prozent in der Nutzung vorne liegen. Die Frauen legten aber gerade in den vergangenen zwölf Monaten bei der Mobile-Nutzung für Einkäufe deutlich zu (56,2 Prozent). Zahlungsarten, bei denen das Mobiltelefon als Zahlungsmethode genutzt wird, haben nach Einschätzung von Experten offenbar eine große Zukunft. "Es steht zu erwarten, dass das Volumen der globalen M-Zahlungen in Höhe von 256 Mrd. US-$ aus dem Jahr 2012 auf etwa 796 Mrd. US-$ im Jahr 2014 anwachsen wird", schätzt Simone Satan von der Bank of New York Mellon. Hoch entwickelte Märkte wie Nordamerika und Europa wuchsen zuletzt zwar deutlich langsamer, bleiben aber die größten bargeldlosen Zahlungsverkehrsmärkte mit Zweidrittel der globalen Zahlungsvolumina. Allein in der Eurozone haben sich die unbaren Transaktionen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. "Cross-boarder-Transaktionen zeigen hier allerdings ein anderes Erscheinungsbild", weiß Zahlungsverkehrsexperte Marcus Härtel (Foto) von der Deutschen Bundesbank. Gemessen an den Gesamttransaktionen am POS-Terminal verharrt das diesjährige Niveau auf dem Stand des Jahres 2008. "Hier ist noch erhebliches Entwicklungspotenzial erkennbar. Bislang sind die Strukturen im europäischen Zahlungsverkehr stark fragmentiert. Grenzüberschreitende Zahlungsabwicklung ist langsam, teuer und ineffizient", so Härtel im Rahmen einer Fachtagung vor Zahlungsverkehrsexperten in Bonn. Noch ungünstiger verhält es sich jedoch mit dem Barzahlungsverkehr in Deutschland. Nach Angaben der Bundesbank werden landesweit mit 141 Banknotenbearbeitungsmaschinen jährlich fast 15 Milliarden Banknoten auf Echtheit und Umlauffähigkeit überprüft. Die Notenbank bewegt damit im Jahr annähernd 15.000 Tonnen Banknoten. Rein rechnerisch bearbeitet jeder Filialbeschäftigte mehr als 20.000 Geldscheine pro Tag. Die aussortierten und zu Schnipseln geschredderten Banknoten erreichten im vergangenen Jahr ein Gewicht von 1.000 Tonnen, was fast zwei voll beladenen A 380-Flugzeugen entspricht. Es lässt sich drehen und wenden: Auch Bargeld ist Zahlungsverkehr der Zukunft. Der Euro-Bargeldumlauf wächst ungebrochen weiter und ist für das gesamte Eurosystem von 806 Mrd. € im Jahr 2009 auf 956 Mrd. € im Jahr 2013 gestiegen. Dies entspricht einer Zunahme um 18,6 Prozent.

Gleichwohl werden vor allem mobile Bezahlverfahren als Wachstumsgenerator angesehen. "Für Banken werden sich die Transaction-Banking-Erträge in den kommenden zehn Jahren verdoppeln", glaubt Rupert Jaeschke von der Beratungsgesellschaft CSC Deutschland. Jede Bank, die in Zukunft Zahlungsverkehr anbietet, könne den Zahlungsverkehr deshalb auch profitabel gestalten. Allerdings müsste der mobile Zahlungsverkehr in der ZV-Strategie angemessene Berücksichtigung finden, sagt Jaeschke. Über die Ausgestaltung dieser Strategie herrscht hingegen wenig Einvernehmen. Während die einen das Erfolgsmodell in Wallet Apps sehen, die Kauffunktionen, Schlüssel, Führerschein und Personalausweis, Banking-Anwendungen sowie Tickets, Taxi und Coffee to go vereinen, sehen andere den Zahlungsverkehr der Zukunft primär als perfekte Datenquelle. Durch die Nutzung von Data Mining im Banksektor könnte beispielsweise eine erhebliche Verbesserung der Marketing-Techniken und Zielkunden sowie eine bessere Kundensegmentierung und Cross-Selling-Realisierung bewerkstelligt werden, meint Christian Fink, Head of Payments bei NTT Data. Zudem könnte Data Mining der Risikoreduzierung im Kreditportfolio, der Identifizierung von betrügerischen Verhaltensweisen oder der Kundengewinnung und -bindung dienen. Wieder andere setzen auf die Zukunft kryptographischer Währungen wie Bitcoins, wobei die Transaktionen ausschließlich über Peer-to-Peer-Netzwerke abgewickelt werden. Demgegenüber stehen schnelle Transaktionen (ca. 60 Minuten für einen Bitcoin-Transfer), vergleichsweise günstige Gebühren (ca. 15 Cent pro Transaktion) sowie die Nichtverfügbarkeit von Rückabwicklungen.

Foto: Bernd Schaller, Bank-Verlag

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
26.05.2014
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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