Steigende Bedeutung der SEPA-Kommunikation
 

Ab Februar 2014 gelten bekanntlich für alle Überweisungen und Lastschriften die neuen Regelungen des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes Single Euro Payments Area (SEPA). Doch noch ist das Vorhaben nicht vollumfänglich in den Köpfen der Betroffenen angekommen. Im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken befragte die Gesellschaft für Konsumforschung 1.000 Bürgerinnen und Bürger über 18 Jahren. Demnach zeigen 76 Prozent kein Interesse an dem neuen europäischen Überweisungs- und Lastschriftverfahren.

Die Banken appellieren dringend an die Verbraucher, Unternehmen und Vereine, die Umstellung alsbald in Angriff zu nehmen. Denn den Zahlungsverkehr umzustellen, geht nicht von heute auf morgen. Und Last-minute-Strategien bei der SEPA-Umstellung bergen Risiken, denn den Unternehmen drohen Liquiditätsengpässe. Gemäß einer vom ibi research an der Universität Regensburg durchgeführten Studie nutzt erst ein Drittel der Unternehmen in Deutschland die SEPA-Überweisung, etwa 30 % planen erst zum 1. Februar 2014 die ausschließliche SEPA-Nutzung. Bei 20 % der Befragten steht der Termin zur finalen Umstellung auf die SEPA-Lastschrift noch immer nicht fest und mehr als jeder Zehnte rechnet sogar damit, dass die Systeme erst nach dem 1. Februar 2014 auf SEPA umgestellt sind. „Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass SEPA zwar mittlerweile stärker im Bewusstsein verankert ist. Insgesamt verläuft die Umstellung in Deutschland – gerade angesichts der wenigen verbleibenden Arbeitstage – aber noch deutlich zu schleppend. Damit die Umstellung noch rechtzeitig und dazu möglichst reibungslos erfolgen kann, muss das Großprojekt SEPA auch von den Nachzüglern umgehend in Angriff genommen werden“, so Dr. Georg Wittmann vom ibi research. Probleme lauern vor allem in der Anpassung der IT und die Einholung schriftlicher Mandate. Rund die Hälfte der Unternehmen nutzt gängige ERP- und Buchhaltungssysteme von Microsoft, SAP oder DATEV, aber insbesondere bei selbst entwickelten Systemen ist mit Problemen zu rechnen, so Wittmann im Rahmen einer Bankenveranstaltung in Köln. Zentrale Umsetzungsprobleme treten häufig erst beim Testen auf, wobei der Projektaufwand und die Projektkomplexität gehörig unterschätzt werden. "Viele Unternehmen versuchen eine Hauruck-Umstellung“, weiß Wittmann. Banken leisten deshalb in hohem Maße Aufklärungsarbeit. Unterstützung von Seiten der Politik und Aufsicht ist dagegen wenig zu erwarten. Das Werbebudget der Deutschen Bundesbank für die SEPA-Umstellung beträgt dem Vernehmen nach nur drei Millionen Euro.

Die mit dem Motto "Aus dieser Nummer kommen Sie nicht mehr raus" angelaufene Kommunikationsoffensive lag allzu lange fertig in der Schublade, konnte allerdings erst nach der Bundestagswahl anlaufen. Viele Politiker hatten nämlich scheinbar die Befürchtung, durch das Thema SEPA Nachteile im Wahlkampf zu erfahren und zögerten, für dieses komplizierte Mammutprojekt Gesicht und Namen herzugeben. Die Kohlen müssen nun die Kreditinstitute aus dem Feuer holen. Sie fungieren als erste Informationsschnittstelle und sorgen gemäß ibi-Studie bei mehr als Dreiviertel der Unternehmen als erster Ansprechpartner. Von der Hausbank erhalten 76 % der Befragten Informationen zu SEPA, während der Fach- und Tagespresse nur weniger als die Hälfte (46 %) brauchbare Informationen entnehmen können. "Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation", sieht deshalb Olaf Hellrung (Foto), Leiter Zahlungsverkehr bei der National-Bank AG in Essen, die vordringlichste Aufgabe seines Instituts. Neben technischen Konvertierungsmöglichkeiten, Checklisten zur organisatorischen Umsetzung sowie Erläuterungen der rechtlichen Rahmenbedingungen spielen vor allem Kundengespräche, insbesondere bei Geschäftskunden, eine wichtige Rolle. Musterformulare, Kombimandate und Musterschreiben werden ebenso zur Verfügung gestellt wie Webinare und Trainings für Mitarbeiter und Kunden. Wichtig ist, rechtzeitig mit der Analyse der bisherigen IT-Infrastruktur zu beginnen, damit alle ZV-relevanten Programme und Anwendungen identifiziert werden können, rät Hellrung. Für den Kunden bedeute die SEPA-Migration eine adhoc-Umstellung eines gut 40 Jahre lang gewachsenen und optimierten Zahlungsverkehrs. Oft müssten organisatorische Änderungen vorgenommen sowie Formulare und Vertragswerke angepasst werden. Druck entstehe für den Kunden, wenn Löhne und Gehälter, Krankenkassenbeiträge oder auch die Zahlungen ans Finanzamt nicht mehr geleistet werden könnten. "Insbesondere bei Lastschrifteinreichern kann die SEPA-Migration zu einer technischen Zahlungsunfähigkeit führen", warnt Hellrung.

Risiken zeigen sich im SEPA-Vorfeld allerdings nicht nur auf Seiten der Bankkunden, sondern auch in den Instituten selbst. "Banken sind in der gleichen Weise wie ein Firmenkunde von der Umstellung betroffen. Oft sind die bankeigenen Systeme auch noch nicht SEPA-fähig, da sich viele Institute in einer großen Abhängigkeit von Softwareherstellern befinden", weiß Corinna Lauer, Zahlungsverkehrsexpertin bei der UniCredit Bank AG. Für Banken empfiehlt sie vor allem die Beachtung der Mandatserfordernis, der Informationspflichten sowie der Einzugserfordernisse. Dabei müssten beispielsweise Vorlauffristen für den Fälligkeitstag (Basislastschrift D-5 bzw. D-2 bzw. Basislastschrift mit verkürzter Vorlauffrist D-1) oder die richtigen Sequenzen beim Einzug (First, recurrent, final) einschließlich der Mandats-Änderungshinweisen berücksichtigt werden. Auch bei Einzügen von Darlehensraten von Fremdbankkonten sei künftig ein Mandat erforderlich, sagt Lauer. Im Hinblick auf die Informationspflichten müssten etwa Kunden auch über die Umdeutung der Einzugsermächtigung in ein Mandat (bei vorhandener Einzugsermächtigung) in Kenntnis gesetzt werden. Die Themenliste ist also noch recht lang.

Das Eigeninteresse der Banken an einem effizienten Zahlungsverkehr dürfte ohnehin recht groß sein. Zahlungsverkehr und Transactionbanking sind seit der Finanzkrise eine wesentliche Ertragsquelle für viele Banken. 2012 generierten diese Geschäftsbereiche gemäß einer aktuellen Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG) 301 Milliarden US-Dollar an transaktionalen Erträgen (inkl. monatlicher und jährlicher Kartengebühren) sowie 223 Milliarden US-Dollar an kontobezogenen Erträgen (inkl. Kontoführungsgebühren und Margen). Diese Geschäftsbereiche beliefen sich damit insgesamt auf rund ein Viertel der globalen Erträge im Bankensektor. Banken wickelten im vergangenen Jahr 377 Billionen US-Dollar an bargeldlosen Transaktionen ab, dies entspricht mehr als dem fünffachen Wert des globalen BIP. Doch angesichts einiger herausfordernder Branchentrends, die Erträge und Gewinne zu schmälern drohen, müssen Banken vor allem mit Blick auf ihre Geschäftsmodelle aktiv werden, wenn sie nachhaltig wachsen wollen. Als stabile Ertragsquellen und zum Aufbau von Kundenloyalität werden Zahlungsverkehr und Transactionbanking weiter an Bedeutung gewinnen.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
30.09.2013
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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