Kritik an hohen Gebühren
Robo Advisory ist keine Raketenwissenschaft

Zahlreiche neue Anbieter im Bereich der automatisierten Anlageberatung adressieren primär im Bereich der Indexfonds (ETF) eine anspruchsvolle und gleichzeitig aufgeschlossene Kundenklientel. Inwieweit automatisierte Robo Advisory-Anbieter nur eine Ergänzung zum konventionellen Marktgeschehen oder gar eine FinTech-Revolution darstellen, zeigt sich erst dann, wenn die unterschiedlichen Geschäftsmodelle ihre langfristige Tragfähigkeit nachgewiesen haben. Die Robos sehen sich in der Regel als eine ganz neue Finanzlösung, bieten in der Geldanlage häufig aber nur alten Wein in neuen Schläuchen. Das unabhängige Portal Robo-advisor.de kommt bei einer Analyse der deutschen Robo-Advisor-Landschaft jedenfalls zu einem differenzierten Resultat und empfiehlt diese innovative Anlageform nur für Anleger, die sich um gar nichts kümmern möchten.

„Das Problem der Robo-Advisor ist, dass sie – genau wie die von ihnen kritisierte Zunft – relativ hohe Gebühren berechnen, die die Rendite schmälern”, sagt Anlageexperte und Studienautor Niklas Vogt. Nur einzelne Robos mit komplexerer Technologie (z.B. Scalable Capital, Whitebox) schichten das Portfolio nicht einmal jährlich, sondern abhängig von der Marktentwicklung um. „Für mich macht ein Robo-Advisor nur dann Sinn, wenn er aktiv umschichtet: das kann ein kleiner Privatanleger nämlich nicht leisten“, sagt Vogt. Die meisten Robo-Advisors heutzutage wählen zu Beginn der Anlage einmalig eine Aufteilung des Geldes auf verschiedene ETFs und fassen das Portfolio dann erst nach einem Jahr wieder an. Dann findet das Rebalancing statt. Das heißt, der Algorithmus kauft und verkauft ETFs, sodass die ursprüngliche Aufteilung der Gelder auf Aktien, Anlagen und Co. wieder erreicht wird. Die Gebühr für die Dienstleistung eines passiven Robo-Advisors ohne aktive Umschichtungen ist nach Meinung des Experten zu hoch.

„Ein normales ETF-Portfolio kann jeder Privatanleger selbst zusammenstellen – eine Raketenwissenschaft ist das nicht. Anleger sparen dann ca. 0,5 % Gebühren. Auf 13 Jahre gerechnet macht das bei einem ursprünglichen Anlagebetrag von 10.000 € mehr als 1.500 € Gewinn für Anleger, die selbst Hand anlegen“, rechnet Vogt vor. Aktive Robo-Advisor hingegen reagieren tagesaktuell auf Markttrends. Hinter der Gebühr steht hier eine deutlich komplexere Dienstleistung. Vogt: "Ob diese Dienstleistung ihren Aufpreis wert ist, das weiß man heute noch nicht – die Robo-Advisor sind zu jung."

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Artikel veröffentlicht am:
25.11.2016
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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