Bankensektor
Risiken im Finanzsystem steigen
 

Von Cyberrisiken bis hin zu niedrigen Zinsen: Im deutschen Finanzsystem haben sich langsam, aber stetig Verwundbarkeiten aufgebaut. In der Gesamtschau zeigen sich im Bankensektor zyklische systemische Gefahren.

Dabei handele sich um die Unterschätzung von Kreditrisiken, Risiken aus der Immobilienfinanzierung und Zinsrisiken, wenn die Zinsen noch über längere Zeit sehr niedrig bleiben oder abrupt steigen würden, heißt es in dem von der Bundesregierung als Unterrichtung vorgelegten 6. Bericht des Ausschusses für Finanzstabilität zur Finanzstabilität in Deutschland (19/10688). Dies teilte der Informationsdienst „heute im bundestag“ (hib) am Donnerstag in Berlin mit. Zudem würden Cyberrisiken eine Gefahr für die Finanzstabilität darstellen. Ein ungeordneter Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU könne erhebliche real- und finanzwirtschaftliche Verwerfungen zur Folge haben. Es könnten sich indirekte Ansteckungseffekte über Drittländer ergeben.

Wie es in dem Bericht laut hib weiter heißt, könne ein unerwarteter starker konjunktureller Abschwung den gesamten Bankensektor treffen und durch diesen verstärkt werden. „Kommt es zu einem unerwarteten, starken Abschwung, könnte die Eigenkapitalausstattung insbesondere der größeren Banken unter Druck geraten. Hierzu würden vor allem Kreditausfälle und regulatorisch steigende Risikogewichte beitragen. Bei kleineren und mittelgroßen Banken könnte es insbesondere zu Verlusten aus dem Wohnimmobilien-Kreditgeschäft kommen. Dieses macht einen Großteil ihrer Kreditvergabe aus", heißt es den Angaben zufolge in der Unterrichtung.

Verschlechterte Eigenkapitalausstattung

Der Ausschuss weist dem hib zufolge darauf hin, dass sich die Eigenkapitalausstattung großer deutscher Banken verschlechtert habe. Sollte ein Konjunktureinbruch mit sinkenden Immobilienpreisen einhergehen, würden wahrscheinlich zusätzliche Risiken eintreten. Angesichts der stark gestiegenen Preise bestehe die Gefahr, dass Banken die Werthaltigkeit der als Sicherheit hinterlegten Wohnimmobilien überschätzen würden. „Bricht die Konjunktur ein, dürften die Haushaltseinkommen sinken und die Arbeitslosigkeit steigen. Damit dürfte sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Wohnimmobilien-Kredite nicht mehr bedient werden“, zitiert der Informationsdienst hib aus dem Bericht

Bei deutlichen Preiskorrekturen könne der Erlös aus einem Verkauf von Wohnimmobilien nicht ausreichen, um Kreditausfälle und Verluste auf Seiten der Kreditgeber zu vermeiden. Davon wären vor allem kleinere und mittelgroße Banken betroffen. Substanziell erhöhte Risiken für die Finanzstabilität sehe der Ausschuss weniger im Neugeschäft mit Wohnimmobilien-Krediten, sondern die Risiken könnten sich aus dem Bestand der Wohnimmobilien-Kredite ergeben.

Kleinere und mittelgroße Banken sähen sich auch hohen Zinsrisiken gegenüber, heißt es laut hib in dem Bericht. Mit niedrigen Zinsen hätten viele Banken mehr Kredite mit längerer Laufzeit und Zinsbindungsdauer vergeben. Vor allem bei kleinen und mittelgroßen Banken hätten sich dadurch Zinsänderungsrisiken aufgebaut. Risiken würden bei einem abrupten Anstieg der Zinsen ebenso bestehen wie auch bei einem Verbleib der Zinsen noch längere Zeit nahe null. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
13.06.2019
Quelle(n):
Bildquelle: iStock.com/merklicht.de
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Redaktion die bank
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