Bundesbank
Risiken im deutschen Finanzsystem gestiegen

Die Risiken für die Stabilität des deutschen Finanzsystems haben im Jahresverlauf 2019 weiter zugenommen. Im derzeitigen Um­feld könn­ten zu­künf­ti­ge Kre­dit­ri­si­ken un­ter­schätzt und die Wert­hal­tig­keit von Kre­dit­si­cher­hei­ten wie Im­mo­bi­li­en über­schätzt wer­den. Das geht aus dem neuen Fi­nanz­sta­bi­li­täts­be­richt der Bun­des­bank hervor, der am Donnerstag in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. „Ein un­er­war­te­ter Kon­junk­tur­ein­bruch und ab­rupt stei­gen­de Ri­si­ko­prä­mi­en könn­ten das deut­sche Fi­nanz­sys­tem emp­find­lich tref­fen“, erklärte die Vi­ze­prä­si­den­tin der Notenbank, Clau­dia Buch, laut Bundesbank an­läss­lich der Pres­se­kon­fe­renz zur Vor­stel­lung des Berichts.

Die konjunkturellen Abwärtsrisiken, die im vergangenen Jahr bestanden, seien teilweise eingetreten, so die Experten der Bundesbank. Seit Jahresbeginn habe sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland merklich eingetrübt. Maßgeblichen Anteil daran hätten ungünstige außenwirtschaftliche Entwicklungen, etwa zunehmende handelspolitische Spannungen und schwächere globale Investitionen. „Der wirtschaftliche Ausblick bleibt von hoher, überwiegend politisch bedingter Unsicherheit im internationalen Umfeld geprägt“, schrieben die Autoren. 

Unerwarteter Konjunktureinbruch möglich

Sie warnten insbesondere vor zwei möglichen Entwicklungen: Zum einen könnte sich die derzeitige konjunkturelle Eintrübung zu einem unerwarteten Konjunktureinbruch ausweiten. Beispielsweise könnte sich die globale Konjunktur deutlich schwächer entwickeln als erwartet oder der aktuelle Abschwung in der deutschen Industrie stärker als erwartet auf die Binnenwirtschaft durchschlagen. In einem solchen Szenario könnten Kreditausfälle zunehmen und die Immobilienpreise deutlich sinken. Dies würde das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen.

Zum anderen könnte sich ein abrupter Zinsanstieg negativ auswirken, da aktuell Erwartungen langanhaltend niedriger Zinsen bestehen und Vermögenswerte entsprechend hoch bewertet seien. Zu einem abrupten Anstieg des Zinsniveaus könnte es kommen, wenn konjunkturelle Risiken eintreten und sich die Risikoprämien an den Märkten schlagartig erhöhen. Die Vermögenspreise könnten demnach in einem Umfeld nahe der Nullzinsgrenze bereits auf kleine Zinsänderungen stark reagieren. Damit könnte die Volatilität der Vermögenspreise steigen, hieß es.

Eine Gefahr für die Finanzstabilität könne sich ergeben, wenn diese zyklischen Risiken zusammen eintreten, viele Marktteilnehmer gleichzeitig betroffen seien und sich Risiken so gegenseitig verstärkten, so das Fazit der Bundesbank-Experten: „Viele Marktteilnehmer müssten in einem solchen Fall Verluste auffangen und könnten gleichgerichtet reagieren, etwa indem sie ihre Kreditvergabe, ihre Investitionen oder ihren Konsum einschränken. Ein konjunktureller Einbruch könnte dann verstärkt werden“, so die Autoren des Berichts. (ud)

Lesen Sie hier den vollständigen Finanzstabilitätsbericht 2019 der Deutschen Bundesbank.

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Artikel veröffentlicht am:
21.11.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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