Kreditrisikomanagement
Regulatoren wollen Ratingabhängigkeit reduzieren

Die Finanzaufseher in Deutschland und in der Schweiz nehmen zunehmend auch institutionelle Investoren, allen voran die Versicherer, beim Thema Kreditrisiko in die Pflicht. Es geht darum, Anlageentscheidungen nicht allein auf die Einschätzungen der Ratingagenturen abzustützen, sondern die Abhängigkeit von deren Ratings zu reduzieren und gleichsam eigene Ratingprozesse aufzubauen. Nach dem Scheitern der Idee einer europäischen Ratingagentur als Gegenpol zu den dominanten amerikanischen Ratingagenturen soll die Kompetenz im unternehmensinternen Kreditrisikomanagement gestärkt werden, so die unabhängige Schweizer Research Boutique Independent Credit View AG. "Das ist auch der richtige Weg. Schließlich sind beispielsweise Versicherer und Versorgungswerke für die treuhänderische Verwaltung der ihnen anvertrauten Gelder selbst verantwortlich und sollten sich durch interne oder externe Expertise entsprechend rüsten", sagt René Hermann (Foto unten), Partner von Independent Credit View (I-CV). Es sei sinnvoll, dass die Stoßrichtung der Regulatoren hier ansetzt und die institutionellen Anleger sich in der Folge wieder bewusst mit dem Themenkreis Kreditrisiko auseinandersetzen. Denn diese Eigenverantwortung sei lange Zeit ausgeblendet worden, so Hermann. Ziel der Regulatoren ist es, dass die Investoren weder in undurchsichtige Finanzkonstrukte, die sie selbst nicht verstehen, investieren und dass sie nicht ungeprüft auf offizielle Ratings vertrauen. Investoren sollten nicht blindlings auf externe Ratings vertrauen, sondern müssten sich kritisch damit auseinandersetzen, um so Anlageentscheide breit abzustützen und nachvollziehbar auszugestalten, sagt Analyst Hermann. Dafür muss für die eigenen Kreditrisikobeurteilungen intern das erforderliche Know-how und die notwendigen Prozesse aufgebaut werden. Dabei sollten sie nicht nur den regulatorischen Anforderungen gerecht werden, sondern im Idealfall auch solch effiziente Lösungen finden, die unternehmerisch einen Mehrwert liefern. Es handelt sich zudem um einen komplexen sowie fließenden Vorgang, der einer ständigen Berücksichtigung neuer Entwicklungen an den Finanzmärkten bedarf. Dennoch besteht ein inhärenter Widerspruch im Bestreben einzelner Regulatoren, da sie zum Teil unterschiedlicher Auffassung sind. So wird das Betätigungsfeld der Agenturen weiterhin regulatorisch geschützt, indem für aufsichtsrechtliche Zwecke nur anerkannte Ratingagenturen zugelassen sind, die aber alles andere als unabhängig sind und deren Einfluss man eigentlich reduzieren möchte. „Es zeigt sich also, dass der Weg zwar in die korrekte Richtung zu mehr Eigenverantwortung beim Investor geht, aber noch nicht zu Ende beschritten wurde", so Hermann von I-CV.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
09.12.2014
Quelle(n):
Bild (oben): © Atelier W. - Fotolia.com
Bild (unten): I-CV
Autor/in 
Redaktion die bank
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