Zeichen stehen auf Wachstum
Protektionismus bedroht Konjunkturaufschwung

Die deutschen Finanzvorstände wollen angesichts der guten Konjunkturdaten wieder mehr investieren und offensiver in das Marktgeschehen eingreifen. „Die Zeichen stehen auf Wachstum“, hat Deloitte-Chefökonom Alexander Börsch festgestellt. Dabei fordert aber die momentan geopolitisch schwierige Lage ein aktives Management der politischen Risiken, damit das Wachstum krisenfest bleibt. Quer durch Europa ist die Stimmung generell ebenfalls eher positiv, die CFOs aus Großbritannien jedoch erwarten signifikante Investitions- und Einstellungseinbußen – der Brexit lässt grüßen.
Allerdings wird die politische Instabilität in vielen Regionen der Welt zunehmend als Bedrohung für die eigene Industrie identifiziert, und politische Einflüsse bereiten den CFOs die meisten Sorgen. 44 bzw. 48 Prozent fürchten sich vor mehr Protektionismus und einer unberechenbaren, populistischen Wirtschaftspolitik. Nicht nur Großbritannien, auch populistische Strömungen in osteuropäischen Ländern geben dazu Anlass. Das könnte gerade den deutschen Unternehmen erheblich schaden.
 
Politisches Risikomanagement immer wichtiger
Die für den Deloitte CFO-Survey befragten Finanzchefs gehen mehrheitlich davon aus, dass sich diese Situation so schnell auch nicht bessern wird. Zwei Drittel erwarten sogar noch mehr Protektionismus. Die Mehrheit der Banker unterzieht deshalb ihre Investitionspläne einer scharfen Revision. Branchenübergreifend wird das politische Risikomanagement und die Integration politischer Risiken immer wichtiger bewertet. Ein Auseinanderbrechen der Eurozone hingegen befürchten aktuell nur noch 7 Prozent.
Von der eigenen wirtschaftlichen Situation sind hingegen fast alle CFOs überzeugt. In Deutschland bezeichnen 96 Prozent die eigenen Zahlen als gut oder sehr gut, in den USA sind dies 72 Prozent, in China 58 Prozent und in der Eurozone allgemein immer noch 39 Prozent. Für jede dieser  Weltregionen überwiegen die optimistischen Prognosen. Insbesondere die Beurteilung der Eurozone hat sich seit vergangenen Herbst deutlich verbessert.
 
Im europäischen Vergleich ist die Lage unter den CFOs positiv und reflektiert den Konjunkturaufschwung: Die Geschäftsaussichten haben sich seit dem Herbst 2016 deutlich verbessert, lediglich Italien und Großbritannien haben eher zurückhaltende Erwartungen.
Darüber, wie es mit der Union weitergehen soll, sind die Finanzvorstände uneins. Während die süd- und osteuropäischen CFOs mehrheitlich eine stärkere politische und ökonomische Integration wünschen, setzen ihre Pendants aus Deutschland, Belgien, Österreich und den Niederlanden eher auf ein „Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten“. 
 
In den deutschen Führungsetagen deutet sich unterdessen im Hinblick auf die Wahl einer geeigneten Zukunftsstrategie ein Paradigmenwechsel an. Zwei Drittel setzen heute auf Innovationen – vor einem Jahr war es nur die Hälfte – und zeigen mehr strategische Risikofreude. Damit ziehen die Investitionen an, Unternehmen erhalten neue Möglichkeiten und erweitern ihren Handlungsspielraum. Deloitte-Partner Rolf Epstein bezeichnete den Wechsel von Verteidigung auf Angriff als sinnvoll. „Die Investitionsbereitschaft im Maschinenbau und der Immobilienbranche zeigt den Weg in Richtung der voranschreitenden Digitalisierung auch des Finanzbereichs. Beide wollen vermehrt in Innovationen investieren.“ Die komplette Studie kann auf der Unternehmensseite heruntergeladen werden.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
18.05.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia 
Autor/in 
Anja U. Kraus
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