Regionalmarkt Bremen
Private Banken mit starker Präsenz
 

Während die Gruppe der privaten Banken in den ländlichen Regionen weniger stark vertreten ist, weist sie in den städtischen Regionen nicht nur eine hohe Präsenz auf, sondern verstärkt diese weiter. Bestes Beispiel ist Bremen, wo die private Kreditwirtschaft in vielen Marktsegmenten traditionell eine bemerkenswerte Position einnimmt.

Das internationale Bankwesen erfährt derzeit bemerkenswerte strukturelle Veränderungen. Fusionen und Kooperationen führen dazu, dass sich neue Marktführer herausbilden. Für die gesamte Kreditwirtschaft sowohl in Deutschland als auch international bleibt der Konsolidierungsdruck weiterhin sehr hoch.

Bereits in den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der in Deutschland tätigen Kreditinstitute deutlich zurückgegangen.

infografik 1Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den drei Säulen. So nahm vor allem die Zahl der genossenschaftlichen Kreditinstitute stark ab und reduzierte sich um circa 50 %. Im Bereich der Sparkassen und Landesbanken verringerte sich die Zahl der Institute um rund 25 %. Im Bereich der privaten Banken1 ist jedoch eine Zunahme der Institute um rund 16 % zu verzeichnen. Diese Expansion ist allerdings ausschließlich auf die kräftige Zunahme der Geschäftstätigkeit ausländischer Banken in Deutschland zurückzuführen.

Der Konsolidierungsprozess im Bankensektor erfolgt zurzeit fast ausschließlich säulenintern. Während sowohl auf der europäischen als auch auf der internationalen Ebene Hindernisse für grenzüberschreitende Bankenzusammenschlüsse und Fusionen gesenkt werden, lässt das deutsche System bislang keine Beteiligung von privatem Kapital an öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten zu.2 Bankengruppen übergreifenden nationalen Zusammenschlüssen sind dementsprechend noch Grenzen gesetzt.

Trotz des fortschreitenden Konsolidierungsprozesses im deutschen Bankensektor weist Deutschland im europäischen Vergleich mit 25 Kreditinstituten bezogen auf 1 Mio Einwohner immer noch eine sehr hohe Bankendichte auf.

Regionalmärkte und Präsenz der Privaten Banken

Der Begriff der Regionalmärkte wird vielfach unspezifisch verwandt. Eine Region als geografisches Gebiet wird erst durch einen Kontext konkretisiert. Aus europäischer Sicht können zum Beispiel Deutschland oder mehrere Bundesländer als Region betrachtet werden. Aus deutscher Sicht können Bundesländer aber auch einzelne Gemeinden als Region betrachtet werden. Der Begriff der Regionalmärkte in der deutschen Kreditwirtschaft hat sich insbesondere über das Regionalprinzip etabliert, mit dem vor allem öffentlichrechtliche und genossenschaftliche Institute ihr jeweiliges Geschäftsgebiet zu den Mitwettbewerbern der eigenen Organisationen abgrenzen.

Die Gruppe der privaten Banken, die aus Großbanken, Regionalbanken, Privatbankiers und Zweigstellen ausländischer Banken besteht, unterliegen nicht dem Regionalprinzip. Sie grenzen ihr jeweiliges Geschäftsgebiet nach organisatorischen Gesichtspunkten in regionale Märkte ein, die durch zentrale bzw. dezentrale Einheiten bearbeitet werden. Eine Deckungsgleichheit der durch die unterschiedlichen Institute regional abgegrenzten Märkte besteht in der Regel nicht. Die privaten Banken konkurrieren auf den von ihnen bestimmten regionalen Märkten untereinander mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Strategien.

Hinsichtlich der Bevölkerungsstrukturen lässt sich eine Einteilung regionaler Märkte in ländliche Regionen mit niedriger Bevölkerungsdichte und städtische Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte vornehmen. Während die Gruppe der privaten Banken in den ländlichen Regionen nicht so stark vertreten ist, weist sie in den städtischen Regionen nicht nur eine höhere Präsenz auf, sondern verstärkt diese weiter. Sichtbar wird dies nicht nur über die erhebliche Zunahme der Zweigstellen ausländischer Banken in städtischen Regionen, die in den letzten Jahren zu beobachten ist; auch die Aktivitäten von Großbanken deuten in diese Richtung. So plant eine Großbank eine Offensive zur weiteren Erschließung regionaler städtischer Märkte. Mit einem Pilotprojekt in Hamburg, in dessen Zuge zehn neue Filialen im Stadtgebiet eröffnet werden sollen, wird hier aktuell eine Strategie zur Neukundengewinnung im Privatkundengeschäft umgesetzt.3

Die Bedeutung der privaten Banken in Bremen

In den Jahren 2007 und 2008 führte das Institut für Finanz- und Dienstleistungsmanagement der Hochschule Bremen in Zusammenarbeit mit dem Bankenverband Bremen eine Studie zur Bedeutung der privaten Banken im Bundesland Bremen durch.4 Offizielle Zahlen zur Bedeutung der privaten Banken in Bremen wurden bis zu diesem Zeitpunkt nicht erhoben. Über die Studie sollten entsprechende Daten gewonnen und veröffentlicht werden. Dazu wurden mehreren Befragungen innerhalb der Gruppe der privaten Banken im Bundesland Bremen durchgeführt, bankstatistische Regionalergebnisse analysiert und wirtschafts- bzw. bankhistorische Archive und Dokumentationen ausgewertet.

Wie in anderen Orten auch, waren es privat Banken, die als erste Kreditinstitute im Bundesland Bremen geschäftliche Aktivitäten entfalteten. Diese Banken entstanden im 18. und 19. Jahrhundert durch die Spezialisierung von Kaufleuten auf den Geschäftsbereich des Geldwechselns, des Geldverleihs und des Eintreibens fälliger Forderungen. Viele Privatbanken übten zunächst die Geldgeschäfte zusammen mit Handelsgeschäften aus, bevor sie sich ausschließlich auf das Bankgeschäft konzentrierten. Zu den ersten Banken in Bremen gehörte das Bankhaus J. Schultze & Wolde, das sich aus dem 1794 gegründeten Unternehmen Schultze & Wolde, Geld- und Wechselnegocianten entwickelte.

Durch ihre Tätigkeiten hatten die privaten Banken nicht nur einen maßgeblichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung Bremens. Sie nahmen auch politischen Einfluss und waren zum Beispiel bei der Gründung der ersten Bremer Notenbank, der Bremer Bank, beratend tätig. Bis zu deren Gründung lagen die Bankgeschäfte in Bremen überwiegend in den Händen der Privatbankiers. Auch bei der Gründung der Sparkasse Bremen im Jahre 1826 gehörten private Bankiers zu den ersten Mitgliedern und traten mit einem Teilbetrag in Haftung für das neu gegründete Institut.

Im Jahr 1952 organisierten sich die privaten Banken in Bremen im Rahmen des heutigen Bankenverbandes Bremen. Zum Jahresende 2007 gehörten ihm 28 Institute an, die mit ihren Haupt- oder Zweigniederlassungen im Bundesland vertreten waren. Dabei betrieben die privaten Banken insgesamt 70 Geschäftsstellen, in denen ihre Mitarbeiter als Ansprechpartner für das Bankgeschäft zur Verfügung standen.5

Vielfältige Struktur

Die Gruppe der privaten Banken im Bundesland Bremen zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus. Neben Universalbanken sind viele Institute mit hohem Spezialisierungsgrad anzutreffen. Einige Institute konzentrieren sich ausschließlich auf das Geschäft mit Privatkunden und spezialisieren sich dort zum Beispiel auf Bereiche wie Wealth Management, Geldanlage und Online-Wertpapierhandel, Konsumentenkredite oder Kundenkarten mit Zahlungs- und Kreditfunktion. Andere Banken konzentrieren sich auf das Firmenkundengeschäft und spezialisieren sich dort unter anderem auf Bereiche wie Schiffsfinanzierungen, Investitionsfinanzierungen, Immobilienfinanzierungen oder Leasing.

Die privaten Banken beschäftigen im Bundesland Bremen rund 1.600 Mitarbeiter. Die Quote der Mitarbeiter, die im Vertrieb und vertriebsnahen Bereich eingesetzt werden, beträgt rund 75 %. Damit wird eine starke Vertriebsausrichtung der privaten Banken in Bremen deutlich.

Bei den privaten Banken im Bundesland werden rund 610.000 Konten von privaten Kunden unterhalten. Bei rund 663.000 Einwohnern ergibt sich rein rechnerisch ein Durchschnitt von etwa einem Konto je Einwohner. Den rund 80.000 Konten, die von Unternehmen bei den privaten Baken unterhalten werden, stehen rund 26.700 umsatzsteuerpflichtige Betriebe gegenüber -> 1. Und rund 366.000 Auslandszahlungen, die von den Instituten im Jahr 2007 entweder für ihre Kunden getätigt oder entgegengenommen wurden, zeigen, dass der Auslandszahlungsverkehr bei den privaten Banken eine erhebliche Rolle spielt.

Bei einer Betrachtung der Monetären Finanzinstitute6 im Land Bremen ist festzustellen, dass die Gruppe der privaten Banken mit über 11,5 Mrd € rund 40 % des gesamten Kreditvolumens stellt, das von den Kreditinstituten im Bundesland an Nichtbanken vergeben wird. Dabei wurden den Geschäftsstellen der privaten Banken in Bremen im Jahr 2007 rund 33.000 Kreditwünsche vorgetragen. Bei rund 85 % dieser Kreditanträge trafen die Geschäftsstellen im Bundesland die Entscheidung über die Bewilligung im Rahmen ihrer eigenen Befugnisse.

Im Bereich der Einlagen von Nichtbanken betreuen die privaten Banken mit über 10 Mrd € rund 34 % der von den Instituten im Bundesland Bremen verwalteten Einlagen, wobei hier die Depots noch nicht berücksichtigt sind. Im Rahmen der Betreuung von rund 90.000 Depots verwalten die privaten Institute im Bundesland noch einmal mehr als 10 Mrd € -> 1.7

Die privaten Banken haben jedoch nicht nur einen bedeutenden Anteil am Geschäftsvolumen der Kreditinstitute in Bremen und fördern auf diesem Wege die wirtschaftliche Entwicklung der Region, auch mit ihren Steuergeldern leisten sie einen Beitrag für die Gesellschaft. Darüber hinaus engagieren sie sich gesellschaftlich und politisch durch führende ehrenamtliche Tätigkeiten in bedeutenden Bremer Institutionen. Gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung als Beiratsund Aufsichtsratsmitglieder in bremischen Stiftungen und Unternehmen. Sie fördern Organisationen des Bundeslandes in kirchlichen, karitativen, kulturellen, sportlichen oder wissenschaftlichen Bereichen, unter anderem durch Spenden und Sponsoring, und unterhalten eigene Stiftungen.

Perspektiven

Die Mehrzahl der Kreditinstitute in Deutschland sieht sich gezwungen, Strukturveränderungen zu erkennen und adäquate Anpassungsprozesse im Rahmen eines Change-Managements zu realisieren. Hierbei werden bisherige Strategien und Geschäftsmodelle im Hinblick auf ein wertorientiertes Management überprüft. Durch wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle soll es den deutschen Kreditinstituten gelingen, ihre Innovations- und Risikotragfähigkeit bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung zu erhöhen. Kundennähe und unternehmerische Entscheidungskompetenz vor Ort sind dabei Faktoren, die aus Sicht der Nachfrager einen Mehrwert an Nutzen bieten.8

Bei der derzeit zu beobachtenden Renaissance des Privatkundengeschäfts, verbunden mit einem steigenden Beratungsbedarf im Vertrieb, lässt sich erwarten, dass die städtischen Regionen mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte weiterhin im Fokus sowohl der regional als auch der überregional organisierten Institute stehen werden. In den kommenden Jahren wird sich der Wettbewerb vor allem in diesen Regionen mit dem Eintritt neuer Wettbewerber und mit der Etablierung neuer Filialkonzepte verschärfen. Eine weitere Konsolidierung im Bankensektor, bei der auch sektorenübergreifende Zusammenschlüsse erfolgen, erscheint vor diesem Hintergrund sehr wahrscheinlich.

Prof. Dr. Joachim Prätsch ist Vorstandssprecher des Instituts für Finanz- und Dienstleistungsmanagement der Hochschule Bremen. Rainer Sievert ist Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Dienstleistungsmanagement der Hochschule Bremen. Carl Kau ist Vorstandsvorsitzender des Bankenverbandes Bremen.

 

 

 

1 Im vorliegenden Beitrag wird der Begriff der privaten Banken synonym zum Begriff der Kreditbanken verwandt. 2 Vgl. Schrooten, M.: Deutschlands Bankenlandschaft im Wandel, in: Innovative Strategien für Finanzdienstleister – Den Wandel gestalten, Schriftenreihe des IFD, Achim 2008, S. 31.

 

3 Vgl. Financial Times Deutschland: Regionale Märkte im Visier, Commerzbank attackiert Sparkassen, 21.08.2001, www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Regionale_M%E4rkte_im_Visier_Commerzbank_attackiert_Sparkassen/403033.html (Zugriff 04.09.2008).

 

4 Die folgenden Ausführungen lehnen sich an die Veröffentlichung „Die Bedeutung der privaten Banken in Bremen“ an, die im Juli 2008 veröffentlicht wurde und vom Bankenverband Bremen angefordert werden kann.

 

5 Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich die folgenden Daten auf den 31.12.2007.

 

6 Gemäß der Definition der Deutschen Bundesbank werden unter den Monetären Finanzinstituten die Institute verstanden, die vom Publikum Einlagen oder den Einlagen nahe stehende Substitute entgegennehmen und Kredite auf eigene Rechnung gewähren.

 

7 In diesem Bereich stehen keine Vergleichszahlen für das Bundesland Bremen zur Verfügung. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die privaten Banken hier ebenso wie im gesamten Bundesgebiet eine deutliche Führungsposition innehaben. Im Bundesgebiet betreuen die privaten Banken rund 68 % aller Wertpapierbestände.

 

8 Vgl. Schäfer, B.: Handbuch Regionalbanken, 2. Aufl., Wiesbaden 2007, S. IIV.

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
17.11.2008
Erschienen in Ausgabe:
12/2008
Autor/in 
Joachim Prätsch, Carl Kau, Rainer Sievert
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