Studie
Notenbanken könnten zu staatlichen Bad Banks werden

Von Negativzinsen bis hin zu Anleihekäufen: Seit Jahren sind die Notenbanken weltweit damit beschäftigt, mit zum Teil umstrittenen Maßnahmen die Konjunktur anzuschieben. International steigt sogar die Bereitschaft zu noch mehr „alternativer Geldpolitik“. Doch nun wird offenbar erstmals auch ein echtes Tabu-Thema gebrochen: die offene Monetisierung staatlicher Ausgaben und Schulden über die Notenpresse. Welche Folgen drohen, analysiert das FERI Cognitive Finance Institute in einer aktuellen Studie. „Notenbanken verlieren ihre Unabhängigkeit und werden zu staatlichen ‚Bad Banks‘. Sie mutieren zu Endlagern für Staatsschulden und sollen durch Gelddrucken ökonomische Probleme lösen“, fasste Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des Instituts, die Analyse zusammen.

Neue monetäre Theorien ebenso wie Konzepte für sehr tiefe Negativzinsen und gezielte Vorschläge zur Abschaffung von Bargeld hätten Hochkonjunktur, teilte das Institut am Montag mit. Die wichtigsten dieser neuen Ideen seien als „Modern Monetary Theory“ (MMT) und „Overt Monetary Financing“ (OMF) bekannt: Während MMT mit neu gedrucktem Geld laufende staatliche Ausgaben und utopische Zukunftsprojekte finanzieren wolle, sollten bei OMF Staatsschulden und andere Altlasten dauerhaft von den Notenbanken übernommen werden. Bislang unumstößliche Regeln einer soliden Geldwirtschaft – wie etwa das Verbot offener Staatsfinanzierung durch Notenbanken – würden dabei ausgeblendet und als unbedeutend oder altmodisch diskreditiert, so eine Kernaussage der Studie.

Die genannten Ansätze hätten eines gemeinsam: Sie alle forderten eine noch stärkere Geldschöpfung durch Notenbanken als schon bislang der Fall. Speziell Japan und die USA seien die Vorreiter. In Japan lägen bereits heute 49 Prozent der Staatsschulden in der Bilanz der Notenbank.  In den USA favorisiere die Demokratische Partei seit kurzem das MMT-Konzept, das auf eine laufende Staatsfinanzierung durch die Notenpresse abziele. Die Risiken derart entfesselter Notenbankpolitik lägen in ungezügelter Staatsverschuldung, späteren Inflationsschüben sowie einer langfristigen Zerrüttung ganzer Finanzsysteme. Investoren und Vermögensinhaber seien gut beraten, die neuen monetären Tricks zu durchschauen und sich frühzeitig auf gravierende Konsequenzen einzustellen. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
24.06.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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