Fusion zwischen Deutsche Bank und Commerzbank
„Noch steht nichts fest“

Am Wochenende beherrschte die mögliche Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank einmal mehr die Nachrichten, nachdem nun auch ganz offiziell über die Zusammenlegung gesprochen wird. Der Chef der größten deutschen Bank, Christian Sewing, wandte sich in einem offenen Brief an die Mitarbeiter. Das Papier wurde auf der Homepage der Deutsche Bank auch öffentlich verbreitet. 

Sewing schrieb darin, die Bank müsse sich mit Gelegenheiten beschäftigen, „wenn sie sich bieten“. „Die Konsolidierung der Bankenbranche in Deutschland und Europa ist für uns ein wichtiges Thema, auch das habe ich immer wieder betont. Wir müssen prüfen, wie wir sie mitgestalten wollen. Unser Ziel ist und bleibt es, eine globale Bank mit einem starken Kapitalmarktgeschäft zu sein“, so der Bankchef. Sewing versprach seinen Mitarbeitern, „Wir werden ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen verfolgen, mit denen wir an unsere Fortschritte von 2018 anknüpfen können.“

Dass zur Fusion das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist, wird auch durch diese Aussage von Sewing deutlich: „Zum jetzigen Zeitpunkt steht keineswegs fest, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommen wird. Die Erfahrungen zeigen, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können.“

Unterdessen haben sich die Gewerkschaften gegen die Fusionspläne der beiden Großbanken positioniert. Sie befürchten den Verlust vieler Arbeitsplätze, zumal Branchenanalysten immer wieder betonen, dass sich der Zusammenschluss der Banken nur lohne, wenn massiv Stellen abgebaut würden. Dies dürfte dann vor allem den kleineren Verhandlungspartner, die Commerzbank, treffen. 

Verdi-Chef Frank Bsirske, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, lehnt einen möglichen Zusammenschluss ab. „Mir leuchtet die Sinnfälligkeit dieser Fusion im Moment überhaupt nicht ein“, sagte er zur Zeitung Stuttgarter Nachrichten. Die beiden Banken würden sich nicht sinnvoll ergänzen, vor allem im Privat- und Firmenkundengeschäftes käme es zu erheblichen Überschneidungen von Stärken statt zu gegenseitigen Ergänzungen. Der Gewerkschaftsboss fürchtet: „Da würden 20.000 Arbeitsplätze und mehr im Feuer stehen." Der Verdi-Fachgruppenleiter für das Bankgewerbe, Jan Duscheck, wird in Medienberichten damit zitiert, dass es bei einer Fusion vor allem im Privat- und Firmenkundengeschäft zu erheblichen Überschneidungen käme, was die Beschäftigten stark träfe. Für die Gewerkschaft stehe die langfristige Sicherheit von Arbeitsplätzen im Vordergrund. 

Monopol-Probleme dürften hingegen nicht zu erwarten sein. Achim Wambach, Chef der Monopolkommission, sagte der Rheinischen Post, er sehe bei einer möglichen Fusion weniger Wettbewerbs- als Stabilitätsprobleme. Unter Auflagen könnte die mögliche Fusion offenbar freigeben werden. Wambach äußerte demnach jedoch Befürchtungen vor einem Anstieg des Systemrisikos durch die angedachte Fusion. Am kommenden Donnerstag stehen in beiden Banken Sitzungen der jeweiligen Aufsichtsräte an. (kra) 

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Artikel veröffentlicht am:
18.03.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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