Bezahlen in Deutschland
Mit Innovationen gegen das Gewohnheitstier
 

Der Deutsche bleibt seinen Gewohnheiten treu – nicht nur mit seiner beständigen Vorliebe für Bargeld. Greift der Bundesbürger an der Kasse dann doch zur Karte, ist es meistens die girocard, die – erneut kommt die Macht der Gewohnheit ins Spiel – von vielen auch elf Jahre nach der Umstellung immer noch „ec-Karte“ genannt wird. 94 Prozent aller Deutschen besitzen eine girocard. Und ihr vertrauen sie offenbar am meisten: Drei Viertel der Bevölkerung halten die kontaktbehaftete Zahlung mit dieser Karte und der altbekannten PIN für sicher. Das fand das Allensbacher Institut im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme heraus.

Immerhin 49 Prozent der 30- bis 44-Jährigen würden mittlerweile lieber mit Karte als mit Bargeld zahlen; generell bezahlten 31 Prozent der Bundesbürger bereits lieber mit Karte als mit Scheinen und Münzen, heißt es in der Untersuchung weiter. Zum Vergleich: Die jüngste Bundesbank-Statistik „Zahlungsverhalten in Deutschland“ besagt, dass Bargeld nach wie vor das am häufigsten genutzte Zahlungsinstrument in Deutschland ist; ihr zufolge wurden 74 Prozent aller Transaktionen am Point of Sale 2017 bar getätigt. Gerade bei kleinen Beträgen bleibt der Deutsche Barzahler. Kleinbeträge bis 5 € werden noch zu 96 Prozent, Ausgaben bis 50 € größtenteils in bar beglichen, so die Notenbank.

Innovative Bezahlverfahren im Trend

Neben dem Sicherheitsaspekt, so die Demoskopen, assoziiere eine Mehrheit der Bevölkerung mit der girocard auch Begriffe wie Modernität (70 Prozent), Komfort (54 Prozent) und Flexibilität (50 Prozent). Gerade die jüngeren Befragten zeigen sich aber interessiert an innovativen Bezahlverfahren. Mehr als die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen kann sich vorstellen, mit dem Smartphone zu bezahlen. Die Innovationsbereitschaft der Jungen zeige, dass Bezahlinnovationen in Zukunft zur gelebten Tradition werden könnten, sagt Werner Süßlin von Allensbach. 

Im Hinblick auf kontaktlose Bezahlverfahren wird in der Studie aber Zurückhaltung erkennbar. Eine Mehrheit der Befragten sorge sich, dass Kriminelle durch Schadsoftware oder Viren Zugriff auf das Smartphone und damit die Bankdaten oder auf die im Gerät hinterlegte digitale Bankkarte bekommen könnten, heißt es in der Auswertung. Bedenken, die Sicherheitsexperte Dr. Thomas Denny von SRC Security Research & Consulting zerstreut: „Das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone basiert auf denselben Sicherheitsanforderungen wie das kontaktlose Bezahlen mit der physischen Plastikkarte. Deren Umsetzung und Einhaltung wird von der Deutschen Kreditwirtschaft überprüft.“

Die Initiative DZ erkennt in der Untersuchung eine „Trendwende“ in Sachen Bezahlverfahren in Deutschland. Die deutsche Kreditwirtschaft habe auch bereits reagiert; aktuell ermöglichten immer mehr Banken und Sparkassen kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone und ebneten so den Weg für den „digitalen Entdeckergeist“. Nun sei aber der Handel gefragt, sein Bezahlangebot an die sich wandelnden Präferenzen der Kunden anzupassen, so der Berliner Verein. 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
14.08.2018
Quelle(n):
Bildquelle: ©Cecilie_Arcurs | istockphoto.com
Autor/in 
Anja U. Kraus
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