Nachruf
Ludwig Poullain †

Am 10. Februar 2015 ist Ludwig Poullain in seinem Haus in Münster im Alter von 95 Jahren gestorben. Die deutsche Kreditwirtschaft verliert damit eine äußerst markante Führungspersönlichkeit, einen Banker, der für seine Überzeugungen gelebt und immer klar und deutlich Stellung bezogen hat. Das Wort „Banker“ hörte Poullain zu Lebzeiten nicht gern, er selbst verstand sich als vornehmer Bankier alter Tradition. Über den modernen Bankmitarbeiter angelsächsischer Prägung sagte er: „Er weiß nicht nur alles, er weiß auch alles besser“.

Ludwig Poullain war einer der letzten Granden des deutschen Bankwesens. Der 1919 in Remscheid-Lüttringhausen geborene Westfale war von 1969 bis 1977 Vorstandsvorsitzender der WestLB und von 1967 bis 1972 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Respektiert und geachtet wurde er von fast allen – geliebt nicht. Seine deutlichen Worte sind legendär. Als sich Poullain im Juli 2004, längst im Ruhestand, bereit erklärt hatte, zur Verabschiedung des Vorstandsvorsitzenden der NordLB einen Vortrag über „Bank und Ethos“ zu halten, wurde sein Beitrag kurzfristig abgesetzt, nachdem der Redetext mit zahlreichen Spitzen gegen das deutschen Kreditwesen vorher bekannt geworden war und der Autor nicht bereit war, die kritischen Passagen zu ändern. Die ursprünglich für einen kleinen Kreis geschriebene Rede reichte Poullain dann bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein, wo der unzensierte Beitrag kurz darauf unter dem Titel „Ungehaltene Rede“ erschien. Die Wirkung war in der Folge natürlich umso größer.

Dabei sparte Ludwig Poullain auch nicht mit Kritik an sich selbst. Seinen unrühmlichen Abgang bei der WestLB kommentierte er einst so: "Das war die Torheit meines Lebens. Ich hatte mich meiner Handlungsfreiheit beraubt, weil ich angreifbar geworden war." Seit 1950 arbeitete er als Verbandsprüfer beim Rheinischen Sparkassen- und Giroverband, ab 1955 als Vorstandsmitglied bei der Stadtsparkasse Solingen, drei Jahre später wurde er Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Recklinghausen. Zur Gründung der "Westdeutschen Landesbank Girozentrale" mit Sitz in Düsseldorf und Münster übernahm er am 1. Januar 1969 das Steuer. Poullain war somit erster Vorstandsvorsitzender der WestLB. Und blieb es bis zu seinem Rücktritt Ende 1977. Es war „seine Bank“.

Vor seinem Abgang war in der Öffentlichkeit ein 1972 geschlossener Beratervertrag Poullains mit dem späteren WestLB-Kunden und Unternehmer Franz Josef Schmidt bekannt geworden, der in der Öffentlichkeit als skandalös empfunden wurde. Eine Million DM und später noch einmal hunderttausend DM hatte Poullain aus diesem Vertrag erhalten. Nachdem Schmidts Ratio-Gruppe in Schieflage geraten war, übernahm die WestLB Ende 1976 seine Schulden in Höhe von ca. 33 Millionen DM. Seine Kreditwürdigkeit war von Ludwig Pollain selbst geprüft und bestätigt worden. "Eines Tages saß er da mit einem Koffer voller Geld für meine Nebentätigkeit. Ich habe das Geld mitgenommen, eingezahlt und versteuert. Mein Vertrag erlaubte die Beratertätigkeit", so schilderte Poullain die damalige Affäre. Genutzt hat es ihm nichts, denn der Vorfall beendete seine aktive Karriere.

Dennoch hat sich  Poullain auch in seinen letzten Lebensjahren eingemischt und keine deutlichen Worte gescheut. Im September 2009 machte er vor Journalisten der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung (WPV NRW) in Düsseldorf seinem Unmut über den Zustand der WestLB und der Kreditwirtschaft im Allgemeinen mit vernichtenden Worten Luft. Obschon es Worte eines Altvorderen waren, der die nachrückende Generation belehrend abgewatscht hat, wird man seinen Mut zum Klartext vermissen.

 

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Artikel veröffentlicht am:
11.02.2015
Quelle(n):

Autor/in 
Von Stefan Hirschmann
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