Kulturförderung
Kunst und Kommerz
 

Rund 55.000 Werke umfasst die Kunstsammlung der Deutschen Bank. Damit zählt sie weltweit zu den größten und renommiertesten. Einige davon waren in der Öffentlichkeit noch nie zu sehen. Das soll sich ändern. Von 2018 an wird der Branchenprimus in Berlin im historischen Prinzessinnenpalais am Prachtboulevard Unter den Linden erstmals einen umfassenden Überblick über alle Aktivitäten in den Bereichen Kunst, Kultur und Sport geben.

Besonders repräsentativ wirken die beiden Porträts im Konferenzraum nicht. Auf dem einen hat Max Liebermann 1919 den Deutsche-Bank-Vorstand Paul Mankiewitz porträtiert, auf dem anderen 1899 den Künstler Lovis Corinth in Öl festgehalten. Eigentlich gilt der Fokus der Sammlung, die rund 55.000 Werke umfasst, zeitgenössischen Künstlern, zunächst waren es ausschließlich deutsche und seit 15 Jahren auch internationale. Doch als der Berliner Maler und Grafiker im Auftrag der Deutschen Bank zum Pinsel griff, passte Liebermann exakt zur Strategie.

In der Repräsentanz der Deutschen Bank an Berlins Vorzeigeboulevard Unter den Linden bekommen Kunden und Besucher einen ersten Vorgeschmack auf die Güte einer Firmensammlung, die weltweit zu den größten und renommiertesten zählt. Einen Teil davon zeigt das Institut seit 1997 in regelmäßig wechselnden Ausstellungen in seiner Kunsthalle, die im selben Gebäude ihren Sitz hat. Den kleinen, aber sehr feinen Ausstellungsraum betrieb der Branchenprimus bis 2012 in Kooperation mit dem renommierten New Yorker Guggenheim Museum. Seit fünf Jahren führt er ihn in Eigenregie. Doch schon bald wird der Marktführer nach seiner Filiale der Zukunft in der Friedrichstraße und einem neuen Bürokomplex an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg mit einem weiteren Landmark in der Hauptstadt Flagge zeigen.

Im Sommer 2018 soll die Kunsthalle in dem neuen Wahrzeichen aufgehen, das dann in unmittelbarer Nachbarschaft im historischen Prinzessinnenpalais eröffnet wird. Dessen Eigentümer, Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, hat die Vorzeige-Immobilie der Bank vermietet. Seit Frühjahr 2017 baut sie das Objekt nach ihren Vorstellungen um. Noch firmiert das Palais unter dem nicht gerade geschickt gewählten Arbeitstitel „Kulturforum“. Denn das gibt es bereits am Potsdamer Platz und besteht u. a. aus Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum, Philharmonie und Bibliotheken. „Im Prinzessinnenpalais werden wir unseren Mitarbeitern, Kunden und Besuchern erstmals einen umfassenden Überblick über all unsere Aktivitäten in den Bereichen Kunst, Kultur und Sport geben“, sagt Josephine Ackerman, stellvertretende Leiterin der Kunst-, Kultur- und Sportförderung der Deutschen Bank.

Nach einem Rekordverlust in 2015 und einem immer noch sehr hohen Fehlbetrag im vergangenen Jahr sowie der Ankündigung, 9.000 weitere Stellen weltweit abzubauen und rund 200 Filialen zu schließen, erscheint der Zeitpunkt für solch eine großzügige Geste heikel. „Wie jede betriebliche Entscheidung sollte auch Kunst- und Kulturförderung auf Basis einer Kosten- und Nutzenanalyse erfolgen“, unterstreicht etwa Dr. Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Dies scheint ihm vielfach nicht eingehalten zu werden. Im Vergleich zu Engagements von Firmen wie BMW und Daimler bestehe bei dem geplanten Kulturforum kein Bezug zum originären Geschäft. „Ein Anleger erwirbt jedoch Aktien mit Blick auf die eigentliche Geschäftstätigkeit des Unternehmens.“ (siehe auch Standpunkt) 

Die Verantwortlichen – Aufsichtsräte und Vorstände der Deutschen Bank – sehen das naturgemäß anders und denken offenbar bewusst antizyklisch (siehe Interview). Auch bei der krisengeschüttelten Commerzbank stehen die Signale in den branchenfremden Förderbereichen Wissenschaft, Kultur, Soziales und Sport weiterhin auf Grün. Die BNP Paribas, Eigentümerin der deutschen Direktbank Consors, gründete erst 2015 eine Stiftung. Für ihre kulturell-gesellschaftliche Image-offensive hat sich die Deutsche Bank nicht nur ein Filetstück unter den Hauptstadt-Immobilien ausgesucht, sondern auch eins mit viel Platz. 3.000 Quadratmeter stehen künftig für Ausstellungen ebenso wie Veranstaltungen rund um Kunst, Kultur und Sport sowie für Bildungsangebote zur Verfügung. Last but not least kann ein Bistro bis zu 140 Gäste, davon 90 im Außenbereich, bewirten. Wer für dessen Betrieb den Zuschlag bekommt, steht noch nicht fest. Doch man darf sich sicher sein, dass die Gastronomen heftig um den prestigeträchtigen Standort ringen. „Künftig können wir mit der Präsentation unserer Sammlungen und wechselnden Ausstellungen auf 900 Quadratmetern eine dreimal so große Fläche wie bislang bespielen. Wir werden jeweils etwa für elf Monate wechselnde Teile der Sammlung präsentieren – thematisch fokussiert – und vor allen Dingen ganz viel von den Werken zeigen, die noch nie in Deutschland zu sehen waren“, kündigt Svenja Gräfin von Reichenbach an, die die Deutsche Bank-Kunsthalle leitet. Zudem werde es „spannende Kooperationen“ mit anderen regionalen wie internationalen Museen und Ausstellungshallen geben, so die Kunstexpertin.

Bislang sind Teile der seit mehr als 30 Jahre bestehenden Sammlung als Dauerleihgaben in Museen, in Ausstellungen, aber vor allem an den weltweit 900 Deutsche-Bank-Standorten in 40 Ländern zu sehen, in den Lobbys, auf den Fluren, in den Büros der Mitarbeiter oder auch im neuen Q-Club, den die Bank für exklusive Veranstaltungen in ihrem „Quartier Zukunft“ in der Friedrichstraße Anfang 2017 gründete. Darunter finden sich Werke von renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Georg Baselitz, Neo Rauch, Hanne Darboven, Joseph Beuys oder Imi Knoebel. „95 Prozent der Sammlung sind damit sichtbar. In Museen ist dies genau umgekehrt. Dort lagert der weitaus größte Teil im Depot“, so von Reichenbach.

Die immer wieder gestellte Frage, wie viel der Kunstschatz wert sei, könne man nicht beantworten. Immerhin eine Annäherung: Mit einem dreistelligen Millionenbetrag steht der Versicherungswert in den Büchern. Die „atmende Sammlung“ verändert zudem immer wieder ihr Gesicht. Verkauft werden Werke, die nicht in die Richtung passen. Von manchen hochwertigen Editionen sind zudem oftmals mehrere Stücke erworben worden, von denen man sich in einigen Fällen auch wieder trennt. Der Erlös fließt dann in den Ankauf neuer Künstler. So viel Verkäuferglück wie die Commerzbank haben allerdings die wenigsten. Die ließ 2010 bei Sotheby’s in London ein Exemplar von Alberto Giacomettis Bronzeplastik „L‘Homme qui marche I“ versteigern. Die 182 Zentimeter hohe Skulptur stammte aus der Sammlung der übernommenen Dresdner Bank und war von dieser 1980 angekauft worden. Nach nur acht Minuten fiel der Hammer bei 65 Mio. GBP (damals etwa 74 Mio. €) und lag damit fünfmal höher als erwartet. Mehr Geld war bei einer Auktion noch nie für Kunst bezahlt worden. Der Erlös sollte den Stiftungen der Bank und denjenigen Museen zukommen, die mit Dauerleihgaben aus der einstigen Dresdner-Bank-Kollektion bedacht wurden.

Rund 74 Mio. € hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr für ihr gesamtes gesellschaftliches Engagement aufwenden können. Gut 16 Mio. € davon kommen der Kunst, der Kultur und dem Sport zugute, der Rest entfällt auf die Themen Soziales und Bildung. Trotz wirtschaftlicher Turbulenzen fiel diese Summe in den vergangenen Jahren in etwa gleich hoch aus und wird sich laut Ackerman auch 2017 nicht nennenswert ändern. Von solch üppigen Budgets können kleinere Institute natürlich nur träumen. Der Metzler-Stiftung etwa, 1998 von Privatbankier Friedrich von Metzler gegründet, stehen nach eigenen Angaben jährlich 300.000 bis 400.000 € zur Verfügung. Wichtigste Geldgeber sind neben dem Gründer persönlich auch das traditionsreiche Frankfurter Bankhaus sowie Privatpersonen und Unternehmen aus dem Bankumfeld ebenso wie andere Stiftungen. Im Fokus der Arbeit stehen Kinder und Jugendliche, deren Entwicklung insbesondere beim Erlernen der deutschen Sprache gefördert werden soll. Auch gilt das Augenmerk den sozialen Nöten von Familien.

 

 

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10/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
21.11.2017
Erschienen in Ausgabe:

10/2017

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Quelle(n):
Bildquelle: ©Deutsche Bank - Kunstsammlung
Autor/in 
Eli Hamacher
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