Ergebnisplausibilisierung nach MaRisk
Konvergenz in der Rechnungslegung
 

Gemäß den Anforderungen der MaRisk BTR 2.1.4 hat eine regelmäßige Plausibilisierung der Ergebnisse des Rechnungswesens mit denen des Risikocontrollings in Bezug auf die mit Marktpreisrisiken behafteten Positionen zu erfolgen. Dies ist deshalb besonders wichtig, weil das Rechnungswesen und das Risikocontrolling aufgrund unterschiedlicher Zielsetzungen in der Regel auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Das Risikocontrolling liefert betriebswirtschaftliche Ergebnisse auf Basis einer Marktbewertung oder marktnahen Bewertung, während die Ergebnisse des Rechnungswesens nach den teilweise davon abweichenden jeweils zugrunde liegenden nationalen oder internationalen Regelwerken ermittelt werden. Bei kapitalmarktorientierten Instituten sind die IFRS das für die Rechnungslegung maßgebende Regelwerk. Weitere Ursachen für die abweichenden Ergebnisse können prozessualer oder (daten)technischer Natur sein. Resultierende Unterschiede sind zu plausibilisieren, das heißt zu erläutern und hinsichtlich möglicher Fehlsteuerungsimpulse zu analysieren.


Die BayernLB hat diese Anforderung zum Anlass genommen, um ein tieferes Verständnis ihrer erwirtschafteten Ergebnisse zu erhalten. Dazu wurde im Sommer 2010 ein Projekt aufgesetzt, das die Weiterentwicklung der bisher bestehenden Plausibilisierung/Überleitungsrechnung im Sinne einer Erhöhung der Qualität, Transparenz, Granularität und Effizienz zum Ziel hatte. Neben der Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen standen dabei insbesondere auch die Schaffung von Transparenz in der Ergebnisentwicklung, das heißt das Herausarbeiten von wesentlichen Ergebnistreibern und damit verbunden die Generierung von Steuerungsimpulsen im Vordergrund.


Bestimmung der Ausgangsbasis für die Plausibilisierung

Zunächst war die „Ergebniswelt“ zu bestimmen, welche die Ausgangsbasis der Plausibilisierung darstellt. Bei der Bank wurde die interne Ergebnisrechnung (Performance) als Ausgangsgröße gewählt. Dadurch konnten auch Ergebnisse aus Marktrisikopositionen gut von denen aus anderen Risikopositionen abgegrenzt werden. Bei der Bank sind sämtliche Ergebnisse aus Marktrisikopositionen Gegenstand eines täglichen internen Reportings. Ausgehend von den Ergebnissen dieses Reportings war somit die Vollständigkeit der zu plausibilisierenden Ergebnisse sichergestellt. Die Plausibilisierung umfasst sowohl Handels- als auch Nichthandelsbestände.


Nach MaRisk ist die Ergebnisplausibilisierung gemäß Abschnitt BTR 2.1 unter Einbeziehung der Gruppengesellschaften durchzuführen (vgl. Abschnitt AT 4.5, Tz. 5 MaRisk). Dementsprechend wurden auch die Ergebnisse der relevanten Gruppengesellschaften mit in das Projekt einbezogen, wobei eine Abgrenzung unter Wesentlichkeitsgesichtspunkten vorgenommen wurde.


Meilensteine

Grobplanung GesamtvorhabenDas Projekt ist in zwei Abschnitte gegliedert (GRAFIK 1). Im ersten Abschnitt (Phase I) wurden insbesondere die bestehenden Ursachen für Ergebnisabweichungen systematisch aufgenommen und die Datenbestände und Ergebnisse auf Einzelgeschäftsbasis abgeglichen. In einem nächsten Schritt wurden die Abweichungen tiefer analysiert, indem die Ursachen auf Einzelgeschäftsbasis quantifiziert und validiert wurden. Organisatorisch wurden diese Aktivitäten in verschiedene Arbeitspakete unterteilt, die mit einzelnen Geschäftsfeldern der Bank korrespondieren. Dieser Projektabschnitt wurde termingerecht zum Ende des dritten Quartals 2010 abgeschlossen.


Im zweiten Abschnitt (Phase II und Phase III), der überwiegend in das Jahr 2011 fällt, werden die Aktivitäten aus Phase I weitestmöglich automatisiert: Dies bedeutet, dass die Datenlieferungen für den Plausibilisierungsprozess optimiert werden und dass die bisher auf Excel- oder Access-Basis vorgenommenen Abgleiche und Analysen auf eine zentrale Plattform überführt werden. Daneben wird das Plausibilisierungs-Reporting automatisiert.


Organisatorische Aspekte des Plausibilisierungsprozesses

Die Plausibilisierungsrechnung wird monatlich, mindestens jedoch quartalsweise, erstellt. Daneben ist ein wesentliches Steuerungselement im Rahmen der Plausibilisierungsrechnung der vorgesehene Eskalationsprozess. Dieser dient als Warninstrument für den Fall des Überschreitens des Niveaus der unerklärten Abweichungen zwischen Performance-Rechnung und externer GuV. Hierzu wird je Plausibilisierungsbereich der Betrag der unerklärten Abweichung ins Verhältnis zur erzielten Marktrisikoperformance gesetzt.


Als Zielwert ist eine prozentuale maximale unerklärte bzw. nicht quantifizierbare Abweichung definiert. Der Eskalationsprozess greift, wenn für einen Plausibilisierungsbereich in einem Quartal/Monat eine bestimmte Prozentgrenze überschritten wird oder wenn in mehr als zwei aufeinander folgenden Quartalen/Monaten eine entsprechend geringere Prozentgrenze überschritten wird. Zusätzlich ist eine maximal akzeptable absolute Betragsgrenze der unerklärten Abweichungen festgelegt.


Bei Überschreiten der vorgenannten Schwellen sind bankintern konkrete Maßnahmen definiert, um eine Rückführung innerhalb der festgelegten Toleranzgrenzen sicherzustellen.


Fachliche Aspekte des Plausibilisierungsprozesses

Der Anspruch im Rahmen des Projekts war eine möglichst durchgängige Plausibilisierung der Ergebnisse auf Einzelgeschäftsbasis. Dies erforderte zunächst neben einer Analyse der fachlich begründeten Abweichungen bei der Ergebnisermittlung auch eine Unterteilung dieser Abweichungen in solche, die auf Einzelgeschäftsbasis gebucht bzw. erfasst werden und solche, die auf höheren Aggregationsstufen erfasst werden (zum Beispiel Bewertungsabschläge auf Positionen einzelner Kontrahenten, die in Gesamtsumme über alle Positionen mit diesem Kontrahenten ermittelt werden).


Abweichungen bei der ErgebnisermittlungDer Großteil der identifizierten Abweichungen lässt sich dabei auf Einzelgeschäftsebene quantifizieren. (GRAFIK 2) stellt identifizierte Abweichungen im Überblick dar (nicht abschließend).



Prozessuale Aspekte

In prozessualer Hinsicht waren im Rahmen des Projekts zunächst die Liefersysteme für die internen und externen Ergebnisse der in die Plausibilisierung einbezogenen Geschäfte zu identifizieren. Dies waren für das interne Ergebnis verschiedene Systeme mit uneinheitlichen Datenstrukturen. Für das externe Ergebnis konnten die Daten über ein zentrales Datawarehouse bezogen werden, das sich aus den jeweiligen bestandsführenden Systemen der verschiedenen Produktarten speist.


In einem ersten Schritt wurden die gelieferten Daten auf ihre Vollständigkeit überprüft. Dies erfolgte für das interne Ergebnis durch Aggregation auf Handelsbuchebene und Abstimmung mit den tatsächlich für diese Bücher zum Stichtag reporteten Ergebnissen. Für das externe Ergebnis wurde das Ergebnis der gelieferten Einzelgeschäftsdaten mit der kurzfristigen Erfolgsrechnung abgestimmt.


In einem nächsten Schritt wurde die Datenbasis sowohl für das interne als auch für das externe Ergebnis an verschiedenen Stellen um zusätzliche Informationen ergänzt, um die internen und externen Ergebniskomponenten für alle Datensätze jeweils dem richtigen Geschäft zuordnen zu können. Zudem wurden dem Datenbestand Identifizierungskriterien hinzugespielt, um für das interne Ergebnis eine durchgängige Unterscheidung zwischen internen (für die Plausibilisierung nicht relevanten Geschäften) und externen Geschäften vornehmen zu können.


Schließlich wurde in einem weiteren Schritt eine einheitliche Aggregationsebene hergestellt. So waren beispielsweise die externen Ergebnisse auf Ebene von Einzelbuchungen angeliefert worden, die zunächst auf das Gesamtergebnis für das einzelne Geschäft aggregiert werden mussten.


Nach Durchführung der jeweiligen Vorarbeiten wurden das interne und das externe Ergebnis auf Einzelgeschäftsebene gegenübergestellt. Dabei wurden verschiedene Plausibilisierungsteilbereiche gebildet (z.B. kundeninduzierter Flowhandel und ABS-Portfolio). Dies war zum einen wegen der organisatorischen Gliederung des Geschäfts der Bank sinnvoll, zum anderen aber auch für die weitere Prozessierung sehr hilfreich, da sich Abweichungen so besser systematisch analysieren ließen. Beispielsweise beinhalteten einzelne Teilbereiche ausschließlich bilanzielle Handelsbestände, was die Abweichungen der Ergebnisse in diesen Teilbereichen stark reduzierte. In anderen Teilbereichen waren vorwiegend bilanziell als LaR (Loans and Receivables)-Bestände geführte Positionen enthalten, was die wesentlichen Abweichungsursachen klar definierte.


Weitere Erkenntnisse

Ein wichtiges Ziel der Plausibilisierung war das Herausarbeiten von wesentlichen Ergebnistreibern und damit verbunden die Generierung von Steuerungsimpulsen. Konkret sind für die Bank jetzt insbesondere auch Ergebnisse aus Währungseinflüssen transparenter, da diese unmittelbar im Überblick einzelnen Handelseinheiten und den unterschiedlichen methodischen Ursachen zugeordnet werden können.


Das Ergebnis der Plausibilisierung kann auch zu Steuerungsüberlegungen in Bezug auf das zukünftige externe Ergebnis herangezogen werden. So ist beispielsweise der Effekt, der sich im stillen Ergebnis zeigt, nichts anderes als zukünftig anfallende Erfolge im Rahmen der Rechnungslegung. Da diese Informationen nun auf Einzelgeschäftsebene mit den jeweiligen Fälligkeitsterminen vorliegen, kann die zukünftige Materialisierung dieser Effekte in der externen GuV für einzelne Folgeperioden leicht ausgewertet werden.


Weiterhin ist das Ausmaß der Ergebnisbeeinflussung der (internen) Performance­rechnung aus internen Geschäften durch das Projekt erheblich transparenter geworden. Diese neue Transparenz kann als signifikanter Baustein für eine bankweite Abstimmung der internen Geschäfte genutzt werden.


Schließlich ergeben sich weitere Steuerungsmöglichkeiten dadurch, dass das erwirtschaftete externe Ergebnis nun auch auf Ebene einzelner Geschäftsfelder des Handels transparent gemacht wird. Dies kann beispielsweise zur Unterstützung der strategischen Steuerung für bestimmte Portfolien dienen.


Insgesamt ergab sich für die Bank ein deutlicher Transparenz- und Informationsgewinn aus dem Projekt. Um diesen Vorteil für eine proaktive Banksteuerung nachhaltig zu sichern und zukünftig eine noch effizientere und zeitnähere Verfügbarkeit zu gewährleisten, ist die BayernLB derzeit dabei, den Plausibilisierungsprozess für die Zukunft durch Einsatz einer geeigneten IT-Plattform noch stärker zu automatisieren.

Jürgen App ist Director Financial Services bei BearingPoint, Frankfurt/Main. Maximilian Jakob ist Abteilungsleiter Group Controlling bei der BayernLB, München.

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
25.05.2011
Erschienen in Ausgabe:
06/2011
Autor/in 
Jürgen App, Maximilian Jakob
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