Kapitalmarkt
Konjunktur? EZB? EWU-Vertiefung!

Die EWU-Wirtschaft wächst seit drei Jahren schneller als das Produktionspotenzial. Und ein Ende dieser ungewöhnlich langen Phase ist nicht in Sicht (siehe Grafik). Dies legen laut einer Analyse des Bankhaus Lampe wichtige Stimmungsindikatoren nahe. Angesichts bestehender Risiken, die von sinkenden Realeinkommen, der Geopolitik, fehlenden Strukturreformen, der unberechenbaren US-Politik und vom fragilen Bankensektor ausgehen, erstaunt dies. Hier bestätigt sich, dass Risiken mit einer ultraexpansiven Geldpolitik überdeckt sind und überdies Impulse gesetzt werden können. Die besser laufende Weltwirtschaft und unterausgelastete Kapazitäten in einigen Mitgliedstaaten kommen hinzu, sie steigern die Investitionstätigkeit. Infolge dürfte die EWU-Arbeitslosenquote weiter sinken und ihren 10-Jahres-Vorkrisendurchschnitt von 8,8 Prozent noch 2017 erreichen. Die Arbeitsmarktlage mehrerer Staaten bleibt jedoch schwierig: Vor allem ist die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich, Italien, Spanien und einigen kleineren Ländern noch hoch. Einen Lichtblick liefert die geplante Arbeitsmarktreform von Emmanuel Macron.

Auf dem Rücken der anhaltend guten Konjunktur wird die EZB jedoch ihre Wertpapierkäufe 2018 langsam zurückfahren. Eigenen Verlautbarungen zufolge wird die EZB ihr zwei Prozent-Preisziel bis 2020 nicht erreichen. Ihrer Logik folgend müsste sie ihre Wertpapierkäufe daher ausweiten. Da sie aber etwa Mitte 2018 die rechtlich bindende 33 Prozent-Grenze für maximal erwerbbare Staatspapiere eines Emittenten bei einigen Mitgliedstaaten erreichen dürfte, erwarten wir trotz ihrer zurzeit zögernden Haltung vor einer Kaufreduktion, dass sie ihre Käufe mit dem Verweis auf die guten Konjunkturperspektiven bis Ende 2018 behutsam auf null senken wird. Stiegen die Kapitalmarktzinsen durch ihren Ausstieg an, kehrte die ungelöste Staatsschuldenkrise aber wohl nicht zurück. Vielmehr werden die Staatshaushalte aus unserer Sicht noch einige Jahre von einer sinkenden Durchschnittsverzinsung profitieren, sie sind zudem weniger krisenanfällig geworden.

Allerdings: In einer neuen Krise sind die EZB-Mittel unseres Erachtens beschränkt. Auch deshalb dürfte die Vertiefung der Währungsunion nach der Bundestagswahl am 24. September auf die Politikagenda rücken. Mangels einer durchsetzbaren strengen Haushaltskonsolidierung werden die Staaten dabei wohl dem Risiko neuer Verwerfungen ab 2018/19 mit Eurobonds vorbeugen. Zur Stärkung Frankreichs zeichnet sich dies politisch bereits ab. Alles Weitere ist offen. Wir bevorzugen integrative Schritte zur Stärkung der inneren Sicherheit sowie ein Zuwanderungsgesetz. Eines EWU-Finanzministers bedarf es nicht, solange dieser auf die nationalen Staatshaushalte nicht final einwirken und Fehlverhalten nicht sanktionieren kann.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
26.09.2017
Quelle(n):

Textquelle: Bankhaus Lampe

Artikelbild: © Sunny studio - Fotolia.com

Autor/in 
Redaktion die bank
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