USA nach den Midterm-Wahlen
Konfrontationskurs könnte sich verschärfen
 

Bei den Midterm-Wahlen, den Halbzeitwahlen in der Mitte der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen. Die Republikaner konnten hingegen ihre Vormachstellung im Senat halten. Finanzexperten kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen der Wahlen für die USA und den Rest der Welt.

Die neu errungene Mehrheit der Demokraten im US-Repräsentantenhaus werde die Situation in den USA nicht entscheidend verändern, erklärt Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute in Bad Homburg: „Das Wahlergebnis zementiert nur die politische und gesellschaftliche Spaltung des Landes und wird den Konfrontationskurs des Präsidenten weiter verschärfen.“ Diese extreme Polarisierung führe dazu, dass die USA auch weiterhin als ‚Un-United States of America‘ (U-USA) wahrgenommen werden. Dies sei inzwischen ein strategischer Störfaktor, der sowohl die Weltwirtschaft als auch das globale Koordinatensystem untergrabe. „Für die weltweiten Kapitalmärkte bleibt das Problem der U-USA auch weiterhin ein sehr zentraler Risikofaktor“, betont Rapp.

„Dass die Demokraten nun die politische Agenda von Donald Trump stärker kontrollieren können, bringt das Land nicht voran, sondern verstärkt nur dessen politische Spaltung“, erklärt Rapp. Auch die theoretische Möglichkeit eines Impeachment-Verfahrens würde an den skizzierten Problemen nur wenig ändern und sei vorerst wenig realistisch. Für Investoren sei die politische Situation in den USA mit einer stark erhöhte strategischen Unsicherheit verbunden: „Wir haben es hier mit einer neuen Dimension von Risiken zu tun, die mit herkömmlichen Methoden kaum zu prognostizieren sind“, warnt Rapp.

Republikanern wird mehr Wirtschaftskompetenz zugetraut

Unterdessen geht der Chefvolkswirt der Targobank in Düsseldorf, Otmar Lang, davon aus, dass der Ausgang der Wahlen für die Kapitalmärkte eine gute Nachricht sei. Dass der US-Präsident weiterhin seine republikanischen Impulse setzen könne, dabei aber etwas mehr Gegenwind von den Demokraten im Repräsentantenhaus bekomme, könnte sich „als optimale Konstellation für die Märkte“ herausstellen. Grundsätzlich trauten die Börsen den Republikanern mehr Wirtschaftskompetenz zu als den Demokraten. Doch Trump habe es durch seine aggressive Vorgehensweise geschafft, diesen Bonus zu verspielen: „So sehr die Märkte republikanische Politik grundsätzlich zu schätzen wissen, so wenig mögen sie Unsicherheit und Instabilität“, betont Lang. 

Vor allem ausländische Investoren dürften erfreut sein, dass Trump in der neuen politischen Konstellation bei vielen seiner Vorhaben leichter einzubremsen sei: „Schließlich plant er die Regulierung der Finanzmärkte zurückzufahren, die Mittel zur Förderung erneuerbarer Energien zu kürzen und die Sozialausgaben zu senken – und das geht vielen Investoren zu weit“, erklärt Lang.

Trotz der positiven Effekte für die Börsen bedeute der Wahlausgang allerdings nicht, dass dem US-Aktienmarkt noch einmal eine Phase des Aufschwungs bevorstehe. Denn die republikanische Regierung hätte ihr Pulver mit Inkrafttreten der Steuerreform bereits weitgehend verschossen. Um das geplante milliardenschwere Infrastrukturprogramm sei es aufgrund des sich abzeichnenden höheren Staatsdefizites inzwischen sehr ruhig geworden, führt Issing aus. Auch hätten die Steuersenkungen nicht den Erfolg gebracht, den man sich erhofft habe. Die US-Investitionen seien kaum angesprungen. Die US-Unternehmen hätten es vorgezogen, mit den Steuergeschenken eigene Aktien zurückzukaufen, anstatt Investitionen zu tätigen, die Wachstumsschübe hätten auslösen können, resümiert Lang.

Handelspolitik bleibt die große Unbekannte

Für die liechtensteinische VP Bank AG mit Sitz in der Hauptstadt Vaduz bleibt die Handelspolitik nach den Wahlen die große Unbekannte. Zu vermuten sei, dass Trump nun versöhnlichere Töne anschlagen werde, teilte der Sprecher der Bank, Rudolf Seuhs mit. Nicht alle Republikaner würden die aggressive Politik des Präsidenten gegenüber den Handelspartnern teilen. Interne Kritiker könnten ihre Stimme lauter erheben. Andererseits gebe es aber gerade auch auf Seiten der Demokraten Befürworter einer protektionistischen Handelspolitik.

Frank Häusler, Leiter für makroökonomisches und Cross-Asset-Research bei der Zürcher Bank Vontobel, erwartet keine Änderungen der Handels- und Steuerpolitik des US-Präsidenten. Zwar könne das von den Demokraten dominierte Repräsentantenhaus Trumps Initiativen Steine in den Weg legen. Es habe aber nicht die Macht, seine Politik komplett umzukehren. Genauso wenig könne erwartet werden, dass die fortschreitende Deregulierung gestoppt werden können: „Bei einzelnen Punkten, wie der Forderung nach einer weiteren Marktöffnung in China oder weiteren Steuersenkungen, herrscht zwischen Demokraten und Republikanern durchaus Einigkeit“, sagt Häusler. Die Wachstums- und Inflationsaussichten für die USA und die Weltwirtschaft blieben unverändert. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
07.11.2018
Quelle(n):
Bildquelle: ©zrfphoto | istockphoto.com
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Redaktion die bank
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