Finanzsektor
KI wird zum Wettbewerbsvorteil
 

Banken nutzen zunehmend die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI). Geschäftsprozesse werden automatisiert, aus global publizierten Firmen- und Kundennachrichten können präzise die wesentlichen Erkenntnisse herausdestilliert werden. Auch im Risikobereich kommt KI zum Einsatz.

Immer mehr Wirtschaftszweige entdecken Künstliche Intelligenz (KI) als potenziellen Wachstumsmotor. Auch Firmen aus der Finanzbranche greifen seit Jahren auf Technologien der KI zurück. Vor allem Banken realisieren den ökonomischen Nutzen der technischen Möglichkeiten. Die Institute werten zum Beispiel vorhandene Daten aus und gewinnen hierdurch neue Erkenntnisse. Ferner optimieren die Geldhäuser mittels KI die Kundenerfahrung (Customer Experience) und automatisieren Geschäftsprozesse, die in der Vergangenheit nur manuell durchführbar waren.

Bei KI-Anwendungen handelt es sich um Systeme, die letztlich auf Daten beruhen. Ändert sich diese Datenbasis, kommt es auch einer Änderung des Verhaltens des KI-Systems, erläuterte Dr. Jürgen Rahmel. Der Chief Digital Manager der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt AG in Düsseldorf, dem Deutschlandableger der britischen Bank HSBC, sprach am Mittwoch auf dem vierten FinnoDay. Mehr als 100 Vertreter aus Finanzen und Wirtschaft kamen zu dem Expertenforum des Spezialberatungshauses Solit Finance in die Domäne Walberberg nach Bornheim und informierten sich über Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von KI in der Finanzwirtschaft. 

Chatbots programmieren

Ein KI-System ist meistens nur so intelligent, wie die zugrunde liegende Datenbasis es zulässt. So richtig intelligent ist das System laut Rahmel erst dann, wenn es Dinge zu leisten vermag, für die es ursprünglich gar programmiert worden war – wenn es sich also autonom weiterentwickelt. Rahmel weiß, wovon er spricht. Vor mehr als 20 Jahren promovierte er an der Universität Kaiserslautern zu KI und neuronalen Netzen. Nach Stationen bei der Deutschen Bank und der DWP Bank kam er schließlich zur HSBC in Hongkong, wo er die Mitarbeiter fit machte für die vielen Anwendungsmöglichkeiten von KI. So mussten die Banker etwa lernen, wie man kleine Sprachroboter, sogenannte Chatbots, programmiert.

Im Zeitalter der Data-Economy ist die Fähigkeit, Daten in verwertbare Informationen umzuwandeln, ein enormer Wettbewerbsvorteil. Texte, die etwa in Form von Artikeln oder Social-Media- Kanälen vorliegen, enthalten oft wertvolle Aussagen. Kein Geschäftsführer oder CEO einer Bank ist jedoch in der Lage, täglich über sämtliche, auf der ganzen Welt publizierten Firmen- und Kundennachrichten Bescheid zu wissen. Mit KI können hingegen schnell und präzise die wesentlichen nachrichtlichen Erkenntnisse aus dem Datenwust herausdestilliert werden, führte Rahmel aus. 

Input zur Entscheidungsfindung

KI kommt auch im Risikobereich einer Bank zum Einsatz – etwa wenn es darum geht, früh über die finanzielle Schieflage eines Unternehmenskunden in Kenntnis gesetzt zu werden. Basis hierfür ist die KI-basierte Nachrichtenauswertung. Rahmel zeigte allerdings nicht nur, wo sich KI bereits einsetzen lässt, sondern auch welche Schwierigkeiten bestehen. So räumte er mit der Vorstellung auf, dass eine KI alle Probleme lösen könne. Sie ist vielmehr nützlich, um Menschen bei vielen Tätigkeiten zu unterstützen und ihnen wertvollen Input zur Entscheidungsfindung zu liefern.

Welche Unterstützung im Detail KI bietet, konkretisierte ein weiterer Vortrag. Wiebke Merbeth, Director Institutional & Corporate Business bei der HSBC in Düsseldorf, schilderte, welche Vielzahl von Informationen aufgrund von EU-Vorgaben bei Investitionen berücksichtigt werden müssen. Diese Datenmengen sind aus ihrer Sicht mit KI besser zu managen. Doch auch bei ihrem Beitrag wurde deutlich: Die KI agiert nicht autark und eigenmächtig, sondern hilft den Menschen, mithilfe zahlreicher Informationen bessere Entscheidungen zu treffen. 

Auf moralische Aspekte von KI ging der Theologe Dr. Michael Waltemathe in seinem Vortag ein. Waltemathe, der einen Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum innehat, fand in einer Studie heraus, dass viele Menschen zwar Bedenken bezüglich neuer Techniken haben, wenige jedoch auch konkretes Wissen über diese besitzen. Er hinterfragte, welche ethischen Aspekte einer KI implementiert werden müssen, damit sie moralische Entscheidungen treffen kann – und wie dieser Wertekatalog erstellt wird.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
14.03.2019
Quelle(n):
Bildquelle: iLexx | istockphoto.com
Autor/in 
Dogan Michael Ulusoy
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