Interview
Kapital mit Hebelwirkung
 

Die Digitalisierung und das Internet verändern nachhaltig das Bankgeschäft von morgen und bringen einen Paradigmenwechsel in der strategischen Ausrichtung von klassischen Kreditinstituten mit sich. Eine rasant wachsende Anzahl von Internet-Start-Ups im Finanzdienstleistungsbereich (FinTechs) arbeitet an dem Versuch, mit modernen Technologien und neuen Geschäftsmodellen die Regeln des Bankensektors zu verändern. Dadurch entsteht ein völlig neues Wettbewerbsumfeld. Über diese strategische Zukunftsaufgabe sprach unsere Redaktion mit FinTech-Experte Christian Hoppe von der Commerzbank.

die bank: Herr Hoppe, benötigen in erster Linie die Banken eine bunte und schillernde FinTech-Start-Up-Szene für das Fortschreiben der eigenen Erfolgsgeschichte oder kommen auch Start-Ups zwangsläufig um neue Kooperationen mit der klassischen Finanzwelt nicht herum? Wer braucht eigentlich wen mehr?

Hoppe: FinTech-Start-Ups brauchen Kunden, Know-how und auch Kapital. Hier können wir die Start-Ups mit dem Zugang zu fast
15 Millionen Privat- sowie einer Million Geschäfts- und Firmenkunden der Commerzbank sowie fundiertem Banking-Know-how unterstützen. Vor allem für Start-Ups mit B2B-Fokus stellt der Zugang zu Geschäfts- und Firmenkunden einen absoluten Mehrwert dar. Denn die Kundenakquise ist insbesondere im B2B-Bereich kostenintensiv und – besonders als junges Unternehmen ohne nennenswerten Track-Record – zeitaufwändig. Gleichzeitig ist es für die Commerzbank ein Mehrwert, über die Zusammenarbeit mit agilen Start-Ups Innovationen innerhalb der Bank vorantreiben zu können. Durch die Verbindung der Agilität eines Start-Ups mit dem Know-how und der Vertriebskraft eines gestandenen Unternehmens ergibt sich eine echte Win-Win-Situation. Und der Main Incubator ist hier der Katalysator, der dies möglich macht.

die bank: Die in diesem Frühjahr von der Commerzbank initiierte Main Incubator GmbH (kurz Main Incubator) sieht sich als die Nummer 1 für Visionäre im Banking. Ist dieser Anspruch nicht etwas zu hoch gegriffen, angesichts des Umstands, dass vor allem internationale Wagniskapitalgeber und Investoren die nächste Generation an Finanzdienstleistern längst als neues Spielfeld entdeckt haben und Deutschland hier eher als Nachzügler gilt?

Hoppe: Tatsächlich ist die Londoner FinTech-Start-Ups-Szene mit ihren zahlreichen Venture Capital-Gebern der deutschen voraus. Was wirksames Kapital aber tatsächlich auszeichnet, ist ein strategisch und operativ wirkendes Kapital – also Kapital mit Hebelwirkung. Und das ist ja genau das, was wir den jungen Firmen bieten: Kundenzugang, Banking-Know-how, Netzwerk, Infrastruktur. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Wir verschließen uns aber nicht vor den klassischen Venture Capital-Gebern. Je nach Situation ist auch ein Co-Investment sehr sinnvoll, um ein Start-Up in seinem Wachstum zu stützen. Und das ist ganz aktuell ja auch bei unserem ersten Investment in ein junges FinTech-Unternehmen geschehen. Gemeinsam mit der Darmstädter Software AG waren wir als Lead Investor an der Serie-B-Finanzierungsrunde der Traxpay AG beteiligt. Das Gesamtinvestitionsvolumen dieser Runde betrug 15 Mio. US-$. Zu der Finanzierungsrunde gehörte auch ein Finanzierungskonsortium, unter anderem mit Earlybird Venture Capital. Traxpay hat eine richtungsweisende B2B Dynamic Payments-Plattform entwickelt, die es Unternehmen ermöglicht, zu jeder Zeit global auf alle transaktionsrelevanten Daten zuzugreifen. Traxpay ist übrigens in Frankfurt ansässig. Und das verdeutlicht doch sehr gut, dass Banking-Innovationen in Deutschland entwickelt und hier auch finanziert werden.

die bank: Sie möchten laut eigenem Bekunden den Wandel der
Finanzdienstleistungsbranche dadurch mitgestalten, indem Sie bahnbrechenden Ideen, kreativen Konzepten und innovativen Lösungen finanziell und logistisch unter die Arme greifen. Können Sie kurz skizzieren, was Sie konkret darunter verstehen?

Hoppe: Wir bieten Zugang zu den Commerzbank-Kunden und Beteiligungskapital. Damit verkürzen wir die Time-to-market für die Start-Ups. Weiterhin stellen wir Büroräume direkt auf unserer Etage in Frankfurt-Bockenheim und eine IT-Infrastruktur zur Verfügung. Diese Nähe hat den Vorteil, dass Start-Ups sich mit uns und untereinander sofort austauschen können und damit Probleme schneller lösen können – oder überhaupt erst erkennen, dass diese in ein oder zwei Jahren auf sie zukommen können. Durch diesen Know-how-Transfer beschleunigen wir ebenfalls die Entwicklung der jungen Unternehmen.

die bank: Sieht sich der Main Incubator eher als unabhängige Adresse, der die Gründer für die Erschließung des Welt- oder Heimatmarktes ausrüstet, oder verfolgen Sie eine spezifisch eigenständige Innovations- und Wachstumsagenda mit Blick auf die künftige interne Entwicklung der Commerzbank?

Hoppe: Die Commerzbank ist mit einem eigenen FinTech-Inkubator der First Mover und zeigt somit ein hohes Maß an Innovationsbereitschaft. Wir unterstützen die Bank also in ihrem Wandel, indem wir FinTech-Start-Ups ermöglichen, ihre innovativen Produkte und Lösungen in die Bank einzubringen oder den Kunden der Bank zur Verfügung zu stellen. Was den Punkt „unabhängige Adresse“ angeht, so haben wir durch die rechtliche Struktur als Tochtergesellschaft alle Möglichkeiten eines kleinen, schnellen Unternehmens. Darüber hinaus können wir aber auch die positiven Eigenschaften eines Großkonzerns nutzen, um so die Start-Ups zu unterstützen. Wir nutzen die Vorteile beider Welten. Daneben sind wir generell an einer Stärkung der FinTech-Szene interessiert und arbeiten deshalb an der Etablierung Frankfurts als Herz des kontinentaleuropäischen FinTech-Ökosystems. Die Plattform, über die wir dies erreichen wollen, ist unsere im Oktober gestartete Initiative „Between the Towers. FinTechCity Frankfurt“. (...)

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
10.12.2014
Erschienen in Ausgabe:
12/2014
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Quelle(n):

Autor/in 
Lothar Lochmaier
Lothar Lochmaier ist redaktioneller Mitarbeiter der Zeitschrift "die bank"
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