Top 100 der deutschen Kreditwirtschaft 2010
Jahr der Positionswechsel
 

Das Duo der Frankfurter Großbanken führt das Ranking der größten deutschen Kreditinstitute mit deutlichem Abstand an. Branchenprimus Deutsche Bank weist eine Bilanzsumme von rund 1.500 Mrd Euro aus. Die Commerzbank hat durch die Übernahme der Dresdner Bank das Geschäftsvolumen deutlich ausgeweitet und die zweite Position gefestigt. Ein Blick auf die Gesamtbranche zeigt für das Jahr 2009 zahlreiche Positionswechsel unter den Top 100.

Traditionell nimmt die Deutsche Bank den Spitzenrang in der deutschen Kreditwirtschaft ein. Sie hat ihre herausragende Position im laufenden Jahr durch die Übernahme von Sal. Oppenheim sogar noch gestärkt. Ein weiterer kräftiger Impuls erfolgt dann, wenn die Deutsche Postbank vollständig übernommen wird, die unter den Top 100 der heimischen Kreditwirtschaft mit einer Bilanzsumme von rund 227 Mrd Euro aktuell Position 11 belegt.
Unangefochtene Nummer 2 unter den deutschen Finanzkonzernen ist die Commerzbank, die ihr Geschäftsvolumen durch die Übernahme der Dresdner Bank 2009 markant ausgeweitet hat. Die Bilanzsumme der neu formierten Großbank ist mehr als doppelt so hoch wie die der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf Rang 3.

Finanzkrise hinterlässt Spuren
Bei der Trendanalyse für das vergangene Jahr fällt auf, dass zahlreiche Institute im Ranking deutlich abgerutscht sind, weil ihre Bilanzsumme erheblich geschrumpft ist — die Finanzkrise hinterlässt ihre Spuren. Auch für 2010 sind etliche Positionswechsel programmiert, denn die Europäische Kommission hat die Genehmigung staatlicher Hilfen für angeschlagene Banken an strukturelle Anpassungen geknüpft wie etwa die Trennung von Geschäftsfeldern oder die Veräußerung von Tochtergesellschaften. Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) prognostiziert angesichts der Restrukturierungsanforderungen große Umwälzungen in der deutschen Finanzwirtschaft. Einer aktuellen PwC-Studie zufolge müssen sich Kreditinstitute, die staatliche Beihilfen erhalten haben, in den kommenden Jahren von Beteiligungen mit einer Bilanzsumme von insgesamt 972 Mrd Euro trennen.
Betroffen sind nicht zuletzt die Landesbanken. Diese haben zusammen mit den Großbanken während der vergangenen Jahrzehnte das Feld der Top 20 Kreditinstitute dominiert. Angeführt wird die Gruppe der Landesbanken von der LBBW (Rang 3). Auf den Plätzen 8 bis 10 folgen die Bayerische Landesbank, die WestLB und die NordLB. Doch dies ist eine Momentaufnahme. Als Folge der aktuellen Krise wird sich die Struktur im öffentlich-rechtlichen Bankensektor grundlegend verändern.


Agile Spezialisten
Im Aufwärtstrend blieben 2009 namhafte Spezialinstitute. So setzte die ING-DiBa ihr Wachstum (+ 7,1 %) fort und stieg in die Top 20 auf. Vor zehn Jahren belegte die Bank erst den 97. Rang. In der Überholspur befinden sich auch die auf Financial Services fokussierten Töchter der drei großen deutschen Automobilkonzerne. Deren Finanzierungsgeschäft hat eine jahrzehntelange Tradition. Bereits 1949 gründete VW eine eigene Finanzsparte. Anfang der siebziger Jahre folgte dann BMW und 1979 Daimler-Benz. Die Volkswagen Bank liegt inzwischen auf Position 37 der Top 100. Sieben Plätze dahinter rangiert die Mercedes-Benz Bank.
Ein großer Sprung nach vorn gelang der Santander Consumer Bank, die auf die Absatzfinanzierung von Kraftfahrzeugen und Konsumgütern spezialisiert ist. Mit der Übernahme des Konsumentenkreditgeschäfts der Royal Bank of Scotland und der Fusion mit der GE Money Bank baute Santander seine Wettbewerbsposition weiter aus. Zwischen 2007 und 2009 schnellte die Bilanzsumme um fast 60 % in die Höhe, und in den Top 100 verbesserte sich die Bank von Rang 56 auf 41. Durch den Erwerb des Retailgeschäfts der SEB in Deutschland, der 2011 abgeschlossen sein soll, bleibt die Santander Consumer Bank auf einem dynamischen Expansionskurs.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
01.08.2010
Erschienen in Ausgabe:
08/2009
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