Digitalisierung
"Internet der Dinge" wird die nächste Monsterwelle
 

Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran. Die Phase des mobilen Internets ist zwar noch in vollem Gange, doch vorausschauende Köpfe fragen sich bereits, was als nächstes kommt.

Die nächste große Welle wird das sogenannte "Internet of Things" sein, das erheblichen Einfluss auf den Alltag der Nutzer haben wird. Dabei werden Geräte und Maschinen intelligent vernetzt und können über das Internet untereinander Informationen austauschen und verarbeiten. Diese Vernetzung und Kommunikation internetfähiger Geräte – von Fabrikmaschinen bis zum Kühlschrank – hat ein gewaltiges Potenzial. Die Zahl der Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, wird voraussichtlich schon 2015 auf rund fünf Milliarden anwachsen. Bis 2020 werden es schätzungsweise sogar 25 Milliarden vernetzte Dinge sein. "Unterstützt wird die Entwicklung durch sinkende Hardware-Preise, steigende globale Vernetzung, wachsende Computerkapazitäten und Cloud Computing. Wichtigster Treiber dürfte aber die enorme Ausbreitung internetfähiger Smartphones sein sowie die Bereitschaft der Menschen, ständig erreichbar zu sein", sagt Carsten Roemheld (Foto unten), Kapitalmarktexperte bei Fidelity Worldwide Investment. Die meisten Smartphones heutzutage sind Mini-Computer, die deutlich leistungsstärker sind als der durchschnittliche PC vor einem Jahrzehnt. Zu den Profiteuren des Internet of Things zählen zum einen die Hardware-Hersteller, zum anderen aber vor allem jene Unternehmen, die dank spezieller Anwendungen und innovativer Entwicklungen in ihrer jeweiligen Branche Vorteile gegenüber den Wettbewerbern haben.

Die nächste große technologische Welle lässt also nicht lange auf sich warten und wird insbesondere von großen IT-Dienstleistungsunternehmen aktiv mitgestaltet. So hat beispielsweise die GFT Technologies AG im Jahr 2011 mit CODE_n eine internationale Plattform für digitale Innovatoren und wegweisende Start-ups aufgesetzt mit Ziel, außergewöhnliche Geschäftsideen zu fördern, mit etablierten Unternehmen in Dialog zu bringen und in diesem Kraftfeld Innovationen anzuregen. Für den nächsten Innovationswettbewerb, der traditionell im Rahmen der CeBIT stattfindet, wurden Start-ups gesucht, die Geschäftsmodelle für das Internet der Dinge entwickelt haben. „Die digitale Wirtschaft hat die Anforderungen an Unternehmen, wie sie mit dem Thema Innovation umgehen, grundlegend verändert. Es entstehen völlig neue Konstellationen, neue Innovations-Ökosysteme“, sagt Ulrich Dietz, Initiator von CODE_n und Vorstandsvorsitzender der GFT Group. Gerade die Schnittstelle zwischen jungen und etablierten Unternehmen verspreche enorme Potenziale. Start-ups bringen Dynamik, Mut und neue Impulse in die Innovationsbeziehung mit ein. Bei den großen Konzernen sind es Know-how, Finanzkraft und professionelle Strukturen zur Skalierung der Geschäftsideen. „All das bleibt aber graue Theorie, wenn sie nicht voneinander erfahren“, so Dietz.

Ein Positivbeispiel ist nach Ansicht von Fidelity-Analyst Roemheld das weltweit führende Agrar- und Biotechnologieunternehmen Monsanto. Bekannt wurde Monsanto durch die Erzeugung gentechnisch veränderten Saatgutes. Mittlerweile aber versucht der Konzern, unter anderem mit Hilfe der Übernahme der auf Klimadaten spezialisierten US-Firma Climate Corp sowie der firmeneigenen Datenplattform FieldScripts, Landwirte technisch zu unterstützen, die Produktivität durch die Vernetzung verschiedenster Systeme und Maschinen entscheidend zu erhöhen. Monsanto ist somit hervorragend positioniert, von den Vorteilen des "Internet of Things" zu profitieren. Auch Samsung spielt eine führende Rolle beim "Industrial Internet". Der koreanische Konzern ist nicht nur einer der führenden Smartphone-Hersteller, sondern auch konkurrenzlos in der Vielfalt seiner Technikprodukte einschließlich Kühlschränken, Waschmaschinen oder DVD-Playern. Das Unternehmen hat zudem die erste Waschmaschine mit WLAN-Zugang entwickelt. Samsung ist somit führend bei der Entwicklung von "Smart Devices", die sich miteinander vernetzen lassen und damit den technologischen Fortschritt deutlich vorantreiben.

In Deutschland wird jetzt massiv aufgeholt. Im Ergebnis eines Spitzentreffens von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit Vertretern von Banken, Deutscher Börse und Start-ups sollen verbesserte Finanzierungsbedingungen für junge Wachstumsunternehmen geschaffen werden. „Ein leichterer Zugang zur Börse für geeignete Start-ups kann dazu ein Weg sein. Gute Ideen aus Deutschland werden noch zu oft aufgrund fehlender Finanzierung nicht international aufgestellt, sondern bereits in einer frühen Phase von ihren Gründern verkauft“, meint BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. In der Digitalen Agenda der Bundesregierung seien ebenso wie im Koalitionsvertrag verbesserte Finanzierungsbedingungen von Start-ups angekündigt worden, bislang fehle allerdings noch die Umsetzung. Unter anderem sollen steuerwirksame Sofortabschreibungen beim Erwerb von Start-up-Beteiligungen möglich werden, Verlustvorträge bei Veräußerung von Anteilen an Start-ups erhalten bleiben und Ausnahmen von der Mindestbesteuerung für junge Unternehmen geschaffen werden. „Es gibt bei der Förderung der dynamischen deutschen Start-up-Szene keine einzelne Maßnahme, die alle Probleme auf einmal löst. Zielgerichtete steuerliche Verbesserungen helfen aber vielen Gründern und Investoren sofort und werden zu mehr Investitionen in Start-ups führen“, so Rohleder.

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
18.12.2014
Quelle(n):

Bild: © thanawong - Fotolia.com (oben); Carsten Roemheld, Kapitalmarktexperte bei Fidelity Worldwide Investment (unten links); Ulrich Dietz, Vizepräsident BITKOM, Vorstandsvorsitzender GFT Technologies AG (unten rechts)

Text: BITKOM, Start-up-Finanzierung braucht 2015 neuen Schwung (18.12.14); GFT Technologies AG (26.9.14); Fidelity Worldwide Investment, Marktkommentar von C. Roemheld (18.12.14)

Autor/in 
Stefan Hirschmann
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