Wirtschaftskriminalität
Extrem hohes Schadenpotenzial
 

Wirtschaftskriminalität blutet deutsche Firmen aus. Jedes dritte Unternehmen war hierzulande in den letzten zwei Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen, bei den großen Unternehmen war sogar jedes zweite betroffen.

Der Schaden, der durch wirtschaftskriminelle Handlungen entsteht, wird gemäß einer aktuellen Studie von KPMG auf 80 Mrd. € pro Jahr geschätzt. Dabei waren Diebstahl und Unterschlagung (63 Prozent) sowie Betrug und Untreue (54 Prozent) die häufigsten Delikte. Die höchsten Schadenssummen entstehen aber durch Kartellrechtsfälle: Rund drei Viertel der Unternehmen beziffern ihren individuellen Schaden auf über 1 Mio. €. Jede zweite der von Kartellrechtsverstößen betroffenen Firmen gab an, dass mindestens 500.000 € allein auf Ermittlungskosten entfallen – mehr als bei jedem anderen wirtschaftskriminellen Delikt. Bußgelder, Geldstrafen und eventuelle Gewinnabschöpfungen kommen hinzu.

Die Bedrohung durch Wirtschaftskriminalität schätzen auch die großen Kreditversicherer als eines der drei Top-Risiken ein. Vor allem Schäden durch Täuschung von Mitarbeitern, Hacking von Telefonanlagen und andere cyberkriminelle Handlungen haben stark zugenommen. „Das Schadenpotenzial in dem Segment des klassischen Vertrauensschadenschutz ist extrem hoch“, so Ralf Meurer, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beim jährlichen Pressegespräch der Kreditversicherer in Köln. Neben geopolitischen Risiken und insolvenzrechtlichen Problemstellungen verzeichnen die Versicherer vor allem bei Compliance-Risiken eine verstärkte Nachfrage nach Deckungsschutz. Mittlerweile werden offenbar auch in äußerst compliance-sensiblen Branchen wie der Kreditwirtschaft wieder verstärkt Risiken gezeichnet.

Diese Tendenz kann kaum verwundern, zumal weithin die Angst vor entsprechenden Delikten umgeht. Etwa neun von zehn Betrieben fürchten, Opfer von Datendiebstahl oder Datenmissbrauch zu werden. Fast zwei Drittel gehen davon aus, dass ihr Risiko, Opfer eines Datendelikts zu werden, in Zukunft noch steigen wird. Tatsächlich betroffen waren in den letzten beiden Jahren aber nur 30 Prozent. „Die Dunkelziffer ist gerade bei daten- und technikbezogenen Deliktarten oftmals höher als die betroffenen Unternehmen ahnen“, weiß Alexander Geschonneck, Partner bei KPMG und Leiter des Bereichs Forensik. Vielfach fehlt ein Überblick über die komplexen technischen Prozesse und Abläufe. Zudem mangelt es an Kontrollmechanismen, um datenbezogene Vorfälle überhaupt entdecken zu können. Besonders bitter: Jeder zweite Täter kommt aus den eigenen Reihen. Innerhalb der Gruppe der internen Täter ist der Prozentanteil von Mitarbeitern unterhalb der Topmanagement-Ebene auf 66 Prozent angestiegen. Die Anzahl der Täter aus dem Topmanagement ist hingegen deutlich (von 18 Prozent in 2012 auf 5 Prozent in 2014) gesunken. Der Faktor Mensch ist somit nach wie vor das größte Risiko.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
05.12.2014
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia - © Gina Sanders
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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