Studie
Eurozone durch Bankenunion deutlich stabiler geworden

Die Eurozone hat einer Studie zufolge in den letzten Jahren stark an Stabilität gewonnen. Demnach habe die Auseinandersetzung um die Haushaltspolitik der italienischen Regierung gezeigt, dass die Ansteckungsgefahren auf den europäischen Finanzmärkten deutlich geringer geworden seien. Dies gelte bemerkenswerterweise, obwohl die Finanzmärkte heute einen Austritt Italiens aus der Währungsunion für wesentlich wahrscheinlicher hielten als noch vor zwei Jahren. Das geht aus einer Analyse von Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der TU München, hervor. Die Studie wurde von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in Auftrag gegeben. Als Gründe für den Zuwachs an Stabilität werden den Angaben zufolge die Etablierung des ESM, die Bankenunion und die geldpolitischen Maßnahmen der EZB identifiziert.

Trotz dieses Zuwachses an Stabilität sei es bislang jedoch nicht gelungen, den Teufelskreis aus Staatsverschuldung und Refinanzierungskosten des Bankensektors zu durchbrechen, heißt es in der Studie. Dies hänge im Wesentlichen mit einem fundamentalen ökonomischen Mechanismus zusammen, der dazu führe, dass die Risikoeinschätzung einer inländischen Staatsanleihe aus Sicht einer inländischen Bank geringer ausfalle als aus der Sicht eines ausländischen Investors.

Vorschläge lösen fiskalpolitische Problemen der Eurozone nicht

Derzeit würden verschiedene Reformmaßnahmen zur Stärkung der Wirtschafts- und Währungsunion diskutiert. Die meisten beträfen Reformen des ESM und der Bankenunion. Viele dieser Vorschläge seien nachvollziehbar, würden aber an den grundlegenden wirtschafts- und fiskalpolitischen Problemen der Eurozone nicht viel ändern, kritisiert der Verfasser. In diesem Zusammenhang seien etwa die Vorschläge bezüglich der Überarbeitung der Vertragsklauseln bei europäischen Staatsanleihen zu erwähnen, die zukünftig verhindern sollten, dass kleine Gläubigergruppen Restrukturierungsvereinbarungen blockieren könnten.

Die Vorschläge zur Einführung des sogenannten Backstops seien insoweit schon deutlich weitreichender, als dass sie als erster Schritt zu einer indirekten Einführung einer europäischen Einlagensicherung interpretiert werden könnten. Zwar sei nicht von der Hand zu weisen, dass damit das Vertrauen in das europäische Bankensystem zusätzlich gestärkt werde. Gleichzeitig gebe es in der konkreten Umsetzung aber auch Risiken, weil damit bestehende Disziplinierungswirkungen auf nationaler Ebene unterhöhlt würden. 

Hingegen dürfte die ebenfalls diskutierte Einführung einer Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen tatsächlich einen wesentlichen Beitrag zur Durchbrechung des Teufelskreises von Staatsverschuldung und Refinanzierungskosten des Bankensektors leisten, heißt es. Diese Idee müsse weiterverfolgt werden, wenngleich sie mit erheblichen Implementierungsproblemen und -risiken verbunden sei. (ud)

Lesen Sie hier die vollständige Studie Stabilität der Eurozone und europäische Finanzmarktarchitektur.

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Artikel veröffentlicht am:
29.10.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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