Geldhäuser im globalen Vergleich
Europas Banken verlieren den Anschluss
 

Wie schlägt sich die deutsche Bankenbranche im internationalen Vergleich, und wie haben sich Gewichte zwischen Europa, den USA und China zuletzt verschoben? Die jährliche Analyse des britischen Magazins „The Banker“ liefert die Antwort: Westeuropa leidet auch zehn Jahre nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise unter faulen Krediten und einer ausgeprägten Ertragsschwäche. Dagegen setzen die US-Banken ihre Erholung fort und auch Institute in den BRIC-Staaten meldeten überwiegend wachsende Gewinne.

Die Stabilität der Bankbranche nimmt weltweit zu. Noch nie hatten internationale Großbanken so dicke Eigenkapitalpolster wie zurzeit. Die 1.000 kapitalstärksten Geldhäuser der Welt meldeten für das Geschäftsjahr 2016 ein aggregiertes Tier 1-Kapital von 7,3 Bio. US-$. Das waren 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viel wie 2007. Auch die aggregierten Vermögenswerte schwollen an: Die Bilanzen der Top 1.000 verlängerten sich um knapp drei Prozent auf 113,4 Bio. US-$. Gegenläufig war der Trend bei den Gewinnen. Ihre Summe sank binnen Jahresfrist um 1,2 Prozent auf 962 Mrd. US-$. Das war der zweite Rückgang in Folge.

Wie immer, wenn Statistiken erstellt werden, sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen: So lassen sich die fallenden Erträge zumindest teilweise mit Wechselkursschwankungen erklären: Weil der „Banker“ die Ergebnisse aller Top-1.000-Institute zur besseren Vergleichbarkeit in US-Dollar umrechnet, wirkt sich ein steigender Außenwert des Greenback tendenziell negativ auf die Vermögenswerte oder Gewinne von Banken anderer Regionen aus. Von diesem Effekt besonders betroffen waren 2016 Institute aus Ägypten, Venezuela, Argentinien, Nigeria oder der Türkei. Auch das britische Pfund war ein Fünftel weniger wert als im Jahr zuvor, der chinesische Yuan verlor sieben Prozent und der Euro rutschte zum Dollar um mehr als drei Prozent ab.

Mangel an Profitabilität
Dass sich Kapitalpolster, Bilanzsummen und Gewinne in unterschiedliche Richtungen entwickeln, lässt jedoch nur einen Schluss zu: „Für die Branche haben sich die Probleme einfach verlagert – von einem Mangel an Sicherheit hin zu einem Mangel an Profitabilität“, urteilen die Analysten der Zeitschrift. Nicht alle Regionen sind gleichermaßen betroffen. Ein Blick auf die Liste der Banken mit den höchsten Verlusten zeigt, wo die Schwierigkeiten am größten sind. Demnach sind 90 Prozent der aggregierten Vorsteuerverluste 2016 in Westeuropa angefallen. Die Region Asien-Pazifik hat acht Prozent zu den roten Zahlen beigetragen. Nordamerikanische Institute sind in dieser Aufzählung gar nicht vertreten. Umgekehrt dominieren US-Adressen die Liste der Institute, die ihre Kapitalpolster zuletzt am stärksten ausgebaut haben. Während Großbanken eher kleinere Zuwächse meldeten, stärkten zahlreiche kleinere Institute ihre Kapitalbasis prozentual zweistellig. Auch russische Banken machten beim Kapitalausbau nennenswerte Fortschritte. Insgesamt erhöhte sich die Hürde zur Aufnahme in die erste Branchen Liga: Um einen Platz unter den Top 1.000 zu ergattern, war 2016 ein Tier 1-Kapital von mindestens 442 Mio. US-$ nötig. Im Vorjahr hatten noch 404 Mio. US-$ genügt. Die aggregierte Capital to Assets Ratio (CAR) kletterte von 6,44 auf 6,5 Prozent.

Die Top-Institute bleiben unter sich
Die Zusammensetzung an der Spitze der kapitalstärksten Banken der Welt blieb weitgehend unverändert. Immerhin gab es unter den Top 25 zwei Neuzugänge: Die China Merchants Bank rückte von Platz 27 auf Platz 23 vor, während die China Citic Bank von Rang 30 auf 25 wechselte. Eine deutliche Herabstufung erlebte die RBS. Das Institut verlor auf Dollar-Basis mehr als ein Viertel seines Eigenkapitals und rutschte vom 19. auf den 30. Platz ab. Das Institut, das noch immer zu fast drei Vierteln in britischem Staatsbesitz ist, hat bereits seit acht Jahren in Folge keinen Gewinn mehr geschrieben. Der Trend könnte sich in diesem Jahr fortsetzen, da die Restrukturierungsmaßnahmen 2017 weitergehen. Die ebenfalls britische Lloyds Banking Group fiel von Rang 24 auf 35.

Die Top-Positionen – nicht nur in puncto Eigenkapital – nahmen wie in den Vorjahren die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und die China Construction Bank ein. Die beiden chinesischen Institute erhöhten ihr Tier 1-Kapital auf 281 bzw. 225 Mrd. US-$. Gleichzeitig erwirtschafteten sie die höchsten Gewinne (ÿ 2) und wiesen die größten Bilanzsummen aus. Auf Platz drei im Eigenkapital-Ranking behauptete sich die US-Investmentbank JP Morgan Chase mit 208 Mrd. US-$, gefolgt von der Bank of China.

Lage der Deutschen Bank hat sich verbessert
Die Deutsche Bank hatte mit 58 Mrd. US-$ rund sieben Prozent weniger Eigenkapital als im Vorjahr. Dennoch hielt sie sich auf Platz 21 des Rankings. Obwohl die Frankfurter auch 2016 mit Restrukturierungen, Rechtsstreitigkeiten und Spekulationen kämpfen mussten, fielen die Verluste deutlich niedriger aus als ein Jahr zuvor, als die Deutsche Bank mit einem Fehlbetrag von 6,6 Mrd. US-$ als größter Verlustmacher galt. Heute stellt sich die Lage des deutschen Branchenführers weniger dramatisch dar: „Die Kapitaladäquanz (Capital Adequacy Ratio) ist höher als bei den meisten Banken der Top 20“, stellen die Analysten des „Banker“ fest. Insgesamt schafften 22 deutsche Kandidaten den Sprung ins Ranking der Top 1.000, das war einer mehr als im Vorjahr. Nach der Deutschen Bank folgt die Commerzbank. Weltweit belegt das Institut mit einem Tier 1-Kapital von 27 Mrd. US-$ Platz 57 (Vorjahr: 52). International auf Rang 75 vorgeschoben hat sich die mit der WGZ Bank verschmolzene
DZ Bank. Damit hängt sie die Landesbank Baden-Württemberg ab, die auf Position 106 abrutscht. Es folgen die Bayerische Landesbank (139) und die Helaba Bank (151). Die HypoVereinsbank erhält als Tochter der UniCredit keinen eigenen Platz in den Top 1.000. Auf dem deutschen Markt ist sie mit
17 Mrd. US-$ Kapitalpolster nun die Nummer vier nach der DZ Bank.

Aufsteiger Deutsche Pfandbriefbank
Mit 44 Prozent weist die Volkswagen Bank hierzulande das größte Plus beim Tier 1-Kapital aus. Auch die Stuttgarter Volksbank sowie die Wüstenrot & Württembergische legen prozentual zweistellig zu. Insgesamt bauen zehn der 21 deutschen Institute ihre Kapitalpolster aus. Die DZ Bank erreicht durch die Fusion mit der WGZ Bank eine Steigerung von einem Fünftel. Neu in der Liste der Top 1.000 ist die Deutsche Pfandbriefbank. Mit einem Kernkapital von 2,9 Mrd. € nimmt sie global Platz 342 ein. Angesichts der größeren Zuwächse in anderen Teilen der Welt schrumpft der Anteil deutscher Banken am weltweiten Tier 1-Kapital dennoch auf 2,5 Prozent (Vorjahr: drei Prozent).

 

 

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10/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
06.11.2017
Erschienen in Ausgabe:

10/2017

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Quelle(n):
Bildquelle: ©Rallef - iStockphoto.com
Autor/in 
Birga Teske
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