Geldpolitik
Erste globale Konjunkturerholung seit 2008 – Zinsen bleiben trotzdem niedrig
 

Die lockere Geldpolitik dürfte länger andauern, als derzeit vom Markt erwartet wird. Somit bleibe die finanzielle Repression auch 2014 das wichtigste Thema für die Kapitalmärkte, heißt es in einer Studie von Allianz Global Investors. Die damit verbundenen negativen Realzinsen erleichterten vielen Industriestaaten den Abbau ihres Schuldenbergs.

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise vor fünf Jahren erwartet Andreas Utermann, Global Chief Investment Officer (CIO) bei Allianz Global Investors, eine zyklische Erholung der Weltwirtschaft 2014 bei moderatem Wirtschaftswachstum: „Es gibt weniger Extremrisiken, und die verbleibenden Risikoherde erscheinen weniger bedrohlich als in den letzten Jahren. Vor dieser stabileren Kulisse können sich Konjunkturdaten weiter verbessern. Zwar sorgt die aufgeschobene Lösung im amerikanischen Haushaltsstreit weiter für Unsicherheit, aber ich gehe für 2014 von einem moderaten Wachstum aus.“ Insgesamt befände sich die Weltwirtschaft auch im sechsten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise noch immer im Stabilisierungsprozess, der eng an die geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken gebunden sei. Utermann sagt: „Der Entschuldungsprozess hat in vielen Industriestaaten gerade erst begonnen. Anleger sollten auch im kommenden Jahr von einer Fortsetzung der Niedrigzinspolitik der Notenbanken ausgehen. Viele Länder weisen immer noch eine zu hohe und langfristig nicht tragfähige Verschuldung der öffentlichen Haushalte auf.“ Beispiele seien Frankreich, Portugal oder auch Australien.


Geldpolitischer Drahtseilakt

Ein Rückzug der Zentralbanken aus den geldpolitischen Maßnahmen bleibt auch 2014 schwierig, wie die
Marktreaktionen auf die Ankündigung der Federal Reserve Bank (Fed), die Ankaufprogramme von USStaatsanleihen auslaufen zu lassen, Mitte diesen Jahres gezeigt haben. Utermann: „Mit einer so starken Verunsicherung, wie sie sich in den extrem steigenden Anleiherenditen sowie den massiven Verkäufen von Schwellenländertiteln gezeigt hat, dürfte die Fed nicht gerechnet haben. Für viele war es die Bestätigung, dass die globale Wirtschaftserholung tatsächlich immer noch am Tropf der monetären Lockerung hängt. Wir gehen deswegen davon aus, dass die Zentralbanken noch vorsichtiger vorgehen und dabei die noch immer fragile Konstitution des Finanzsystems sowie die Inflationsentwicklung miteinander abwägen werden.“ Eine Fortsetzung der „Ausstiegs“-Diskussion erwarte er vor diesem Hintergrund frühestens im ersten Quartal des neuen Jahres. Sofern die Inflationserwartungen im Rahmen blieben, sei vorerst nicht mit Zinserhöhungen zu rechnen. Ein erhöhtes Inflationsrisiko sieht Utermann aktuell nicht: „Die immense Liquidität kommt nicht in der Realwirtschaft an. Spürbaren Preissteigerungen wirken momentan stagnierende Löhne und der sinkende Ölpreis entgegen. Deflation ist kurzfristig das größere Risiko. Langfristig dürfte das Inflationsrisiko steigen, wenn die Zentralbanken die geldpolitischen Bremsen zu spät lösen.“ Die expansive Geldpolitik könnte auch für weitere Spannungen bei Währungen sorgen. Die Abschwächung des Yen sowie des US-Dollars führen laut Utermann zu starken Reibungen im globalen Wirtschaftsgefüge. Die Gefahr eines Währungs- und Handelskrieges sei unter diesen Umständen weiter virulent. Utermann hatte in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass ein neues Gleichgewicht der Weltwirtschaft langfristig nur über eine Annäherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit durch niedrige Wachstumsraten in hochverschuldeten Industrieländern und Währungsaufwertungen in wirtschaftsstarken Wachstumsländern zu erreichen sei. Den Wechselkursen käme dabei die Rolle als Ventil zum Ausgleich von Leistungsbilanzdefiziten bzw. -überschüssen einzelner Länder zu.


Aktien bleiben wichtige Renditequellen im Portfolio

Neben den genannten Währungsrisiken und verbleibenden politischen Risiken in den USA und Europa bewerten die Experten von Allianz Global Investors die finanzielle Repression als ein zentrales Risiko. Viele Investoren seien noch immer in Vermögenswerten investiert, die als sicher und kurzfristig liquide wahrgenommen werden. Auf Grundlage der relativ teuren Staatsverschuldung und einem steigenden Inflationsszenario zeichne sich jedoch langfristig die Bedrohung realer Renditen bei traditionell als sicher bewerteten Anlageinstrumenten wie Staatsanleihen ab. Spreadanleihen seien im Vergleich zu Staatspapieren nach wie vor vernünftig bewertet. Dies trifft bei Unternehmensanleihen vor allem auf das Hochzinssegment zu, wo derzeit Ausfallraten eingepreist sind. Nachdem die Renditen in etlichen aufstrebenden Staaten im Lauf des Sommers gestiegen sind, böten Schwellenlandanleihen ebenfalls attraktive Zinsvorteile, bei einigen Lokalwährungsanleihen sei darüber hinaus noch die Möglichkeit der langfristige Währungsaufwertung interessant. Vor dem Hintergrund der makroökonomischen Gesamteinschätzung bleiben auch Aktien 2014 eine wichtige Anlageklasse in der Geldanlage, um Renditen über der Inflationsrate erzielen zu können. Utermann bewertet weiterhin dividendenstarke Unternehmen als attraktive defensive Anlagealternative. Auch 2014 sollten Anleger insbesondere Unternehmen im Fokus behalten, die unter allen Marktbedingungen durch stetige steigende Dividendenzahlungen überzeugt haben.

 

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Artikel veröffentlicht am:
19.11.2013
Autor/in 
Redaktion die bank
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