Europäische Bankenbranche
Eine Zeit voller Herausforderungen

Vor zehn Jahren nahm die Finanzkrise ihren Anfang. Was als Bankenkrise begann, hat im weiteren Verlauf das gesamte Euro-Finanzsystem ins Wanken gebracht. Doch die europäischen Banken haben in den vergangenen Jahren hart daran gearbeitet, die Folgen der Finanzkrise endlich hinter sich zu lassen. „Sie haben strukturell unrentable Geschäftsbereiche abgestoßen oder geschlossen, ihre Bilanzen auf Vordermann gebracht und neue – strengere –aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllt. Und all das gleichzeitig und in einem insgesamt schrumpfenden Markt“, so Finja Carolin Kütz, Deutschlandchefin der Strategieberatung Oliver Wyman. Unabhängig davon sehen sich alle Banken in Europa nun aber einer Reihe neuer jedoch nicht weniger fundamentaler Herausforderungen gegenüber: die Präferenzen und Anforderungen der eigenen Kundschaft ändern sich laufend und grundlegend, die rasant fortscheitende Digitalisierung und das Aufkommen plattformbasierter Bankgeschäfte bereiten zunehmend Kopfzerbrechen. Diese Entwicklungen werden durch die Bestrebungen der Aufsichtsbehörden zusätzlich befeuert. Letztere versuchen durch das Konzept des „Open Banking“, Innovationen in der traditionell eher konservativen Bankenbranche voranzutreiben und Teile des Marktes für neue Wettbewerber und Technologien zu öffnen. Allerdings würden bislang nicht alle Banken auf das veränderte Umfeld reagieren und das dafür notwendige Engagement zeigen, betont Bankenexperte Thomas Schnarr.

In ihrer aktuellen Studie zeigt Oliver Wyman auf, dass die europäischen Banken viel Zeit und erhebliche Mittel in die Schrumpfung ihrer Bilanzen gesteckt haben. In einigen Ländern ist dieser Restrukturierungsprozess abgeschlossen, in anderen ist er noch in vollem Gange und wird noch auf absehbare Zeit andauern. Allen Anstrengungen zur Kostensenkungsbemühung zum Trotz, konnten die europäischen Banken allerdings ihre operative Effizienz über den Betrachtungszeitraum hinweg nicht steigern. Ganz im Gegenteil: die Gesamtausgaben der Branche sind zwischen 2008 und 2016 nominal um ein Prozent pro Jahr gestiegen. Auch beim Aufwand/Ertrag-Verhältnis sind kaum Veränderungen festzustellen – hier wurden Kostensenkungsbemühungen durch eine noch schnelle schrumpfende Ertragsbasis weitgehend zunichte gemacht. Zudem haben sich die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Die Kapitalisierung des gesamten Bankensektors hat sich in Folge deutlich verbessert: die durchschnittliche Kapitalquote (Kernkapital) stieg im Durchschnitt von 3,7 Prozent im Jahre 2008 auf 5,6 Prozent im Jahr 2016. Neuregelungen wie die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) sollen dazu beitragen, die Aufsicht und Kontrolle über wesentliche Elemente des Finanzsektors weiter zu verbessern.

Neben den skizzierten branchenweiten Veränderungen sehen sich deutsche Institute zusätzlich einer Reihe spezifischer Herausforderungen gegenüber. Diese liegen vor allem in der speziellen Struktur des deutschen Bankenmarktes begründet. Der zugrundeliegende Ertragspool in Deutschland ist äußerst stabil – gleichzeitig bleibt die strukturelle Profitabilität absolut aber auch im europäischen Vergleich niedrig. Die Eigenkapitalrentabilität deutscher Banken gehört noch immer zu den niedrigsten in ganz Europa. Institute aller drei Säulen des deutschen Bankwesens werden sich in Zukunft vorrangig den Themen Konsolidierung, einer anhaltend hohen Wettbewerbsintensität und der Stärkung der eigenen Innovationskraft widmen müssen.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
10.10.2017
Quelle(n):
Artikelbild: ©bernie_photo / iStockhphoto
Autor/in 
Redaktion die bank
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