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Digitale Beratungslösungen im Vergleich
 

Innovationen, Regulierungen und verändertes Kundenverhalten bedingt durch die Digitalisierung sind einige Faktoren, die die Banken vor Herausforderungen stellen. Eine Vielzahl der Finanzinstitute sucht nach Optionen, um im Marktumfeld bestehen zu können und dem Wettbewerbsdruck zu trotzen. Dabei setzen Banken unter anderem auf Technologien, die die Beratungsprozesse digitaler, innovativer und effizienter gestalten. Die Portfolio-Optimierung kann mithilfe dieser derart vereinfacht werden, dass sie bereits unmittelbar im Kundengespräch erfolgen kann. Für den Beitrag wurden 27 Anbieter digitaler Beratungslösungen befragt und untereinander verglichen.

Im stetig härter werdenden Marktumfeld sucht die Mehrheit der Finanzinstute nach Möglichkeiten, ihren Beratungsprozess mithilfe von neuen Technologien zu verbessern. Doch was ist die passende Lösung für welches Institut? Um hierauf Antworten zu finden, ist es nötig, Informationen zu den Anbietern und ihren Kunden zusammenzutragen, zur Datennutzung, zur Qualität des Anlagevorschlags sowie zur Funktionalität der Applikation für die Erstellung des Anlagevorschlags. Außerdem ist es sinnvoll, Auszüge, Reports, die Überwachung und Dokumentation sowie die Digitalisierung und die Projektkompetenz bei der Systemintegration zu untersuchen. Eine Analyse von 27 Anbietern digitaler Beratungslösungen ” 1 hat gezeigt, dass die Unternehmensgröße der Software-Anbieter nicht unbedingt mit der Unternehmensgröße ihrer Kunden korreliert. Anbieter, die mehr als 500 Mitarbeiter aufweisen (z. B. Avaloq Licence AG, Temenos Headquarters SA, Swisscom AG und Interactive Data), bedienen unter anderem auch kleine Finanzinstitute oder Asset Manager. Im Gegensatz dazu weisen kleine Boutiquen Großbanken in ihrem Portfolio auf (bspw. Adviscent AG, AAAccell LLC und BhFS). Auch der Sitz der Vendoren gibt keine Auskunft darüber, ob die Produkte in einer bestimmten Region digitaler oder entwickelter sind. Des Weiteren lässt sich die These widerlegen, dass größere Anbieter im Vergleich zu kleineren automatisch bessere Produkte vermarkten. Die Unternehmensgröße besitzt folglich keinen Einfluss auf die Qualität der Produkte. Auch kleine Anbieter weisen Produkte auf, die ausgereift sind und gute Lösungen für Finanzinstitute bereitstellen.

Gerade für kleine und mittlere Banken ist diese Erkenntnis interessant, da sie nicht zwingend an die großen Markt-Player gebunden sind. Sie können vielmehr auf kleine Vendoren zurückgreifen, die ihrer eigenen Unternehmensstruktur entsprechen und agiler auf ihre Anforderungen reagieren können. International aufgestellte Banken sollten eher große Anbieter berücksichtigen, da sich diese im EU-Markt auskennen und bereits Cross-Border-Lösungen anbieten. Der Kundenfokus der analysierten Vendoren liegt zu 56 Prozent auf Banken und zu 22 Prozent auf Vermögensverwaltern. Es lassen sich auch Anbieter finden, die sich auf das Asset Management, institutionelle Kunden (beispielsweise Pensionskassen) oder Versicherungen spezialisiert haben.

Datennutzung in der Applikation
Bei allen Anbietern ist das Standarddatenset gut entwickelt. Es speichert
Finanzmarktinstrumente, Kundenstrategien und Portfolio-Daten. Diese Daten sind für einen Anlagevorschlag essentiell. Daraus lässt sich ableiten, dass die Funktionalitäten, die für einen Anlagevorschlag von Bedeutung sind, weit ausgebaut sind. Nur einige Anbieter halten die Option bereit, Kredite, Hypotheken und Steuerdaten zu sammeln. Daten zu Hypotheken und Krediten greifen die Braingroup AG und Avaloq Licence AG auf. Kaum ein Anbieter ermöglicht das Zugreifen auf Transaktionsdaten bei Käufen oder Verkäufen. Anbieter, die diese Transaktionsdaten zwar sammeln, aber nicht weiter verwenden, sind beispielsweise DSER, Braingroup AG, Expersoft Systems AG und Avaloq Licence AG. Da hier keine Speicherung der Daten stattfindet, lässt sich nicht die gesamte Vermögenssituation der Kunden abbilden. Die Funktionalität für Performanceauszüge, Geldflussanalysen, Steuerberechnungen sowie weitere Verbindlichkeiten sind nur eingeschränkt umsetzbar.

Qualität und Funktionalität zur Erstellung des Anlagevorschlags
Um die Qualität des Anlagevorschlags zu bewerten, ist zu untersuchen, inwiefern der Vorschlag dem Profil des Kunden entspricht. Auch die Sorgfältigkeit, mit der die Anlage ausgesucht wird, wird evaluiert. Bei allen Anbietern ist die Qualität des Vorschlags sehr gut und die Entwicklung der Produkte weit fortgeschritten. Insbesondere die digitalisierte Erfassung des Anlagehorizonts, des Risikoprofils, der Anlageziele, der Strategie sowie der Kundenpräferenzen und -restriktionen liefern gute Ergebnisse. Regulierungen wie MiFID II werden berücksichtigt.

Zur Kernkompetenz der Advisory-Lösungen zählt die Erstellung des Anlagevorschlags. In dieser Rubrik sind die Leistungen bei Ad-hoc-Vorschlägen im Kundengespräch, bei der Feinanpassung des Anlagevorschlags, der Optimierung anhand von Anlageklassen sowie beim Benchmarking mit einem Index oder Musterportfolio am stärksten ausgeprägt. Die niedrigsten Werte werden in der direkten Ausführung von Kundenaufträgen oder im Portfolio-Rebalancing erzielt. Die meisten Anbieter können Szenarien oder Stresstests auf das Portfolio anwenden. Je nach Fokus der Bank sollte ein Vendor ausgewählt werden, der den individuellen Ansprüchen entspricht.


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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
27.05.2016
Erschienen in Ausgabe:
06/2016
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Quelle(n):
Bildquelle: ©Photographee.eu - Fotolia.com
Autor/in 
Matthias Eberhard
Matthias Eberhard ist Associate Partner bei Synpulse Management Consulting.
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