Digitalisierung
Deutsche Bank setzt auf Kooperation

Es ist inzwischen beinahe banal festzustellen, dass Digitalisierung für die allermeisten Branchen gleichermaßen Risiko und Chance darstellt. Die Überführung von Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten in ein digitales Zeitalter und neue digitale Anwendungen und Instrumente, mit denen sich Dienstleistungen, Inhalte und Produkte weiterentwickeln lassen, zeigen dies sehr eindrucksvoll. In vielen Bereichen wird derweil deutlich, dass es nicht nur um eine neue Infrastruktur oder neuartige Kommunikationswege geht, sondern um eine grundsätzliche Neuorientierung der Unternehmen und ihres Aktionsradius in der Gesellschaft. Spricht man von digitalem Wandel, so geht es hier vor allem eins: „Change Your Business“, also ein Wandel des Geschäftsmodells. Wer sich diesem Wandel widersetzt oder auch, wer ihn nur halbherzig vollzieht, läuft Gefahr, nicht nur den Anschluss, sondern seine komplette Geschäftsgrundlage zu verlieren. Für die Institute ist es wichtig, neue Produkte zu entwickeln, dem steigenden Wettbewerbsdruck standzuhalten und Wachstumspotenziale auszuschöpfen.

Die Deutsche Bank beschleunigt deshalb ihre Digitalisierung und eröffnet in Berlin, London und Silicon Valley Innovationszentren, die den Einsatz von neuen Technologien unterstützen. Hierfür arbeitet sie u.a. mit Microsoft, HCL und IBM zusammen. „Technologie verändert das Bankgeschäft grundlegend“, sagt Christoph Bubmann (Foto), Chief Client Officer der Deutsche Bank AG. Die Bank hatte bereits im Rahmen ihrer Strategie 2020 mitgeteilt, in den kommenden fünf Jahren bis zu 1 Mrd. € in die Digitalisierung zu investieren. In den Innovationszentren sollen jährlich über 500 Start-up-Ideen bewertet und Lösungen erarbeitet werden. Der Schwerpunkt im Hinblick auf die Vielzahl aufkeimender FinTechs liege dabei allerdings auf Kooperation, nicht auf Akquisition, so Bubmann im Rahmen der Veranstaltung „die bank. das netzwerk“ in Düsseldorf. Als Beispiel nannte er das Münchener B2B-Software-Start-up Gini, das eine semantische Dokumentenanalyse anbietet. Dokumente wie Scans oder Fotos von Rechnungen oder Belegen können in Echtzeit analysiert, darin enthaltene Daten extrahiert und in die E-Banking-Systeme der Bank überführt werden. Die Lösung hat das Potenzial, die datenbasierte Kommunikation zwischen der Bank und ihren Kunden schneller und komfortabler zu gestalten. Interessant: Gini ist nicht nur Kooperationspartner der Deutschen Bank, sondern auch der Deutschen Post. Die Commerzbank ist über ihren Main Incubator sogar als Lead-Investor an der Gini GmbH beteiligt.

Bei der Deutsche Bank sollen die Innovation Labs ebenfalls eine Brücke zwischen den Start-ups und den verschiedenen Geschäftsbereichen der Bank bilden. Die FinTechs versuchen immer mehr Kunden mit einfachen Strukturen und niedrigen Gebühren zu locken. Sie bieten klassische Bankprodukte an, angefangen bei der Vermögensverwaltung bis hin zu Krediten. Vor allem im Mobile Payment stehen große Veränderungen an. Laut Boston Consulting Group könnten sich die Umsätze in der Zahlungsindustrie bis 2023 auf über 2 Billionen US-$ mehr als verdoppeln, da neue Technologien eine weltweite Verlagerung in der Transaktionsverarbeitung beschleunigen. E-Wallets wie Apple Pay und PayPal laufen auf bestehenden Zahlungsnetzwerken und machen diese schneller, bequemer und sicherer. „Die zugrunde liegende Technologie ist die wichtigste Innovation, da sie streng gesicherte Transaktionsaktivitäten ermöglicht. Die Möglichkeit, weltweit jede Transaktion digital nachzuverfolgen, ist zudem ein starker Anreiz für die Behörden, insbesondere zur Verbesserung der Steuererhebung und zur Reduzierung der Schattenwirtschaft“, sagt Dr. Patrick Kolb, Portfolio Manager bei der Credit Suisse. Insbesondere beim Thema Sicherheit sind Geldhäuser gegenüber branchenfremden Wettbewerbern klar im Vorteil. Denn Banken genießen bei ihren Kunden in Sachen Mobile Payment ein höheres Vertrauen als Anbieter wie Paypal, Amazon und Ebay. Diesen Wettbewerbsvorteil will auch die Deutsche Bank nutzen und den Vorsprung, den die bankfremden Zahlungsverkehrsdienstleister haben, aufholen.

 

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
05.06.2015
Erschienen in Ausgabe:

Quelle(n):
Foto: Bernd Schaller (Bank-Verlag)
Autor/in 
Stefan Hirschmann
Weitere interessante Artikel 
Artikel abonnieren 
die bank | Newsfeed
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Sie erhalten jeden Monat zwei Newsletter mit aktuellen Beiträgen und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv