Distributed-Ledger-Technologie (DLT)
Der Weg aus der Kostenschleife
 

Seit der letzten Finanzkrise haben sich die Aktienkurse der Kreditinstitute zu Vergleich mit anderen Branchen nur schwer erholen können. Die Einnahmen aus klassischen Bankaktivitäten wie Kredit-, Einlagen- und Wertpapiergeschäften (inkl. Eigenhandel) sind kaum zufriedenstellend. Was aber geblieben ist, sind nachhaltig gewachsene und geschäftsunabhängige Kostenstrukturen, die sich durch eine zunehmende Regulierung, wichtige Investitionen in Aufbau- und Ablauforganisationen sowie in die bankinterne Technologieinfrastruktur weiter ausweiten.

Um einer sich weitenden Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben entgegenzuwirken, haben viele Banken in den vergangenen Jahren Kosteneinsparprogramme auf- und umgesetzt. Gleichfalls erfordern regulatorische Anforderungen, Margendruck und veraltete Technologien eine ausgeprägte Investitionsbereitschaft und zusätzliche Kapazitäten. Da die knappen Budgets zumeist nicht ausreichen, um allen notwendigen Maßnahmen nachhaltig gerecht zu werden, wird nicht selten der Versuch unternommen, mit der bestehenden alten Technologie neues Geschäft zu generieren (Old Tech/New Business). Dem stehen jedoch häufig eine hohe interne Komplexität und eine schleppende Umsetzungsgeschwindigkeit entgegen. Gründe, die die Generierung von effizientem Neugeschäft nahezu unmöglich machen. Es bleibt letztlich nur ein Lösungsweg: die Investition in neue Technologien. Das Vorgehen führt vorab zur Senkung der Kostenbasis und befähigt im nächsten Schritt zur zeitweiligen Weiterführung des alten Geschäfts. Der Vorteil ist, dass altes Geschäft ab dem Zeitpunkt der Einführung neuer Technologien effizienter bedient werden kann und somit langfristig mehr Kapazitäten entstehen, um in neues Geschäft zu investieren. Grundlage hierfür ist ein Modell (NBT – New Business & Technology Portfolio Framework), das den Weg aus der Kostenschleife ebnen soll.

Funktionsweise des Distributed Ledger
In der Regel existieren unterschiedliche Basistechnologien, die effiziente Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Dazu gehört auch die Nutzung der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) auf Basis einer Blockchain. In ihrer ersten Version wurde die Blockchain zum Transfer der digitalen dezentralisierten Währung Bitcoin verwendet. Die dahinter stehende Technologie kann jedoch ebenfalls genutzt werden, um jegliche Art von Vermögenseigentum (real oder virtuell) durch einfache, strukturierte Nachrichtenprotokolle zu übertragen. Dieselbe Information, die das Eigentum von Münz- oder Währungswerten von der einen zur anderen Person transferiert, ist auch in der Lage, Eigentumsübertragungen zu unterstützen sowie Smart Contracts, Aktien oder Derivatekontrakte in Form von Programmcodes automatisch und autark agierend zu hinterlegen. Die Distributed-Ledger-Technologie und das darunterliegende Blockchain-Nachrichtenprotokoll sind dazu geeignet, den Eingriff in Vertragsverpflichtungen, die auf Zahlen oder dynamischen Parametern basieren, zu unterstützen. Demnach könnten u. a. Wertpapierverträge zwischen zwei oder mehr Parteien in Echtzeit versandt und gleichzeitig zugestellt werden, ohne dabei die Datensicherheit zu gefährden.

Einfacher ausgedrückt ist die Blockchain eine einfache, digitale und internetbasierte Plattform zur Aufzeichnung und Überprüfung von Übertragungen zwischen Computern. Sie ist ein nicht dezentral kontrolliertes, digitales Transaktionsregister, das in seiner originären Funktion als „Backbone“ der Krypto-Währung Bitcoin entwickelt wurde. Die Philosophie der Blockchain ist es, eine Transaktion zwischen zwei Teilnehmern, die andere Teilnehmer des Protokolls bestätigen und mitprotokollieren, zu verschlüsseln. Jede fortfolgende Transaktion baut mathematisch verschlüsselt auf der Vorigen auf. Eine Löschung oder Manipulation der Transaktion müsste auf allen teilnehmenden Rechnern gleichzeitig stattfinden – ein beinah unmögliches Ereignis. Die Möglichkeit zur automatischen Verifizierung digitaler Informationen impliziert allerdings auch, dass zu deren Echtheitsprüfung kein vertrauenswürdiger Dritter mehr benötigt wird – die Rolle, die bislang die Banken innehatten.

Öffentlich, konsortiumgebunden oder privat
Die Blockchain findet ihre Anwendung auf drei Arten, die sich über die Zugriffsrechte auf sie definieren: öffentlich, konsortiumgebunden und privat. Die öffentliche Blockchain kann von jedem gelesen und genutzt werden. Sie ist ausnahmslos dezentral organisiert, wobei die Sicherheit hierbei durch die Krypto-Wirtschaft gewährleistet ist. Bei der konsortiumgebundenen Blockchain wird der Konsensprozess durch vordefinierte Knoten kontrolliert und obliegt demnach einer teildezentralen Organisation. Das Leserecht kann zuweilen öffentlich oder begrenzt auf die Teilnehmer sein. Die private Blockchain wird ausschließlich durch eine Organisation zentral kontrolliert. Dieser obliegen die Schreibrechte und die Hoheit, Leserechte öffentlich oder an einen ausgewählten Kreis zu erteilen.

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
30.03.2016
Erschienen in Ausgabe:
04/2016
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Quelle(n):
Bildquelle: ©Mindklongdan - iStockphoto.com
Autor/in 
Bernd Richter
Bernd Richter ist Partner bei Capco für Capital Markets und Banking.
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