Konsolidierung und Neuausrichtung im deutschen Bankensektor
Der Kuchen wird kleiner
 

Die Steuerung eines Kreditinstituts zählt mittlerweile zu den wirtschaftlichen Königsdisziplinen. In den letzten Jahren ist es deutlich anspruchsvoller geworden, ein Institut in seiner Gesamtheit zu steuern – und das nicht nur, weil das Umfeld härter geworden ist, sondern auch, weil der insgesamt zu verteilende Kuchen kleiner geworden ist und ständig kleiner wird. Und wenn die Anforderungen steigen, müssen auch die Kuchenrezepte angepasst werden.

Der Kuchen, der unter den deutschen Banken und Sparkassen verteilt werden kann, schrumpft seit vielen Jahren: Das kann man an den Erträgen messen, die seit mehr als 15 Jahren sinken – zwischen 1999 und 2015 um fast 30 Prozent. Dieser Rückgang hat mehrere Ursachen. Zum einen wird sowohl der europäische als auch speziell der deutsche Bankensektor von Kritikern gerne als „overbanked“ beschrieben. Diese Überkapazitäten drücken, solange sie nicht abgebaut werden, auf die Erträge. Eine ähnliche Wirkung hat das Niedrigzinsumfeld. Es ist zu beobachten, dass die Margen aus dem Einlagengeschäft bereits heute zurückgegangen sind – auch weil die Banken sich scheuen, die negativen Zinsen an die Privatkunden weiterzugeben. Zudem sehen wir, dass der Beitrag aus dem Aktivgeschäft tendenziell konstant geblieben ist.

Verschweigen lässt sich natürlich auch nicht, dass die Konkurrenz zugenommen hat – wobei der Wettbewerb im deutschen Bankensektor schon immer sehr hoch war. FinTechs rollen das Feld neu auf, und etablierte Kreditinstitute laufen in vielen Bereichen den Entwicklungen hinterher. Indem ein Teil der Wertschöpfungskette zu den FinTechs übergeht, fehlen diese Einnahmen bei den Banken. Und bei neuen Ertragsfeldern, wie etwa alternativen Zahlungsverfahren, haben neue Wettbewerber bereits Vorsprünge. Bei der Diskussion um die Ertragsschwäche deutscher Institute geht es auch immer wieder um die Rolle der Regulierung. Vor der Finanzkrise gab es sicherlich blinde Flecken in der Regulierung, die viele Institute für zu riskante Geschäfte genutzt haben. Mit ihrem Verhalten haben sie die ganze Volkswirtschaft belastet. Deswegen ist es gut, dass es nun verbesserte Regeln gibt und dass die Aufsicht strenger geworden ist. Natürlich sind von den Instituten keine Begeisterungsstürme zu erwarten, aber die Reformen waren richtig und wichtig und sind zu einem guten Teil einmalig anfallende Umsetzungskosten.

Regulierung, Digitalisierung, Niedrigzinsen, Überkapazitäten – das alles spricht dafür, dass sich die Ertragslage auf absehbare Zeit nicht entspannen wird. Die wirtschaftliche Entwicklung ist momentan positiv – sollte sich das allerdings wieder ändern, wird das zusätzlich Druck auf die Banken ausüben. Mit anderen Worten: Es sieht momentan so aus, als würde der Kuchen kurz- und mittelfristig nicht wieder größer werden. Vermutlich wird er sogar noch etwas weiter schrumpfen. Wie kann der Sektor hierauf reagieren? Es wird wohl eine Mischung aus Konsolidierung auf der einen und Neuausrichtung auf der anderen Seite sein.

Konsolidierung und das weitere Schrumpfen des Kuchens
Beginnen wir mit der Konsolidierung. Wie man am kontinuierlichen Rückbau der Filialen und der Institute erkennen kann, schreitet diese bereits voran. Das Ende der Fahnenstange ist aber noch nicht erreicht: Insbesondere mit Blick auf die Verbesserung des Ausgaben-Einnahmen-Verhältnisses scheint eine weitere Konsolidierung folgerichtig. Denn der deutsche Bankensektor belegt im europäischen Vergleich unverändert einen der hinteren Plätze. Kostensenkungsprogramme und die Erhöhung der operativen Effizienz werden deshalb wohl auch weiterhin Teil der Agenda der Banken und Sparkassen sein müssen. Eine weitreichende Möglichkeit der Kosteneinsparung ist die Zusammenlegung von Instituten oder die Übernahme von Institutsteilen. Auch dies wurde in den vergangenen Jahren bereits verfolgt – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Fusionen sind aber kein Allheilmittel per se: Denn aus zwei schwächelnden Instituten wird nicht einfach ein robustes. Vielmehr bestehen Ansteckungsgefahren. Mathematisch mag minus mal minus plus ergeben – bei Fusionen ist das in den allermeisten Fällen nicht so.
Fusionen oder Ankäufe müssen also, um erfolgreich zu sein, eine realistische Strategie verfolgen. So können regionale Ergänzungen oder auch europäische Zusammenschlüsse eine gute Idee sein. Sind die Pläne durchdacht, wird auch die Aufsicht den Prozess positiv begleiten. Gleichwohl wird die Bankenaufsicht ihre Anforderungen an kriselnde Institute deshalb nicht senken, sondern genau hinsehen.

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05/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
15.05.2017
Erschienen in Ausgabe:

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Autor/in 
Dr. Andreas Dombret
ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. 
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