Spareinlagen
Depositentransfer ins Ausland birgt Risiken

Die Niedrigzinsphase wird auf absehbare Zeit anhalten und verleiht alternativen Anbietern nach wie vor Auftrieb, die Einlagengelder ins Ausland vermitteln. Banken aus Bulgarien, Rumänien oder Tschechien bieten in der Regel weit höhere Zinsen auf Tages­ und Festgeldangebote. Anleger können auf deren Produkte im Internet über Zinsplattformen wie zugreifen, doch wo höhere Zinsen geboten werden, sind meist auch die Risiken höher.
Zwar gehen Privatkunden theoretisch kein Risiko ein, wenn sie bei einer Bank innerhalb der EU bis zu 100.000 € in Tagesgeld oder Festgeld anlegen. Im Fall einer Bankenpleite müssen sie entschädigt werden. In der Praxis sind die Einlagensicherungsmechanismen jedoch nur unzureichend umgesetzt worden.

Spareinlagen ins Ausland zu transferieren, birgt Risiken, so lange das System mit erheblichen Ungleichgewichten zu kämpfen hat. Banken aus Bulgarien oder Tschechien müssen ihren Kunden zwangsläufig höhere Zinsen bieten, sind diese Länder doch ungleich weniger in der Lage, große ökonomische und finanzielle Schocks zu absorbieren als Deutschland, wo eine hochgradig diversifizierte und wettbewerbsfähige Wirtschaft auch das Finanzsystem stärkt. Unter Risikogesichtspunkten bewegen sich einige Adressen im benachbarten EU-Ausland auf eher dünnem Eis. Im Fall einer Insolvenz ist die Verwertungsquote mitunter gering, d.h. die ausländischen Investoren müssen voll auf die Funktionsfähigkeit der EU-Einlagensicherung bauen. Hinter jeder nationalen Einlagensicherung steht bislang das jeweilige Bankensystem, das im Falle einer Schieflage auch für die ausländischen Einlagen geradestehen muss. Dies ist die Schwachstelle im System.

Gemäß einer aktuellen Auswertung des Risk-Dashboards der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA, das anhand von Kennzahlen Auskunft über den Risikograd des europäischen Bankensektors gibt, ist die Asset Encumbrance-Ratio vor allem in Polen, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Litauen extrem niedrig. Alle Länder befinden sich im einstelligen Prozentbereich. Die Kennzahl misst das Verhältnis der Summe der belasteten Vermögensgegenstände zu der Summe aller Vermögensgegenstände einer Bank. Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Vermögensgegenstände ist, der der Konkursmasse für ungesicherte Forderungen zur Verfügung steht. Ist die Asset Encumbrance-Ratio niedrig, stehen im Ergebnis weniger Vermögensgegenstände zur Entschädigung der Sparer und anderer Gläubiger zur Verfügung.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
04.04.2017
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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