Empirische Untersuchung
Den Wert eines FinTechs berechnen

Nicht selten bieten FinTechs die passende Lösung für einen digitalen Banking-Ansatz, und Banken denken daran, eins dieser Start-ups zu kaufen. Aber wie viel ist ein junges Unternehmen ohne langen Track Record wert? Um keine falsche oder überteuerte Entscheidung zu treffen, werden Daten zum Wert des ins Auge gefassten Unternehmens benötigt. Mit einem Multiplikatorverfahren lassen sich diese ermitteln. „Wir haben in einer empirischen Untersuchung herausgefunden, dass die Methode zu realistischen Ergebnissen führen kann“, sagt Stefan Steinhoff von der Frankfurter TME AG. Allerdings müsse man sich auch der möglichen Schwachpunkte bewusst sein. Das Multiplikatorverfahren basiert auf einem Vergleich mit den Marktpreisen ähnlicher Unternehmen, die in der Peer Group zusammengefasst werden.
Vereinfacht gesagt wird ein Multiplikator eines Referenzunternehmens mit der entsprechenden Bezugsgröße des betrachteten FinTechs multipliziert. Beispiel: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das etablierte Unternehmen mal dem erwarteten Gewinn des FinTechs ergibt den Wert des FinTechs. Knifflig ist die Auswahl der geeigneten Vergleichsunternehmen (Peer Group) und der passenden Multiplikatoren. Bei Letzteren wird zwischen zwei Gruppen unterschieden: Equity-Multiplikatoren wie Kurs/Gewinn oder Kurs/Cashflow erlauben die Bestimmung des Marktwerts für das Eigenkapital. Entity-Multiplikatoren wie Unternehmenswert/Umsatz ergeben den Marktwert des Gesamtkapitals.
Der erste Schritt ist immer die Unternehmensanalyse, vor allem die Identifikation der wichtigsten Werttreiber. Es folgt mit der Suche nach der Peer Group die vielleicht schwierigste Aufgabe. „Mitglieder“ können börsennotierte oder in jüngster Zeit verkaufte Unternehmen sein, die vergleichbar zu dem FinTech sind, das bewertet werden soll.In einem dritten Schritt werden die Daten aufbereitet. Dabei sind Sondereffekte herauszurechnen, weil nicht nur eine Momentaufnahme gewollt ist. Im vierten Schritt berechnet man die ausgewählten Multiplikatoren und danach schließlich im fünften Schritt den gesuchten Wert des FinTechs.

Praxistest mit Index KFTX
Für eine empirische Untersuchung zur Präzision des Multiplikatorverfahrens hat das TME Institut einen Index aus den USA gewählt, weil der deutsche FinTech-Markt noch relativ jung ist. Im KBW Nasdaq Financial Technology Index (KFTX) sind 50 Unternehmen vertreten, die als repräsentativ für die Branche gelten. Für diese suchte TME sechs typische Multiplikatoren, die für die Jahre 2000 bis 2016 berechnet wurden. Geprüft wurden zwei Hypothesen: Da der Unternehmenswert durch das Risiko des Geschäftsmodells maßgeblich beeinflusst wird, kann ein Multiplikator auch als Ausdruck des geschäftsinhärenten Risikos gesehen werden. Diese Schlussfolgerung steht und fällt allerdings mit der Trennschärfe der gewählten Cluster. Anhand einer dezidierten Methodik stellten die Frankfurter fest, dass die höchsten Risiken bei FinTechs im Bereich Bezahlung zu finden sind. Über diese und weitere Erkenntnisse berichtet TME in einem aktuellen White Paper, das auf der Unternehmensseite zum Download bereitsteht.

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Artikel veröffentlicht am:
20.12.2017
Quelle(n):
Bildquelle: psdesign1 /  Fotolia
Autor/in 
Redaktion die bank
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