Banken und Online-Finanzierungsplattformen
Besser kooperieren statt konkurrieren
 

Banken sollten Online-Finanzierungsplattformen nicht als Angreifer auffassen. Alex Bierhaus, Managing Director der Firma Compeon, erläutert in einem Gastbeitrag, wie beide Seiten von einer Zusammenarbeit profitieren können.

Die Devise lautet „kooperieren statt konkurrieren“. Statt die Finanzierungsplattformen als digitale Konkurrenz und Angreifer auf den Status Quo wahrzunehmen, sollten Banken auf Kooperation setzen. Das zeigt sich hierzulande bereits an namhaften Beispielen wie der Commerzbank oder der Deutschen Bank, die beide an unterschiedlichen Finanzierungsplattformen mit wirtschaftlichem Fokus beteiligt sind. Fakt ist: Für Banken sind die Online-Finanzierungsplattformen als Partner besonders mit Blick auf das eigene Wachstum und die Steigerung der Profitabilität eine vielversprechende Option.

Auch wenn sich noch immer viele Geldhäuser mit Kooperationen schwertun, sind es gerade die aktuellen Herausforderungen, bei denen die Plattformen Unterstützung bieten. So wollen derzeit zahlreiche Institute ihr Kreditgeschäft ausweiten. Gleichzeitig versuchen sie, Kosten einzusparen und sind immer auf der Suche nach Zusatzerträgen, weil durch die niedrigen Zinsen Einnahmen wegbrechen. 

Effiziente Neukundenakquise und profitablere Kundenbasis

Während viele Banken beim Thema Wachstum und Neukundenakquisition an hohe Kosten und viel zeitlichen Aufwand denken, können digitale Plattformen dabei helfen, die eigenen Ambitionen deutlich kosteneffizienter und schneller voranzutreiben. Dabei macht es grundsätzlich keinen Unterschied, ob eine Bank im Privat- oder Firmenkundengeschäft wachsen möchte. Die Möglichkeiten, mit denen die Kundenbasis ausgebaut werden kann, sind hier vielfältig.

Plattformen unterstützen die Banken jedoch nicht nur bei der Gewinnung neuer Kunden oder der Ausweitung des Kreditvolumens. Auch die bereits bestehende Kundenbasis kann von Plattform-Kooperationen profitieren – und bereits existierende Beziehungen können noch profitabler gestaltet werden.

Angebotsausweitung durch Finanzierungsplattformen

Denn durch die Zusammenarbeit mit Finanzierungsplattformen können Banken ihren Bestands- und Neukunden Lösungen anbieten, die das eigene Produktportfolio bislang nicht hergab. Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass sich die Geldhäuser weiter auf ihr Kerngeschäft fokussieren und die Kunden auch ohne eigene Angebotsausweitung ganzheitlich durchdringen können.

So ist es möglich, dass Banken Plattformen zum Beispiel auch dazu nutzen, um situativ zu agieren und für bestimmte Produkte Spezialanbieter hinzuziehen – ein enormer Vorteil, der für das Bankgeschäft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das zeigt beispielsweise ein Blick auf die Mittelstandsfinanzierung. Finanzierungsformen wie Leasing, Factoring, Finetrading oder Alternativen rund um Mezzanine-Kapital (Finanzierungsarten, die eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellen) und Private Debt (Kredite, die nicht von Banken vergeben werden, sondern von Fonds, Versicherern oder Pensionskassen) verzeichnen immer größeren Zulauf und lassen das Produktangebot für mittelständische Unternehmen immer fragmentierter werden. 

Banken kann es durch eine Plattform-Kooperation gelingen, mit Kunden Provisionserlöse erzielen, die nicht über ihr eigenes Produktportfolio abbildbar sind. Das ist ein weiterer Vorteil, der auf mehr Wachstum und mehr Profitabilität einzahlt und zusätzlich die Kundenbindung stärkt, da der bekannte Bankberater weit mehr Finanzierungslösungen anbieten kann.

Ob Universalbank, Spezialanbieter mit Fokusprodukt oder spezieller Kundengruppe oder Privatkundenbank, die auch die gewerbliche Sphäre ihrer Kunden ausschöpfen möchte: Kooperationen mit Plattformen bieten viele Möglichkeiten. An der Beschaffenheit der Finanzierungsplattformen selbst liegt es, dass Banken dabei stets flexibel sind und mit Anbietern kooperieren, statt sich langfristig oder fest zu binden.  

So läuft eine Kooperation ab

Entschließt sich eine Bank zu einer Kooperation mit einer digitalen Plattform, legen sie gemeinsam fest, welche Produkte aus dem Leistungsspektrum der Bank über die Plattform angeboten werden sollen und in welchem Umfang eine digitale Anbindung und Abwicklung möglich ist. Über sogenannte White-Label-Reverse-Lösungen (Produkte oder Dienstleistungen einer Firma, die nicht unter der eigenen Marke angeboten werden) kann etwa auch eine direkte Anbindung über die Online-Präsenz im eigenen Look-and-Feel geschaffen werden.

Der Vorteil für die Bank: In der Regel übernimmt der Plattformanbieter das gesamte Fullfilment für den Partner und stellt sich, aufgrund der eigenen Erfahrung mit der Anbindung des Angebots, auf die digitale Struktur der Bank ein. 

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten – Bank, Plattform und Kunden – ist geschaffen.

Der Autor

Alex Bierhaus ist Managing Director und Chief Technology Officer (CTO) von Compeon, einem produkt- und anbieterunabhängigen Full-Service-Dienstleister für Mittelstandsfinanzierung in Deutschland. 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
09.01.2019
Quelle(n):
Bildquellen: ©NadyaPhoto | istock.com
und Compeon
Autor/in 
Alex Bierhaus
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