Bankmanager fürchten soziale Ungerechtigkeit
Bedingungsloses Grundeinkommen ist keine Lösung
 

Obwohl die Mehrheit der Führungskräfte in der Bankenbranche davon ausgeht, dass im Zug der Digitalisierung Arbeitsplätze abgebaut werden und die soziale Ungleichheit zunehmen wird, spricht sie sich gegen das bedingungslose Grundeinkommen aus. Mehr noch: Die befragten Personalleiter und Geschäftsführer aus dem Finanzmarkt sehen das Konzept im Vergleich zu anderen Branchen sogar besonders kritisch.

Eine große Mehrheit der Personalleiter und Geschäftsführer aus der Banken- und Versicherungsbranche erwartet, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in Zukunft weiter öffnen wird. Ein entscheidender Grund dafür ist der erwartete Produktivitätsfortschritt durch neue Technologien wie künstliche Intelligenz und Blockchain, von dem nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren werden. 

Dieser Aussage zur Verschärfung der sozialen Ungleichheit in Deutschland stimmen in einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung EY 80 Prozent der Vertreter der Banken- und Versicherungsbranche zu. Die Finanzwirtschaft liegt damit über dem Querschnitt aller befragten Branchen (73 Prozent). Zugleich zeigt die Befragung, dass Banken und Versicherungen in den vergangenen fünf Jahren bereits besonders stark vom Arbeitsplatzabbau aufgrund von Digitalisierungsprozessen betroffen waren. In 43 Prozent der Unternehmen sind in diesem Zeitraum bereits Stellen weggefallen. Dennoch erwarten 60 Prozent der Befragten aus der Finanzwirtschaft, dass sich diese Entwicklung in Zukunft verschärfen wird. 

Insgesamt befragt wurden 301 Personalverantwortliche, Inhaber und Geschäftsführer von Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Automotive, Handel und Maschinenbau. Über alle Branchen hinweg liegt der Anteil der Unternehmen, bei denen sich die Zahl der Arbeitsplätze bereits verringert hat, bei sehr viel moderateren 17 Prozent. 

33 Prozent aller Studienteilnehmer gehen davon aus, dass in ihrem Unternehmen künftig Arbeitsplätze wegfallen werden. Dagegen erwarten lediglich neun Prozent der befragten Führungskräfte, die sich intensiv mit dem Thema Personal beschäftigen, dass durch die Digitalisierung zusätzliche neue Arbeitsplätze entstehen werden. Von dieser ohnehin geringen Anzahl geht wiederum nur ein Drittel davon aus, dass die vorhandenen Qualifikationen der Mitarbeiter ausreichen, um diesen neuen Arbeitsplätzen gerecht zu werden. Stellenabbau und mangelnde Qualifikationen für eine zunehmend digitalisierte Wirtschaftswelt bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation und das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland. So betrachten 39 Prozent der Befragten das Problem sozialer Abkopplung und schwindender Teilhabemöglichkeiten einzelner Gruppen als ein „ausgesprochen drängendes“ oder „eher drängendes“ Problem, lediglich 22 Prozent sehen hierin „überhaupt kein“ oder „eher kein drängendes“ Problem. Als besonders bedrohlich wird das Szenario der gesellschaftlichen Spaltung von Führungskräften aus der Automobilbranche und dem Maschinenbau eingestuft. In diesem Punkt findet sich die Finanzbranche vor dem Handel auf Platz drei.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
30.07.2018
Erschienen in Ausgabe:
06/2018
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Quelle(n):
Bildquelle: ©enviromantic | istockphoto.com
Autor/in 
Nelson Taapken
ist Partner im Bereich People and Organizational Change bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH. Er verantwortet dort u. a. die Themen HR Transformation und Führungskräfteentwicklung.
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